0°0‘0‘‘ N/S – Mitad del Mundo 

Du betrachtest gerade 0°0‘0‘‘ N/S – Mitad del Mundo 

Nach einer regenreichen Nacht in Tulcan ist unsere Route definitiv entschieden. Wir haben uns kurz überlegt durch den Paramo zu fahren, doch dafür darf es einige Tage nicht regnen, sonst ist es viel zu schlammig. Also essen wir gemütlich ein Frühstück mit Pancho und verabschieden uns anschliessend von ihm und Caliz. Wir nehmen uns die Worte von Caliz zu Herzen: „Lo que se sube, se baja y lo que se baja se sube.“ (Was man hoch fährt, fährt man runter und was man runter fährt, fährt man wieder hoch)

Sonne und Regen wechseln sich ab

Denn alleine bis Quito warten auf den 250km etwa 5500 Höhenmeter auf uns. So werden die Tagesetappen nun in Höhenmeter und nicht mehr in Kilometern berechnet. Bevor es allerdings los geht, müssen wir im Claro Shop noch eine SIM-Karte kaufen. Da wir uns diesmal für einen Mobilfunkvertrag entschieden, da dieser dank inkl. Roaming bis Argentinien funktionieren sollte, warten wir nicht die besagten 20 Minuten, sondern verlassen den Laden erst 2.5 Stunden später. Tja, hoffen wir nun, dass sich das viele Warten gelohnt hat. Immerhin ist jetzt die Sonne wieder da und wir fahren den ersten Anstieg im Trockenen. Trotz unseres späten Aufbruchs, müssten wir eigentlich gut bis ans Ziel kommen. Wir müssen nur immer wieder halten, um die Regenklamotten an- und später wieder auszuziehen. Es ist nun in der Höhe nicht mehr ganz so heiss und darum können wir nicht komplett nass werden. Die Landschaft hat sich schnell zu Landwirtschaftsfeldern verändert und wir fühlen uns ein wenig wie im Baselbiet. Es ist hügelig, hat viele Felder und einige Bäume. Es ist einfach alles etwas grösser und auf 3000 m.ü.M..

Viel Landwirtschaft und „kleine“ Hügel

Wir finden seit langen wiedermal ein Sandwich in einem Supermarkt und essen das schnelle Mittagessen gleich unter dem Vordach. Anschliessend gehts auch wieder viel runter und dann schön hügelig hoch und runter. So kommen wir allerdings schnell vorwärts und sind um 16.30 Uhr bei den Bomberos (Feuerwehr) in Bolivar. Diese nehmen netterweise Radfahrer auf und so können wir in ihren Schulungsaal übernachten. Die Dusche ist zwar nicht wirklich warm, aber dennoch willkommen und unsere Pasta mit Tomatensauce ein feines Abendessen. Es bleibt alles sehr ruhig und abgesehen davon, dass der Feuerwehrmann auch als Sanitäter einem Kind eine Spritze geben muss, bleibt die ganze Nacht ruhig und wir können gut erholt am nächsten Tag weiterfahren. Besten Dank an die nette Feuerwehr! 

Schöne Täler

Heute beginnen wir den wunderbaren sonnigen Tag mit einer sehr langen Abfahrt. Wunderschön schlängelt sich die Passstrasse ins Tal runter und wir geniessen die Fahrt in vollen Zügen. Unsere Räder sind sehr stabil und Simon kommt auf max. 70 und ich 60km/h. Da sausen wir wirklich ins Tal runter. Auch die Landschaft ändert sich. Es wird sehr trocken und felsig. Auch die Temperatur steigt schnell an und wir kommen unten in der Fläche wieder ins Schwitzen. Wir beschliessen keine Mittagspause zu machen, sondern snacken uns den nächsten Anstieg wieder hoch. Wir können die Serpentinen von unten bereits sehen und etwa 1.5 Stunden später sind wir oben angekommen.

Da müssen wir nun hoch

Danach ist es nur noch kurz bis zum See und einem deutschen Campingplatz. Wir haben in Kolumbien Andy und Michi getroffen und sie haben uns diesen Platz empfohlen. Es ist super, denn sie sind ebenfalls da und so freuen wir uns auf ein Wiedersehen. Wir kommen kurz nach dem Mittag an und gönnen uns als erstes ein richtiges Deutsches Bier. Dann begrüsst uns Hans, der Besitzer des Campingplatzes und auch Michi und Andy setzen sich zu uns. Wir verbringen den Nachmittag mit tollen Gesprächen, Kaffee und Kuchen. Wir würden uns am liebsten gleich durch die ganze Speisekarte essen, doch zuerst bauen wir noch unser Zelt auf. Danach gibts ein richtig gutes Wienerschnitzel mit Pommes. Wir beschliessen gleich einen Pausentag hier zu verbringen und die gute Küche und das Bier voll auszukosten. 

Qual der Wahl
Camping am See

Nach einer ruhigen Nacht gibts am nächsten Morgen ein feines Frühstück mit richtig gutem Vollkornbrot. Danach können wir mit Hans, Andy und Michi mitfahren und erledigen zuerst einige Dinge für ihr Auto und ihre Rückreise nach Deutschland. Andy und Michi lassen das Auto für 5 Monate bei Hans und gehen in die Heimat bevor sie ihre Reise vortsetzten. Danach gehts nach Otavalo an den bekannten Markt. Da heute Samstag ist hat es überall viele Stände mit wunderschönen Stoffen, Kleidern und Souvenirs. Da ist es ganz gut, können wir sowieso nie etwas kaufen und kommen auch gar nicht erst in Versuchung. Nach einem kleinen Mittagessen gehts zurück zum Camping und wir geniessen den Nachmittag/Abend mit schönen Gesprächen und einem zweiten feinen deutschen Abendessen. 

Der Markt von Otavalo
Mit Michi, Andy und Hans

Am Sonntag verabschieden wir uns definitiv von Andy und Michi und setzen unsere Reise fort. Heute steht ein kurzer Tag an und wir beschliessen nicht die stark befahrene Hauptstrasse durch die Stadt Ibarra zu nehmen, sondern fahren auf einer kleinen Landstrasse durch viele indigene Dörfer nach Peguche. Das war eine super Entscheidung, denn die Landschaft ist schön, der Verkehr hält sich in Grenzen und wir sehen immer wiedermal Radfahrende. Bei einem kleinen Stopp in einem Dorf bekommen wir handgemachtes Eis zum probieren – es war super! Und wir sehen den Touristenzug vorbeifahren. 

Zuerst gehts um den See
Wir bekommen ein Eis spendiert

Kurz nach dem Mittag kommen wir wieder bei einer Posada, erneut eine private Unterkunft. Als ich versuche den Besitzer zu erreichen, kommt eine ältere indigene Frau und fragt, wen wir suchen. Es ist ihr Sohn und so lässt sie uns bereits hinein und zeigt uns das schöne Haus und unser Zimmer. Das ist super, denn so können wir alles hinstellen und zu Fuss zu einem nahegelegenen Wasserfall spazieren. Es hat sehr viele Leute (Sonntag) und es findet auch noch ein Lauf statt. So schlängeln wir uns durch den Wald zum Wasserfall. Es ist sehr schön und wir geniessen den Spaziergang sehr. Beim zurücklaufen kommen wir an einer Eisdiele vorbei mit einer grossen Menschenschlange. Das muss ja ein super Zeichen sein und wir stellen uns ebenfalls an. Es ist auch sehr fein und sie haben sogar Kaffeeeis. In einer Bäckerei finden wir sogar noch ein richtig gutes Brot mit Kernen für‘s Frühstück am nächsten Morgen und gehen glücklich zurück zur Unterkunft. Nach einer wiedermal warmen Dusche gibts Pasta zum Abendessen und wir gehen müde und früh schlafen. 

Unsere superschöne Privatunterkunft
Schöner Wasserfall
  • Wunderschöne Wandmalereien

Am nächsten Tag wartet wieder eine längere Etappe auf uns. Den ersten Teil können wir ebenfalls auf Nebenstrassen meistern und nach einer kurzen starken Steigung relativ flach bis zur Hauptstrasse fahren. Danach müssen wir leider wieder auf der Panamericana den Hügel hoch und kommen pünktlich fürs Mittagessen oben an. Es gibt hier überall Bizcochos, das sind eher trockene noch warme Brötchen, die mit einer heissen Schokolade oder Kaffee gegessen werden. Wir probieren auch das und nehmen gestärkt den zweiten Teil des Tages in Angriff. Auf der Abfahrt müssen wir irgendwo im nirgendwo einen Halt machen. Denn genau hier überqueren wir zum ersten Mal den Äquator.

0°0‘0‘‘ N/S

Nun sind wir definitiv auf der südlichen Halbkugel unterwegs. Zum Schluss kommt nochmals ein letzter grosser Kraftakt einen steilen Aufstieg in der Sonne, bevor wir in Guayllabamba ankommen. Dies ist kein schöner Ort, aber gleich danach kommt der nächste grosse Anstieg und den sparen wir uns für morgen auf. Wir finden ein Hostel für 20.- Dollar und essen Fast Food Pizzas für 4.-. 

Weiterhin schöne Landschaften

Am nächsten Morgen geht es gleich steil los. Dieser Anstieg hat es in sich. Auf 11km kommen 750 Höhenmeter zusammen und vor allem der Anfang ist ziemlich steil. Aber auch diesen Anstieg haben wir nach 2 Stunden geschafft und dann ist es nicht mehr weit bis zum Mitad del Mundo. Hier befindet sich die Touristenattraktion zum Äquator. Zuerst stärken wir uns aber mit einem Mittagessen und suchen ein Hotel um alles zu deponieren. Danach verbringen wir den Nachmittag beim Mitad del Mundo. Es hat ein grosser Turm mit einer Weltkugel obendrauf und alle vier Himmelsrichtungen sind am Boden verzeichnet. Ausserdem hat es einige kleine Museen und viele Kaffees und Souvenirshops. Wir geniessen einen kühlen Eiskaffee und machen das obligate Foto auf dem gelben Äquatorstrich. Man muss allerdings festhalten, dass es nicht genau stimmt. Dieses Monument wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut und vermutlich waren die Messmöglichkeiten noch nicht ganz so genau wie heute. Dennoch ist es ein lustiger Nachmittag, den wir mit einer sehr feinen Pizza in einem passenden Restaurant ausklingen lassen. 

Da sitzen wir in der Mitte des Mitad del Mundo
Hier verläuft (fast) der Äquator
Alles noch von Oben

Am nächsten Morgen nehmen wir’s gemütlich. Nach 2 Empanadas zum Frühstück gehts los in Richtung Quito. Zuerst müssen wir den selben Weg wieder zurück auf dem schönen Radweg zur Hauptverkehrsachse. Danach beginnt die nicht wirklich schöne und eher hektische Fahrt nach Quito. Da wir kein Restaurant finden, wo wir unsere Räder gut parkieren können, gibts zum Mittagessen ein Sandwich aus dem Supermarkt. Im Anschluss verbringen wir viel Zeit in einem sehr coolen Outdoor Laden und können hier auch unsere neue Schlafmatte abholen. Da unsere neue Matte in San José bereits von Beginn weg ein Loch hatte, konnten wir erneut einen Garantiefall einlösen und holen nun in Quito unsere neue Matte ab. Wir halten uns zurück und kaufen ansonsten nichts. Nach einem letzten Halt bei einem kleinen Kaffee und einem Einkaufsladen fahren wir zu unserem Warmshower Host David. 

Auch in Ecuador ist Radfahren sehr beliebt
Wir haben Glück und sehen den Cotopaxi Vulkan

Er wohnt zurzeit im Haus seiner Mutter, die in den Ferien ist, und begrüsst uns herzlich. Wir dürfen in einem neu renovierten Teil des Hauses unsere Matten aufschlagen und die nächsten Tage hier verbringen. David ist ein super Host und da er seit fast 10 Jahren mit dem Fahrrad durch Südamerika fährt, kennt er alles wie seine Westentasche. Er ist Koch und arbeitet immer wieder an einem neuen Ort, bevor er mit dem Fahrrad weiterreist. Bei einem gemeinsamen Abendessen, David hat eine Kartoffel-Milchsuppe gekocht, bekommen wir unzählige Tipps für unsere Weiterreise durch Ecuador. Er weiss wirklich alles, von schönen Übernachtungsplätzen über Strassenkonditionen und Einkaufsmöglichkeiten können wir unsere Route weiterplanen. Auch zu Quito weiss er viel zu Berichten und kann uns über die Unsicherheiten in der Stadt aufklären. Leider ist Ecuador seit einigen Jahren einiges unsicherer geworden. Dies betrifft grösstenteils die Küstenstädte und Regionen, welche wir sowieso meiden. Aber auch die Stadt Quito hat vermehrt Diebstähle und Überfälle zu verzeichnen. Bis vor kurzem gab es eine Ausgangssperre von 23.00 bis 6.00 Uhr. Diese wurde aber aufgehoben und wir können uns an den bekannten Touristenorten auch ohne Probleme bewegen. Wie in jeder Grossstadt sind an diesen Orten hauptsächlich Taschendiebe unterwegs. An unseren ersten Tag in Quito nehmen wir die Seilbahn hoch auf den Berg. Wir befinden uns oben auf 4000 m. ü. M. Da kommt man auch bei einem kleinen Spaziergang ziemlich ins schnaufen. Wir geniessen die Aussicht und einen Kaffee und machen uns anschliessend auf den Weg zu einem Mercado. Hier findet man alles von Früchte, Gemüse, Fleisch bis zum Gottesdienst an einem Donnerstagnachmittag um 14.00 Uhr mitten im Markt. Nach all diesen Gerüchen und Eindrücken schlendern wir noch etwas durch einen Park und ein modernes Shoppingcenter bevor wir zurück zu Daniel fahren. Seine Schwester ist mit ihrer Familie auch noch da und wir essen gemeinsam Abendessen und bekommen viele Tipps zu lokalem Essen, welches wir noch probieren sollen. 

Mit dem Gondeli auf 4000 m. ü. M.
Ein Markt

Den zweiten Tag in Quito verbringen wir im historischen Zentrum. Hier hat es unglaublich viele schöne Kirchen und bei einer können wir sogar auf die Kuppel laufen. Auch die Strassen sind belebt und es gibt viele kleine Läden. Auffällig ist auch die unglaublich hohe Dichte an Polizei und Sicherheitspersonal. Wir spazieren durch die vielen Strassen und essen ein kleines Mittagessen mit einer sehr feinen heissen Schokolade in einem Kaffee. Danach machen wir uns mit einem Uber durch den Stau wieder zurück nach Hause. Den Abend lassen wir gemütlich ausklingen und freuen uns über ein Gericht mit Tofu, welches wir seit langem wiedermal in einem Supermarkt gefunden haben. 

Historisches Zentrum von Quito
Plaza central
Auf der Kupel der Kriche
Viele schöne Kirchen und Fenster

Den letzten Tag in Quito nehmen wir gemütlich in Angriff. Wir telefonieren in die Schweiz und verbringen unsere Zeit mit David und seinem Vater, sowie mit viel Sport (Eishockey WM und Champions League Final). Unser Ausflug zu einem Restaurant am Abend fällt leider dem Regen zum Opfer. Darum bestellen wir Sushi und Ramen und verbringen einen gemütlichen Abend bei Gesprächen mit David. Morgen geht es weiter aus Quito raus in Richtung Cotopaxi Vulkan.

Schreibe einen Kommentar

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Mami Claudia

    Eifach immer schön am Sunntigmorge euere Blog z’läse, au wenn ich grad uf dr Kinetec-Schiene bi am Trainiere 💪🤪. Danke vielmol und witerhin ä gueti Zyt 😘😘

  2. Soori

    viel Spaß, Super

  3. Susi

    I bi grad am Hockey-Match luege und hoffe, dass d’Schwyz Weltmeister wird. Euch wünsche ich witer so e schöni und erläbnisriechi Zyt. Liebi Grüess Omimi Susi

  4. Jasmine und Götti

    Danke au vo eus für Sunntigslektüre und die tolle Fotis.
    Lg