Wir haben unsere Fahrt aus Quezaltenango zufälligerweise gut auf einen Sonntag gelegt und können so mit wenig Verkehr die Stadt verlassen. Es erwartet uns erneut ein gut 30km langer Anstieg auf welchem wir viele Sonntagsradfahrer antreffen. Meistens hat die Panamericana nun einen Pannenstreifen und so können wir etwas entspannter neben dem Verkehr herfahren. Es ist für einmal ein relativ ereignisloser Radtag.

Nur als wir uns für das Abendessen eindecken wollen, merken wir zum ersten Mal, dass hier tatsächlich am Sonntag viele kleine Läden geschlossen haben. So gibt es für das Abendessen unsere Notfallnahrung (Mac n‘ Cheese für Tamara, Pestoramen für Simon). Wir campen bei einem Pflanzenladen, der im hinteren Bereich noch einen Park hat. Netterweise lassen sie da Radfahrer zelten und wir verbringen eine ruhige Nacht.



Am nächsten Morgen bekommen wir noch Besuch von zwei jungen Hunden und würden sie am liebsten mitnehmen. Wir freuen uns, denn heute geht es nach Panajachel am Lago Atitlan, wo wir Leti wiedersehen werden. Es ist eine kurze Etappe mit nur 40km und zumindest die Schlussabfahrt geht runter. Vorher müssen wir aber noch viel hoch und runter auf der Panamericana. Leider ist der Wind heute sehr stark und wir müssen ab und zu absteigen und das Rad stossen.
Wir überlegen uns bereits mit Autostopp weiterzufahren, doch Leti ermutigt uns, dass die Abfahrt zum See weniger windig sein sollte. Also schaffen wir die letzten 4km zum Abzweiger mit langsam und vorsichtigem Fahren und tatsächlich ist die Abfahrt dann einiges weniger windig und wunderschön.

Wir müssen immer wieder anhalten um Fotos zu machen und geniessen die wunderbare Aussicht auf die Vulkane am Lago.



Pünktlich zum Mittagessen kommen wir in Pana an und treffen Leti in einem feinen Restaurant. Wir geniessen den gemeinsamen Nachmittag mit Kaffee und Kuchen und gehen anschliessend zu Carlos unserem Host. Zufälligerweise hat Leti Carlos eine Woche vor unserer Ankunft kennengelernt und als er ihr erzählt hat, dass er immer wieder Leute aufnimmt und auch schon Radfahrer beherbergt hat, nutzte Leti die Chance und erzählte ihm von ihren Schweizer Radfreunden. So kommen wir bei Carlos an und sind fasziniert von seinem schönen Haus. Er lebt mit seinem Sohn Eric hier und hat eine unglaubliche Offenheit für Gäste. Meistens nehmen sie Freiwillige von verschiedenen Organisationen auf oder eben Radfahrende wie wir. Wir geniessen die Dusche und gehen anschliessend fürs Abendessen einkaufen. Da sein Sohn Eric gerne und gut kocht, haben sie eine richtig gut ausgestattete Küche, was auch uns sehr freut. Wir kochen Spagetti alla Carbonara und backen eine Zopf. Gemeinsam geniessen wir ein Abendessen und spielen noch ein Farbendomino mit Carlos.
Am nächsten Tag wollten wir eigentlich das kleine Dorf San Juan auf der anderen Seite des Sees besuchen, doch bereits als wir aufwachen, hören wir den Wind um die Fenster blasen. Da es auf diesem See nur viele kleine Boote gibt, ist es sehr gefährlich bei starkem Wind zu fahren und wir beschliessen deshalb einen gemütlichen Tag in Pana zu verbringen. Wir bleiben etwas länger liegen, geniessen ein phantastisches Frühstück und telefonieren mit unseren Familien.

Anschliessend spazieren wir durch das Dorf und trinken in einer deutschen Bäckerei einen Kaffee und kaufen richtig gutes Brot. Am Abend sind wir eingeladen mit Leti und ihren Freunden zu ihrem Philosophie-Club. Sie treffen sich immer wieder und besprechen philosophische Themen. Als sie von Leti hörten, dass ich Theologin und Pfarrerin bin, wollten sie unbedingt ein gemeinsames Treffen abmachen. Wir brachten Zopf, Honig und Brownies und genossen einen gemeinsamen Abend. Ich durfte viele Fragen zu meiner Arbeit und dem Studium beantworten und es war super spannend. Zu Simons Freude haben wir 80% der Unterhaltung sogar auf Englisch geführt. Es war schön Letis Freunde kennenzulernen und einen gemeinsamen Abend zu verbringen.
Am nächsten Tag haben wir eine grosse Wanderung geplant. Pünktlich um 7.15 Uhr werden wir von einem Taxi abgeholt und fahren gemeinsam mit Leti zum Bootsteg. Von da geht es nach San Pedro und mit einem TucTuc zum Eingang des San Pedro Vulkan Reservat.



Wir wandern gemeinsam den Vulkan hoch und Leti ist beeindruckt wie gut die Wanderwege im letzten Jahr ausgebaut wurden. Wir sind stolz auf unsere Kondition und legen die 1000 Höhenmeter in 2.5 Stunden (inkl. Pausen) zurück. Auf dem Gipfel geniessen wir die unglaubliche Aussicht auf den See und die umliegenden Vulkane. Wir essen das feine Brot und bleiben eine Zeit sitzen, bevor es die 1000 Höhenmeter auch wieder runter geht.





Am Ende sind wir froh wieder unten angekommen zu sein und mit dem Boot wieder heil zurück nach Pana zu kommen. Die Wellen auf diesem See sind schon sehr stark und das Boot schlägt immer wieder hart auf. Wir beschliessen diesen wunderbaren Tag mit einem Kaffee und einem Dessert bevor wir nach Hause fahren, um uns etwas auszuruhen. Am Abend werden wir von Letis Freund noch in seine Sauna eingeladen. Es ist eine Steinsauna im Garten und sie wird mit Feuer geheizt. Da der Schornstein neu ist, bleibt allerdings ein etwas metallner Geruch zurück und wir halten die Saunagänge in Grenzen. Es ist dennoch ein schöner Abend und wir gehen anschliessend sehr müde schlafen.
Am nächsten Morgen können wir es kaum glauben. Da fahren wir drei mit dem Rad praktisch durch einen ganzen Kontinent und dann ruiniert uns ein Vulkan die Muskeln. Man könnte es auch isoliertes Muskeltraining nennen und laufen ist da wohl nicht inkludiert. Darum können wir alle drei nur langsam und vorsichtig laufen und Treppen sind der Horror. Wir müssen aber auch etwas über unseren Muskelkater lachen. Um unsere Beine zu schonen fahren wir mit einem Bus nach San Antonio, welches bekannt ist für die Keramik. Aus dem Lehmboden des Seeufers können sie gute Keramik herstellen. Wir können unsere eigenen Tassen bemalen und verbringen eine gute Stunde im Atelier der Frauen. Es hat Spass gemacht und Leti wird uns die Tassen nach Europa bringen.




Anschliessend bekommen wir noch eine Schokoladentour und geniessen ein kaltes Schokofrappe bevor wir zurück nach Pana fahren und uns einen kleinen Snack gönnen. Simon und ich kochen heute Abend nochmals für Carlos und Eric Abendessen und da wir den Ofen nützen wollen, gibt es feine Pizza mit selbst gemachtem Teig. Leider bekomme ich beim Rumikub spielen starke Kopfschmerzen und muss danach schnell schlafen gehen.

Am nächsten Tag stehen wir früh auf und besuchen mit Leti das CEDRACC (Centro de Educacion para el Desarrollo Rural y la Adaptacion al Cambio Climatico) von der NGO Vivamos Mejor. Das klingt nun sehr kompliziert und es war auch unglaublich beeindruckend, was Vivamos Mejor alles macht. Der Ort hat einerseits einen eigenen Garten, wo sie sowohl Bäume, wie auch Gemüse züchten. Denn hier gibt es keine Landi, wo man einfach Setzlinge kaufen kann, sondern es muss alles selbst gezüchtet und verteilt werden. Ebenso unterstützt Vivamos Mejor den Staat bei der Wiederbepflanzung von Wäldern mit einer grossen Diversität an Bäumen um den Wald stabiler und gesünder zu machen.




Guatemala hat in ganz Lateinamerika die grösste Mangelernährung vor allem bei Kindern, was dazu führt, dass sie nicht richtig wachsen und sich das Gehirn nicht entwickeln kann. Vivamos Mejor arbeitet sehr eng mit den Familien zusammen und macht eine ganzheitliche Bildung vom Gemüsegarten bis zu Kochkursen, was für eine ausgewogene Ernährung wichtig ist und wie das angepflanzte Gemüse genutzt werden kann. Es ist ein sehr praktischer und nachhaltiger Zugang. Es war unglaublich eindrücklich und schwierig in Worte zu fassen, was uns Leti über die verschiedenen Projekte von Vivamos Mejor erzählt hat. Definitiv ist Vivamos Mejor ein unglaubliches NGO, dass nachhaltig und vor Ort aktiv ist. So war Leti die einzige Europäerin im ganzen Team und es werden auch Menschen aus den Dörfern stark miteinbezogen. Es hat Mut gemacht zu sehen, wie sich die Menschen für ein besseres Leben und eine bessere Zukunft engagieren und hat leider aber auch aufgezeigt wie viele Ressourcen hier fehlen. Wenn der Staat nicht helfen kann, dann müssen es die Menschen selbst tun und dafür fehlt oft das Wissen, weshalb Vivamos Mejor Wert auf eine gute Bildung setzt.
Die Schweiz ist ein langjähriger Geldspender für Vivamos Mejor, aber auch die Schweiz hat in den letzten Jahren das Budget gekürzt und hier können wir vor Ort sehen, was dies bedeutet. Wir bekommen dies nicht immer mit, aber hier haben unzählige Familien und Kinder kein Zugang zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung und das ist tragisch. Deshalb können wir die NGO Vivamos Mejor von Herzen empfehlen und falls ihr beim nächsten Grosseinkauf über den eigenen Tellerrand blicken wollt, dann ist dies sicherlich eine super Anlaufstelle. https://www.vivamos.org/de/was-wir-tun/lateinamerika/guatemala/
Nach all diesen Eindrücken brauchten wir eine Siesta und trafen uns am Abend bei Carlos Zuhause für ein Abschiedsabendessen. Eric hat Lasagne und ein super Cocosflan zum Dessert gekocht und gemeinsam mit ihnen, Leti und zwei Freunden von Vivamos Mejor haben wir einen schönen Abend verbracht. Dann kam das Abschiednehmen von Leti. Es war schon sehr speziell und traurig. Wer hätte gedacht, dass wir uns Mitten in unserer Reise in Guatemala von einer guten Freundin verabschieden müssen. Wir sind sicher, uns irgendwann und irgendwo wieder zu treffen und freuen uns schon jetzt darauf. Bis dahin wünschen wir Leti eine wunderbare Zeit und hoffen, sie auf dem Fahrrad oder sonst möglichst bald wiederzusehen.

Super spannender Beitrag! Werde morgen den Beitrag von Vivamos lesen. Jetzt bin ich zu müde. Es ist 23 Uhr. Liebe Grüsse Omimi Susi