Bevor wir unsere Radreise in Südamerika fortfahren, geniessen wir noch ein sehr schönes Wochenende mit Luis und seiner Familie. Wir stehen am Samstagmorgen um 5.00 Uhr auf, hier in Costa Rica nicht um in die Berge zu fahren, sondern damit wir ohne Stau an den Strand kommen. Diese Strategie klappt hervorragend und wir kommen pünktlich nach drei Stunden Fahrt beim Manuel Antonio Nationalpark an. Bevor wir uns in den Park begeben, geniessen wir ein sehr feines Frühstück mit einer wunderschönen Aussicht auf den Park mit dem Strand.

Da es im Manuel Antonio sehr viele Tiere, vor allem Affen hat, darf kein Essen mitgebracht werden. Gut gestärkt gehen wir alle zusammen durch den Park und sehen drei verschiedene Affenarten, Faultiere, diverse Vögel und vieles mehr. Es ist ein super schöner Park und sehr beliebt bei den Ticos (Costaricaner).



Nach der schönen Wanderung freuen wir uns auf die Abkühlung im Meer. Wir haben uns allerdings zu früh gefreut, denn das Wasser ist warm wie eine Badewanne (ca. 35 Grad). Dennoch tut der Schwumm gut und im Anschluss schlafen Simon und ich sofort am Strand ein. Als wir aufwachen ist nur noch Luis da. Seine Familie ist bereits zum Hotel aufgebrochen. Wir machen noch den letzten Wanderweg und beobachten auch hier viele Tiere. Vor allem die Affen haben absolut keine Angst mehr vor den Menschen.


Danach gibt es eine etwas bessere Abkühlung im Pool des Hotels und das Abendessen geniessen wir alle zusammen mit einem schönen Blick über das Meer. Wir kommen gerade rechtzeitig, um die letzten Sonnenstrahlen zu sehen. Fürs Dessert gehen wir an den Hafen und beobachten die Preisvergabe eines US-amerikanischen Fischerwettkampfs. Der ganze Hafen ist sehr luxuriös und passt zu den 2.5 Millionen Preisgeld, welche da verteilt wurden. Wir begnügen uns mit einem etwas teuren Glacé zum Dessert und freuen uns über das Feuerwerk. Danach gehen wir sehr typisch für hier, müde und früh (20.00 Uhr) zurück ins Hotel und ins Bett. Am nächsten Morgen machen wir einen Spaziergang am Meer und verabschieden uns somit vom Pazifik. Voraussichtlich werden wir in Peru wieder zurückkehren.

Wir gehen nochmals ins selbe Kaffee fürs Frühstück, welches richtig gut war. Sehr typisch für Ticos ist, immer das selbe zu essen und so essen alle ausser Simon und ich nochmals das gleiche Frühstück wie am Vortag und vermutlich auch meistens zu Hause. Danach fahren wir zwei Stunden wieder Richtung San José zurück und machen einen Halt im Nationalpark Carara. Wir wandern zwei Stunden sehr gemütlich durch den Park und suchen Tiere. Luis‘ Bruder beobachtet sehr gerne Vögel und hat daher ein gutes Auge. Wir sehen ganz viele verschiedene und es werden fleissig Fotos gemacht. Auch die letzte Affenart von Costa Rica bekommen wir noch zu sehen und sogar zwei Schlangen. Somit konnten wir an diesem Wochenende nochmals Costa Rica in vollen Zügen geniessen und das Pura Vida erleben. Vielen Herzlichen Dank an Luis und seine Familie für die tolle Reise.


Am Sonntagabend finden wir beim Einchecken unseres Fluges am nächsten Tag heraus, dass er um 3.5 Stunden früher abfliegt. Darum wird bereits etwas gepackt, damit wir am Montag genug Zeit haben. Wir frühstücken um 6.00 Uhr noch mit Luis und verabschieden uns danach. Er geht arbeiten und wir verfrachten unsere Räder in zwei Kartonkisten. Alles andere verpacken wir in einen Koffer, welcher Gabi und Luis nicht mehr brauchen und unsere vier Fahrradtaschen werden mit Klarsichtfolie und Klebeband verpackt. Danach bestellen wir viel zu früh ein Uber und wie immer klappt dann alles am Schnürchen und wir treffen gute 6 Stunden zu früh am Flughafen ein. Na dann wird halt gewartet.

Es klappt fast alles einwandfrei und wir können unsere Koffer und Räder beim Schalter abgeben. Nur leider verlangt die Fluggesellschaft einen Ausreiseflug für Kolumbien. Denn haben wir natürlich nicht, aber da gibts schnelle Wege an so eine „Reservation“ zu kommen. Nach einem kurzen unspektakulären Flug will dann der Zoll von Kolumbien kaum etwas wissen und der Ausreiseflug ist irrelevant. Da haben wir schon immer einen grossen Vorteil mit dem Schweizer Pass. Nachdem wir noch eine gefühlte Ewigkeit auf unsere Räder warten sind wir glücklich in Kolumbien eingereist und werden vom Regen empfangen. Immerhin kommen wir mit dem Shuttle schnell zum Flughafenhotel und gehen ziemlich k.o. Schlafen. Am nächsten Morgen verbringen wir gute 1.5 Stunden alles wieder fahrbereit zu bauen und nach einem leckeren Frühstück gehts wieder los auf die Strasse.


Wir freuen uns sehr und das Gefühl wieder zurück zum altbekannten ist toll. Ausserdem hält das Wetter gut und wir kommen trocken und sehr angenehm die 40km nach Medellin. Die Strassen von Kolumbien sind sehr schön gebaut, es ist sauber mit wenig Abfall am Strassenrand und wir sehen so viele Radfahrende wie noch nie. Es ist ein gewöhnlicher Dienstagmorgen und so merkt man bereits die Begeisterung für den Radsport in diesem Land. Man kann wohl sagen, dass Radfahren in Kolumbien genauso als Nationalsport zählt wie Wandern in der Schweiz.

So sind wir auch super happy über die vielen tollen Radwege in Medellin und kommen gut zu Daniel unserem Gastgeber. Es ist eine Freude ihn wiederzusehen und nach einer kurzen Stärkung machen wir uns gleich mit den Rädern auf eine erste Erkundungstour. Wir fahren auf einen kleinen Hügel in der Stadt hoch und sehen uns das touristische Replika eines Bergdörfchens an. Danach zeigt uns Daniel einen schönen Park am Fluss und ein nettes Universitätsviertel.

Wir trinken unseren ersten „Tinto“. In Kolumbien ist dies kein Rotwein, sondern schwarzer Kaffee. Es ist eine Mittelweg zwischen einem Americano und einem Espresso und schmeckt sehr gut. Den Abend verbringen wir plaudernd beim Abendessen im Shoppingmall. Wir wären nie in dieses Restaurant, aber Daniel erklärt uns, dass es eines der beliebtesten Ketten ist und wir müssen auch auf einen Tisch warten. Danach gehen wir sehr erschöpft und überglücklich ins Bett.
Am nächsten Tag erwartet uns eine spektakuläre Tour durch Medellin. Daniel nimmt uns mit und zeigt uns die ganze Stadt. Wir fahren mit der Metro, ja Medellin hat ein wirklich gutes ÖV Netz, einmal quer von Süden nach Norden und wir können die ganze Stadt bewundern. Sie ist unglaublich gross und ins Tal hineingebaut. Eine 4.5 Millionenstadt in den Bergen.


Darum gehört zum ÖV auch die Gondelbahn, was uns einen hervorragenden Blick über die Stadt und anschliessend die Natur ermöglicht. Es regnet sehr viel in Medellin und deshalb ist alles Grün.

Nach diesem Ausflug ins Grüne mit der Gondel, (Wir fahren hoch und gleich wieder runter), gehen wir ins Stadtzentrum. Da wir noch zwei neue Ketten kaufen möchten bringt uns Daniel ins chaotische Viertel von Medellin. Hier sieht man dann auch deutlich mehr Obdachlose und Drogensüchtige und wir wären alleine wohl nicht diesen Weg gelaufen. Daniel hatte aber viele Jahre an diesem Ort einen Fahrradladen, denn alle Fahrradläden der Stadt sind da. Danach spazieren wir durch die Fussgängerzone, sehen uns das Haus der Kulturen an (mit einer original Schweizer Bäckerei) und laufen bis zur Kathedrale.

Anschliessend begeben wir uns in den Westen der Stadt zur Comuna 13. Dieses Viertel ist heutzutage eine riesige Touristenattraktion und wir fühlten uns sehr Fehl am Platz. Es ist so steil im Hang, dass es Rolltreppen hat, wobei diese laut Daniel für die Anwohner und nicht die Touristen gebaut wurden. Heute hats hier eine Bar neben der anderen und viele junge Touristen geben sich die Kannte. Bekannt ist das Viertel allerdings weil es früher eines der gefährlichsten Stadtteile Medellin‘s war. Escobar und der Drogenhandel waren hier (und auch in ganz Medellin) aktiv und hatten alles unter Kontrolle. Daniel hat uns die Tragik nur angedeutet, aber er hat diese Zeiten noch erlebt. Er konnte vor 30 Jahren nur in dieses Viertel, wenn er jemanden kannte. Eindrücklich und tragisch ist vor allem seine Einschätzung, dass nur etwa 20% seiner Schulkollegen noch leben und zwar lediglich diejenigen, welche das Land verlassen haben. Die Kommune 13 hat also sehr viele Leben während der Drogenzeit gefordert, aber auch der Wechsel durch das absolut rigorose Eingreifen des Staates zur heutigen Ordnung hat unzählige Leben gefordert. Darum sind wir mit Daniel einig, dass die heutige Touristenattraktion etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Die wunderschönen und voller Geschichten geprägten Wandmalereien, welche das Viertel ursprünglich bekannt gemacht haben, gehen im Partyleben leider fast unter.




So machen wir uns bald wieder auf den Heimweg und wechseln noch die Ketten an unseren Rädern. Mit etwas Hilfe von Daniel sind wir rasch fertig und gehen zu einem kleinen Platz, wo man sich zum Bier trinken trifft. Nach unserem ersten kolumbianischen Bier, ein gutes Lager, gibts richtigen kolumbianischen Streetfood. Hotdog, Hotdog mit Speck, Hotdog mit Poulet und vielem mehr gefüllt. Ein super feines Abendessen und eine gute Vorbereitung für unseren Wiedereinstieg ins Rad fahren.

Am nächsten Morgen fahren wir wie immer bei Zeiten los und kommen einigermassen gut aus der Stadt. Es hat halt wie immer einfach zu viele Autos für unseren Geschmack. Danach beginnt der erste lange Anstieg, aber an das können wir uns gleich gewöhnen. Kolumbien hat viele Anstiege.

So geniessen wir unser Mittagessen nach bereits 1000 Höhenmeter und bekommen aber eine richtig grosse Portion. Für etwas 9.- CHF gibts eine Suppe zur Vorspeise, einen grossen Hauptgang, ein Getränk und einen Kaffee. Perfekt für Radfahrer. Gestärkt machen wir uns an die lange Abfahrt bis nach La Pintata, wo wir von Cristian und Santiago beherbergt werden. Santiago zeigt uns auf einem Abendspaziergang noch das Dorf La Pintada und wir probieren ein typisch kolumbianisches Gebäck mit Dulce de Leche, Käse und einer Konfitüre.


Am nächsten Tag geht es für Kolumbien sehr flach dem Fluss entlang und wir kommen zügig vorwärts. Wir treffen erneut auf viele Radfahrende und geniessen den eher ruhigen Verkehr und den breiten Pannenstreifen in vollen Zügen. Im Tal ist es nun wieder sehr warm und wir kommen gut ins Schwitzen. Ein kolumbianisch-schweizerisches Mittagessen aus Arepas mit schweizer Käse und Ovoschokolade stärkt uns und wir kommen exakt um 16.00 Uhr beim Restaurant an, wo wir zelten möchten. Wir haben auf iOverlander gelesen, dass hier Radfahrende willkommen sind und so werden wir bereits an der Strasse von Jonatan, welcher die Autos einweist begrüsst und an den Besitzer Gregorio verwiesen. Ohne Probleme dürfen wir bei ihnen unter dem Dach zelten und bekommen zur Abkühlung ein kaltes Getränk und eine ganz frische Papaya. Die Freundlichkeit der Kolumbianer ist wunderbar. Wir dürfen all unsere Sachen bei ihnen lassen und 5 Minuten zu Fuss zum Fluss spazieren, wo wir eine schöne Abkühlung nehmen. Das Wasser des kleinen Nebenflusses ist super klar und man kann die kleinen Fische gut sehen. Das Restaurant schliesst bereits um 16.00 Uhr also kochen wir unsere eigene Pasta und gehen anschliessend früh schlafen. Auch hier gilt es nun wieder Ohropax zu nützen, denn der Strassenverkehr und der Güggel halten uns sonst die ganze Nacht wach.


Bereits um 5.30 Uhr werden wir allerdings von Jonatan geweckt, der das Restaurant bereit macht. Wir packen all unsere Sachen zusammen und warten bis um 7.00 Uhr fürs Frühstück. Das Mindeste, was wir als Dank für die Gastfreundschaft machen können, ist ein super gutes und unglaublich günstiges Frühstück zu geniessen.

Danach sind wir bereit für einen weiteren Radtag. Heute ist es nicht sonderlich weit, lediglich 35km. Diese haben es allerdings in sich und wir müssen gute 1500 Höhenmeter nach Manizales hoch radeln. Gregorio hat uns noch den Tipp gegeben auf die Nebenstrasse zu wechseln, die viel die schönere Aussicht hat, als die Autobahn. Das war ein super Tipp und so geniessen wir die Fahrt in vollen Zügen.


Da wir trotz Anstrengung nicht sonderlich Hunger haben, gibt es einfach immer wieder ein Snack oder eine kühle Glacé bis wir nach guten 5 Stunden in Manizales ankommen. Der allerletzte Anstieg ist dann so steil, dass wir stossen müssen. Eine nette Frau hilft mir beim Fahrrad hochschieben und plaudert ein wenig mit mir – super nett. Danach kommen wir glücklich in unserem Airbnb für die nächsten Tage an und da wir die ersten Gäste sind, gibt es sogar eine kleine French Press Kaffeemaschiene als Geschenk. Nun hat Simon halt noch etwas mehr Gewicht, aber dafür können wir in Zukunft besseren Kaffee trinken.

Unglaublich, dass Ihr immer so nette und hilfsbereite Menschen antrifft! Liebe Grüsse und gute Fahrt. Omimi Susi