Krank in den Bergen

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Etwas wehmütig verlassen wir unser Hostel in Oaxaca. Die Stadt hat uns richtig gut gefallen aber nach vier Tagen ist es wieder an der Zeit weiterzuziehen. Damit wir wieder an einem schönen neuen Ort ankommen können, müssen wir auch wieder Orte verlassen. Um aus der Stadt zu fahren haben wir uns wieder für die Strategie „möglichst schnell und gerade raus“ entschieden und sind direkt einer der Hauptstrassen Richtung Süden gefolgt. Das hat eigentlich ganz gut funktioniert auch wenn uns manchmal die Busse und Taxis, die ständig auf der ganz rechten Fahrspuhr anhielten, in die Quere kamen. Es ist aber auf jeden Fall der schnellste und einfachste Weg, um aus der Stadt zu kommen und wir verlassen schnell das dichte Siedlungsgebiet. Mit der Zeit wurde die Strasse dann eher zu einer Autobahn aber uns kam das entgegen, denn so hatten wir einen schönen Pannenstreifen und der Verkehr nahm stetig ab. Wir kamen viel schneller voran als gedacht und haben schon am Mittag eines der möglichen Tagesziele erreicht. Da es aber nichts spezielles zu sehen gab, fuhren wir einfach weiter. Irgendwann bogen wir von der Autobahn auf die alte Überlandstrasse ab, die durch die Berge auch an die Küste des Staates Oaxaca führt. Etwas entgegen unserer Erwartungen nahm der Verkehr da eher wieder zu, aber die Autos und Lastwagen überholten sehr rücksichtsvoll. Obwohl die Strasse nun hügeliger wurde und Gegenwind aufzog, schafften wir an diesem Tag fast 100 Kilometer und erreichten die Kleinstadt Miahuatlán am Fusse des nächsten grossen Anstieges. Dort haben wir gleich den Rekord für die günstigste Hotelübernachtung vom letzten Blogbeitrag wieder gebrochen und für 200 Pesos (9 CHF) übernachtet. Allerdings war das Hotel dieses mal deutlich weniger charmant. Es hatte zum Beispiel keinen WC-Ring und Deckel und die Duschbrause war einfach in der Mitte des Badezimmers montiert, sodass nach dem Duschen alles nass war. Am späteren Abend sind dann noch Leti und Sara angekommen. Sie wollten eigentlich mit einem Lastwagenfahrer bis oben an den langen Anstieg kommen aber der Fahrer hatte seinen Pläne spontan geändert und sie früher abgeladen.

Auf den Strassen von Oaxaca

Am nächsten Tag ging es dann für 36 Kilometer praktisch nur bergauf. Dafür wurde die Aussicht mit jedem Höhenmeter schöner und die Strasse schlängelte sich durch die grünen Wälder immer wieder an kleinen Ortschaften vorbei. Praktisch jeder gerade Quadratmeter am Strassenrand war mit einem kleinen Häuschen besetzt. Kurz vor unserem Tagesziel entdeckten wir an der Strasse einen kleinen Seilpark und konnten so einige Meter auf einem anderen Velo in schwindelerregender Höhe mit bester Aussicht zurücklegen. Die Ortschaft San José del Pacifico erreichten wir dann zusammen mit Sara und Leti und machten uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Die Entscheidung war nicht ganz einfach und es dauerte ein bisschen bis wir uns für ein Hostel am Hang entschieden. Es war ein ziemlicher Kraftakt, die Velos mit dem Gepäck über verschieden Treppen hoch und runter zu unserem Zimmer zu bringen, denn das Hostel bestand aus vielen einzelnen Hütten, die mit vielen Terrassen und Treppen in den Hang gebaut wurden. Die Aussicht entschädigte den Aufwand aber vielfach und wir durften einen wunderbaren Sonnenuntergang bestaunen. Getrübt wurde das Ganze ein Bisschen von ersten Erkältungssymptomen bei Tamara, die ihr den ganzen Tag schon etwas zu schaffen machten, sich aber beim Abendessen noch verstärkten. 

Mit zunehmender Höhe werden die Strassen wieder grüner
Zur Abwechslung ein anderes Velo
Sonnenuntergang direkt von der Hostel-Terrasse
Das Hostel ist schön in den steilen Berg gebaut

Am nächsten Morgen stellte sich dann heraus, dass es Tamara richtig erwischt hat und sie blieb den ganzen Tag mit Fieber und Schüttelfrost im Bett, während ich eine kurze Wanderung oberhalb des Dorfes machte und uns mit Medikamenten und Lebensmitteln eindeckte. Die Wanderung war sehr schön und vor allem steil. Eine richtig gute Aussicht zu bekommen, war aber schwierig, denn der Wald war dicht man konnte nur selten zwischen den Bäumen durchschauen. Zum Glück gibts aber noch die Drohe. Auch interessant waren die alternativ-hippy Touristen, die ich auf der Wanderung, im Dorf und auch im Hostel angetroffen habe. San José del Pacifico ist bekannt für seine halluzinogenen Pilze und ich habe gespannt beobachten können, wie sich die Leute unter Einfluss dieser Pilze verhalten. Die Stimmung war auf jeden Fall sehr ausgelassen. 

Auch am Morgen passt die Aussicht
Auf der Wanderung
Drohnen-Sicht auf San José del Pacifico
Another day, another sunset

Weil es Tamara auch am nächsten Tag noch nicht besser ging und auch ich etwas Husten und Halsschmerzen bekam, blieben wir noch zwei weitere Tage im Hostel in San José del Pacifico. Viel zu berichten gibt es da nicht mehr, da das kleine Bergdörfchen auch nicht viel zu bieten hatte. Ich ging jeweils zum Einkaufen vom Hostel runter zu den Läden und am zweiten Tag schafften wir es beide zu einem feinen Thai-Essen im Restaurant das Hostel zu verlassen. 

Die Wolken ziehen durch das Dorf

Es war nicht einfach zu entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt zum Aufbrechen ist. Um uns vollständig auszukurieren wäre vermutlich fast eine Woche nötig gewesen, aber mit der Zeit fiel uns im 6 Quadratmeter kleinen Hostelzimmer die Decke auf den Kopf und wir sehnten uns nach der wärme und dem Strand, der in zwei Tagen auch angeschlagen noch zu erreichen ist. Obwohl wir in den zwei Tagesetappen zum Meer auf etwas mehr als 100 Kilometer etwa 4‘000 Höhenmeter Abfahrt hatten, ging es auch 1‘500 Höhenmeter bergauf. So bergig hatten wir es noch nie auf der Reise. Die Strasse ist nie flach und es geht auch immer um die Kurve. So kämpfte und hustete sich Tamara an der ersten Tagesetappen etwas langsamer als sonst die Gegensteigungen hoch. Dafür konnten wir uns auf den langen, kurvigen Abfahrten gut erholen und beobachten, wie sich die Landschaft durch den Nebel langsam ins tropische wandelte. Zum Übernachten haben wir einen schönen Platz auf einer Kaffeeplantage ausgesucht und verbrachten eine durchschnittlich ruhige Nacht mit Vogelgetzwitschter und einer Dorfparty in der Nähe.

Blick zurück in Richtung San José del Pacifico
Einkauf auf dem Dorfmarkt in San Miguel Suchixtepec
Abfahrt durch die Wolken
Die letzten Meter zum Übernachtungsplatz
Eine tropische-warme Nacht in bei den Kaffeeplantagen

Die verbleibenden 50 Kilometer zum Pazifik haben wir schnell zurückgelegt und fahren von Puerto Angel noch über einen Hügel nach Playa Zipolite. Dort gibt es einen grossen Campingplatz mit Pool und wir treffen auch Leti, Sara, Gab und Han wieder. Die Abkühlung nach den letzten heissen Kilometern tut sehr gut. Es ist viel los auf dem Camping, da die Mexikaner noch ein verlängertes Wochenende mit Feiertag haben. Neben Menschen gibt es auch viele Tiere. Es führt sich an wie auf einem Bauernhof.

Morgendliche Vogelbeobachtung
Tierwelten auf dem Campingplatz
Auch am Strand gibt es wieder einen schönen Sonnenuntergang

Für den nächsten Tag haben wir eine Bootstour mit Schnorcheln und Whale Watching geplant. Schon um 6 Uhr morgens geht es los und wir legen auf einem kleinen Motorboot von Puerto Angel ab. Leider is das Meer sehr rau und Tamara wird trotz Medikamenten Seekrank. Auch die Wale und Delfine hatten keine Lust auf die raue See und wir bekamen ausser einem Mantarochen nichts zu sehen. Wegen der grossen Wellen konnten wir auch nicht zum Riff zum Schnorcheln und waren deswegen schon eine Stunde früher zurück. Immerhin konnten wir in der Bucht von Puerto Angel noch etwas schnorcheln und eine frischen Fisch geniessen. Den Rest des Tages verbrachten wir am Strand von Puerto Angel und beim Pool auf dem Campingplatz. Bei den Temperaturen hier ist nachmittags vor allem Entspannung angesagt. 

Sonnenaufgang vom Whale Watching Boot
Dieser Mantarochen war leider das einzige Meerestier, das wir gesehen haben
Dafür gabs viele Vögel
Und schöne Küstenlandschaft
Frischer geht es kaum
Den Rest des Tages geniessen wir am Strand und können noch ein bisschen Schnorcheln

Weil es hier so schön ist und wir uns noch einen Tag mehr auskurieren möchten, geniessen wir einen weiteren Tag am Pool und am Meer und schreiben diesen Blogbeitrag.

Der letzte Waschgang für diesen Drybag

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Susi

    Ich hoffe, dass Ihr bald wieder top fit seid und wünsche weiter erkebnisreiche Reise. Liebe Grüsse Omimi Susi

  2. Soori

    woow, interessant,und sehr schönes Fotos.ich Wünsche euch alles Gute und viel Spaß und Erfolg.

  3. Sven

    Guet uskurriere!