Kurzaufenthalt in Nicaragua

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Der Morgen der Überfahrt nach Nicaragua beginnt mit einer schönen Überraschung. Beim Zollbüro am Hafen von La Union sehen wir drei Fahrräder und treffen Romain, Alex und Dominik wieder. Wir haben die Drei im Yukon schon getroffen und Romain und Alex später in Mexico City nochmals. Die Welt der Radreisenden ist manchmal sehr klein. Ausser uns fünf Radreisenden sind noch etwa 50 Backpacker dort, die auch mit dem Boot nach Nicaragua gehen und so Honduras auslassen. Das ganze Prozedere ist gar nicht mal so schlecht organisiert und wir werden auf drei kleine Boote verteilt. Die Pässe geben wir pro Boot auf einen Haufen und während der Zollbeamte die Ausreise bearbeitet und die Pässe stempelt, können wir das Einreiseformular für Nicaragua ausfüllen und uns zum Frühstück die letzten Pupusas holen. Weil es bei diesem kleinen Zollbüro keine kleinen Kameras für das Portraitfoto gibt, mussten wir uns zum Schluss noch wie in einem Klassenfoto aufstellen und der Zollbeamte machte mit dem Handy ein Gruppenfoto. Wir alle fanden das sehr lustig und fragten uns, was mit diesem Foto wohl geschehen wird. Anschliessend ging es zu den Booten. Das Gepäck wurde sicher verstaut und die Velos zuoberst angebunden. Zum Glück ist das Meer sehr ruhig und wir können die knapp zweistündige Überfahrt durch den Golfo de Fonseca geniessen. Es gibt auch Tage an denen man bei der Überfahrt sehr nass werden kann. In Nicaragua ist die Infrastruktur noch rustikaler und weil es in Potosí keinen Steg gibt, legen wir am Strand an und tragen das Gepäck vom Boot an den Strand. Nun beginnt das grosse Warten. Zuerst wird das Gepäck etwas oberflächlich durchsucht. Sie sind vor allem auf Drohnen aus, die im ganzen Land verboten sind. Unsere ist übrigens mit der DHL schon in Costa Rica angekommen. An unseren Velos mit den vielen Taschen haben sie nicht so Freude und schauen etwas genervt oben in die Taschen rein. Tamara‘s Zollbeamter ist etwas freundlicher und interessiert sich vor allem für das Garmin InReach Sateliten-SOS. Aber auch das ist kein Problem und wir kommen zum kleinen Büro, wo wir auf unsere bearbeiteten Pässe warten. Zuerst passiert lange mal gar nichts und wir essen unser Mittagessen. Nach ein bisschen mehr als einer Stunde ist es dann soweit und wir werden aufgerufen um unsere Pässe abzuholen und die Einreisegebühr zu bezahlen. Da es in Potosí nichts gibt, fahren wir ausnahmsweise mal am Nachmittag noch weiter. Es geht trotz der Hitze deutlich besser als gedacht und wir werden in Nicaragua von einer sehr schönen und neuen Strasse ohne Verkehr begrüsst. Auch die Landschaft ist schön grün und wir geniessen die Fahrt sehr. Nach und nach werden wir von den Shuttlebussen mit den Backpackern überholt, bis wir von der Hauptstrasse abbiegen und auf einer guten Schotterpiste noch 7 km zur Rancho Esperanza fahren, wo wir auch die zwei Franzosen und Dominik wieder treffen. Zwischen den Hütten für die Hostelgäste stellen wir unsere Zelte auf und geniessen das Baden im Meer und den Sonnenuntergang. 

Alles sicher verstaut
Ein Blick zurück nach El Salvador
Land in Sicht – Nicaragua
Eine abenteuerliche Ankunft
Mehr Kühe als Autos – das gefällt uns!
Neue Strasse, kein Verkehr, schöne Landschaft
Schon wieder ein Traumstrand …
… mit freundlichen Locals …
… und natürlich einem Sonnenuntergang

Wir beschliessen unseren Rhythmus nicht zu brechen und machen gleich wieder einen Ruhetag. Die Rancho und das Meer sind sehr schön und es herrscht eine sehr familiäre Stimmung unter den Gästen und den Gastgebern. Sie geben uns viele Tipps für Nicaragua und empfehlen uns auch die Biolumineszenz-Kayak-Tour am Abend im nahegelegenen Mangrovenwald. Zusammen mit Carmen und Marco aus Deutschland, die schon über eine Jahr als Backpacker auf der ganzen Welt unterwegs sind, buchen wir eine Tour für den Abend. Spontan schliesst sich Dominik auch noch an und wir werden von unserem Guide Ramón abgeholt. Schon die Fahrt zu den Mangroven ist ein Erlebnis, denn wir fahren jeweils zu dritt auf einem Motorrad über die Schotterpiste. Auf dem Kanu erwischen wir gerade noch die letzten Sonnenstrahlen und Ramón informiert und über die Mangroven. Wir paddeln den Fluss hoch und mit zunehmende Dunkelheit sehen wir das schwache Leuchten der Mikroorganismen im Wasser. Damit das Leuchten zu sehen ist, muss es komplett dunkel sein und das Wasser muss mit dem Paddel oder mit der Hand in Bewegung gebracht werden. Wir geniessen die spezielle Stimmung sehr und können zum Schluss auch noch baden gehen. Dabei sieht man das Leuchten am ganzen Körper nämlich am Besten. Zum Abschluss der Tour gehen wir noch zu Ramón‘s Familie zum Abendessen und bekommen ein sehr feines Essen mit Fisch, Reis, Kartoffelstock und frittierten Bananen. 

Ein nächtlicher Besucher
Mit dem Kayak durch die Mangroven
Wir geniessen die Ruhe und die Abendstimmung
Ramón erklärt uns die Welt der Mangroven
Das beste Essen seit langer Zeit

Mitten in der Nacht werden wir von Regentropfen im Gesicht geweckt. Wir haben wegen der Hitze das Aussenzelt weggelassen und springen nun auf um es schnell überzuwerfen. Normalerweise gibt es zu dieses Jahreszeit keinen Regen und nun hatten wir in El Salvador und Nicaragua schon drei Mal Regen in der Nacht. Wir stehen wieder früh auf und fahren kurz vor sieben Uhr zu unserer letzten Etappe in Zentralamerika los. Nach kurzer Zeit halten wir an, denn der Tacho zeigt 10’000 km Fahrdistanz an. Es ist kein besonderer Ort und trotzdem halten wir kurz inne und freuen uns über diesen Meilenstein. Zur Znüni-Pause erreichen wir Chinandega und treffen im klimatisierten Tankstellenimbiss Romain und Alex wieder, die kurz nach uns losgefahren sind und uns beim Platten flicken überholt haben. Gemeinsam nehmen wir die zweite Hälfte der Stecke nach León unter die Räder. Romain hat schon seit einiger Zeit eine Wunde am Kopf in der nun leider eine Fliege Eier gelegt hat. So gehen die beiden direkt ins Spital während wir ins klimatisierte Hostel gehen. Wir sind froh um die Klimaanlage, denn León soll einer der wärmsten Orte in Nicaragua sein. 

Happy 10‘000
Irgendwo in der Pampa von Nicaragua
Auch hier hat es noch Vulkane
Zwischenstopp in Chinandega
Auf dem Weg ins Spital von León
Abendstimmung in León

Am nächsten Morgen erfahren wir, dass Romain in der Nacht operiert wurde und sie einen grossen Wurm aus der Narbe entfernt haben, der dort aus den Einern der Fliege gewachsen ist. Wir beschliessen also anstelle des Museums Romain im Spital zu besuchen. Das öffentliche Spital von León wurde erst vor einem halben Jahr eröffnet und sieht sehr modern aus. Trotzdem merken wir schnell, dass die medizinische Versorgung ausserhalb der Privatspitäler der Hauptstadt Managua nicht ganz auf bestem Niveau ist. Romain ist der einzige Ausländer im Spital und es spricht auch niemand Englisch. So sind die Ärztin und die Pfleger sehr froh, dass Tamara übersetzten kann und auch Romain versteht nun, wie die Situation ist. Romain sollte vor allem wegen der Antibiotika drei Tage im Spital bleiben und nach ein paar Diskussionen entscheiden er und Alex dies auch zu tun und nicht noch nach Managua oder San José in ein Privatspital zu reisen. Uns allen scheint die medizinische Versorgung soweit gut aber sie wäre im Privatspital sicher nochmals besser und  man würde dort sicher regelmässiger Essen bekommen und müsste nicht selbst das WC-Papier mitbringen. Immerhin ist das öffentliche Spital gratis und Romain muss nichts bezahlen. Nach dem spannenden Einblick ins Gesundheitssystem von Nicaragua machen wir am Nachmittag dann doch noch etwas Sightseeing und sehen uns das Stadtzentrum an. Da Nicaragua sehr günstig ist, kaufen wir noch ein paar anständige Kleider für unsere kommenden Ferien in Costa Rica und ich gehe für 130 Córdoba (3 Franken) zum Barber Shop und lasse mir die Haare schneiden und den Bart etwas zurechtstutzen. Uns wird der Preisschock treffen, wenn wir in Costa Rica sind. 

Das Maskottchen des Hostels
Ein gehobenes Abendessen zum Abschluss von Nicaragua

Da wir in drei Tagen in Costa Rica von unseren Eltern Besuch bekommen und gemeinsam Ferien machen, endet unsere Zeit in Nicaragua bereits nach vier Tagen und wir gehen mit dem Bus von León direkt nach San José. Wir haben schon früh entschieden, das wir es in Guatemala und El Salvador gemütlich nehmen möchten und am Schluss den Bus nehmen werden. Ausserdem würde nun sowieso ein Abschnitt mit wenigen Highlights und viel Wind rund um die Hauptstadt Managua kommen und den Norden von Costa Rica werden wir sowieso mit unseren Eltern bereisen. Einzig die Doppelvulkaninsel Ometepe hätten wir gerne noch gesehen, aber man kann nicht immer alles haben. So stehen wir um 6 Uhr morgens an der Bushaltestelle und laden unsere Velos und das Gepäck pünktlich in den Direktbus nach San José. Bis zur Grenze kommen wir zügig voran und geniessen die Busfahrt. Für die Ausreise aus Nicaragua müssen wir mit dem ganzen Gepäck und den Velos aus dem Bus und in der Schalterhalle anstehen. Das Prozedere ist natürlich alles andere als effizient und wir stehen sehr lange in der Schlage. Interessanterweise bezahlt man in Nicaragua auch für die Ausreise etwas. Sehr speziell. Im Vergleich zum Strand von Potosí ist hier alles etwas moderner und wir müssen alle Taschen durch einen Scanner lassen. Spätestens hier hätten wir mit der Drohne definitiv Probleme bekommen. Da wir das ganze Prozedere in ein paar hundert Meter am Zoll von Costa Rica nochmals machen müssen, hat Tamara eine schlaue Idee. Während alle anderen Passagiere mit dem ganzen Gepäck in den Bus steigen, geben wir dem Busbegleiter kurz Bescheid und fahren dann mit dem Velo zum Zoll von Costa Rica rüber. So überholen wir alle in unserem Bus und können nach dem Zoll als erstes unsere Velos gemütlich in den Bus laden. Der Zoll von Costa Rica sieht zwar moderne aus, ist aber nicht wirklich schneller und wir warten nochmals eine Stunde in der Schalterhalle. Es fallen aber sofort Unterschiede auf. Es ist viel sauberer, es liegt kein Abfall herum und es hat sogar Abfalleimer mit Recycling. Das haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Auch während der Busfahrt fällt uns die Sauberkeit auf und wir entdecken fast kein Abfall am Strassenrand. Leider kommt der Bus in Costa Rica viel langsamer voran, denn es halt viele Baustellen und viel mehr Verkehr. Um 8 Uhr abends kommen wir endlich in San José an und fahren schnell zu unseren Freunden Gabi und Luis. Gabi kommt aus Crespo (Argentinien), wo Tamara ihr Austauschjahr gemacht hat. Er und sein Freund Luis haben uns vor drei Jahren in der Schweiz besucht und nun werden wir bei ihnen in San José beherbergt. Wir werden mit Pizza und Bier empfangen und geniessen einen lustigen Abend. 

Nun sind es noch zwei Tage bis unsere Eltern kommen. Wir verbringen die Zeit mit waschen, putzen und entspannen bei Gabi und Luis. Vergebens fahren wir mit den Velos je 10 km hin und zurück zu einem Outdoor-Shop, um eine unsere Matten auf Garantie einzutauschen. Unsere Ersatzmatte ist leider noch nicht angekommen und deswegen müssen wir nochmals hin. Wir merken bei der Fahrt schnell, dass der Verkehr in San José sehr intensiv ist und es viel Stau hat. Das Fahren macht wahrlich keine Freue aber immerhin ist es mit dem Velo gleich schnell wie mit dem Auto. Die Stadt ist ganz nach amerikanischem Vorbild nur für Autos und nicht für Velos, Fussgänger oder öffentliche Verkehrsmittel ausgelegt.

Die Aussicht von der Dachterrasse im Wohnblock von Gabi und Luis

Natürlich möchten wir unsere Eltern am Flughafen abholen und fahren mit einem Uber dahin. Das Wiedersehen macht grosse Freude und wir haben uns viel zu erzählen. Da ist es auch nicht so schlimm, dass wir für die 19 km vom Flughafen zum Hotel in der Nähe der Wohnung von Gabi und Luis fast eineinhalb Stunden haben. Nun freuen wir uns auf knappe drei Wochen Ferien mit unseren Eltern und schauen mal, wie intensiv wir dazu in diesem Blog berichten werden.

Frühstück mit Zopf und Skirennen bei Gabi und Luis
Wiedersehen macht Freude – zu sechst im Uber XL mit viel Gepäck
Danke für die Materiallieferung aus der Schweiz!

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Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Opru

    Gniessed euri Ferie mit de Eltere.

  2. Susi

    Viel Vergnügen in den dreiwöchigen Familienferien. Liebe Grüsse an alle Omimi Susi

  3. Jonas

    Han grad kürzlich es spannends Erklärvideo entdeckt zu de sogenannte «Schraubenwurmfliege». Isch de Romain vo dere Fliege verwütscht worde?

    Das Video z luege isch bitzli wie die roti Wahrheitspille usem Matrix-Film…
    https://www.youtube.com/watch?v=4zBFUAW6on0

    1. Simon

      Immer spannend die Kurzgesagt Videos! Cha guet si das es genau so e Fliege gsi isch. Würd vo de Symptom här passe.

  4. Koch Urs-Martin

    Alles ok. Wir begleiten Euch im Plarstep der Eltern von Simon…
    Weiterhin viel Spass und alles Gute!

  5. Jasmine und Götti

    Vill Spass euch allne👍😘