Nach unserem erholsamen Sonntag beginnen wir unsere Weiterfahrt am Montagmorgen. Unser Gastgeber Julian ist bereits zur Arbeit gefahren, aber von Daniel können wir uns noch persönlich verabschieden. Danach fahren wir etwa 15km in die nächste Stadt Armenia. Kurz bevor wir beim Busterminal ankommen überholt uns ein Mountainbike und winkt uns zu. Wir halten an und es ist tatsächlich Julian unser Guide vom Pàramo. Er macht heute eine erholsame Ausfahrt, nachdem sie gestern vom Berg herunterkamen. Danach biegen wir in den Busbahnhof ein und es beginnt ein kurzes Durchfragen, wann und wo der nächste Bus nach Ibaqué fährt. Wir haben nämlich auf diverse Empfehlungen entschieden, das Tal zu wechseln. Die Weiterfahrt durch Cali, Popayan nach Pasto ist zurzeit von Guerilla Ausschreitungen gezeichnet und dieses Risiko wollen wir nicht eingehen. Also müssen wir auf die andere Seite dieser Andenbergkette. Leider (oder zum Glück) gibt es allerdings von Armenia nach Ibaqué für das Rad keine gute Option. Der Bergpass hat nämlich eine neue Passstrasse, welche Einbahn von West nach Ost ist. Diese dürfen wir mit dem Rad allerdings wegen den vielen Tunnels nicht fahren. Die alte Passstrasse, welche unsere Alternative wäre, ist aber Einbahn Ost nach West. Da bleibt uns nicht viel anders übrig als ein Bus zu nehmen und einige 1000 Höhenmeter gemütlich zu überspringen.

Den Bus finden wir problemlos, die Kolumbianer sind immer unglaublich freundlich und hilfsbereit und bereits nach dreimal fragen, sind wir am richtigen Schalter und können ein Busticket für in 20 Minuten kaufen. Auch das Einladen der Fahrräder haben wir langsam im Griff und hier ist die Abmachung, dass man dem Chauffeur ein Trinkgeld gibt, damit er die Räder zulässt. Nachdem alles eingepackt ist, sitzen wir gemütlich im Bus und fahren gute 2 Stunden nach Ibaqué. Bereits am Mittag sind wir in der Stadt und gönnen uns beim Hinausfahren ein feines Mittagessen bei einem Restaurant am Strassenrand. Es geht seit langem wieder richtig lange Bergab und wir kommen zügig vorwärts. Wir fahren noch eine Zeit und suchen uns dann ein günstiges Hotel in einer kleinen Stadt. Für 60‘000 Pesos (13.50 CHF) bekommen wir ein Doppelzimmer mit Klimaanlagen, denn hier ist es wieder sehr heiss. Wir geniessen die kalte Dusche und spazieren durchs Dorf auf der Suche nach einem Abendessen. Am Schluss landen wir beim Fastfood auf der anderen Strassenseite und Simon bekommen viel Fleisch mit Käse überbacken und ich einen Hotdog.

Am nächsten Tag haben wir vieles vor, aber erstmal gibts ein Frühstück in der Bäckerei nebenan. Rührei mit Würstchen, Arepa und Kaffee mit Milch. Uns fällt auf, dass hier immer salzig gegessen wird und unglaublich viel Fleisch. Uns ist es fürs erste Recht, denn heute gibt es einen langen Tag. Wir möchten die 100km Marke wieder einmal durchbrechen. Zu Beginn geht es noch leicht bergab und danach ist es immer etwas hügelig. Wir kommen sehr gut vorwärts und haben schon fast 60km als wir uns ein Mittagessen suchen. In Natagaimo, der letzten grösseren Stadt für heute, gehen wir noch einkaufen und danach gehts weiter. Die letzten 10km sind dann etwas hart, denn es geht zum Schluss nochmals schleichend hoch, aber wir schaffen es und kommen zu einem kleinen Hotel in einem Dorf.


Der Besitzer ist sehr nett und wir dürfen unsere Velos im Gemeinschaftsraum abstellen. Er lässt uns unsere Kleider auswaschen und wir dürfen in seiner Küche unsere Pasta kochen. So gehen wir bereits sehr früh und müde schlafen. Nur die Klimaanlage ist leider etwas alt und macht einen grossen Krach die ganze Nacht. Dennoch schlafen wir ganz gut und haben am nächsten Tag nicht mehr viel bis Neiva vor uns. Heute ist erstaunlicherweise der erste Tag mit Regen. Da es allerdings sehr heiss ist, lohnt sich Regenkleidung nicht. Also werden wir immer wiedermal nass, trocknen wieder und dann beginnt es wieder von vorne.

Bis wir in Neiva sind, ist es dann aber bereits wieder trocken. Neiva ist die Hauptstadt des Departaments Huila und das Zentrum ist ganz hübsch mit einer grossen Kirche und einem Platz. Ansonsten ist die Stadt ziemlich schmutzig, überall hat es Motorräder und alte Lastwagen, welche die Luft zum stinken bringen. Wir finden ein kleines Kaffee mit Tischen draussen, damit wir die Velos bei uns haben können und gönnen uns einen Eiskaffee zum Mittagessen. Wir warten bis Maria unser Host uns in ihr Haus lassen kann. In Kolumbien gibt es eine Organisation, Vibico (Viajeros en Bicicleta Por Colombia). Hier kann man sich melden, wenn man mit dem Rad durch Kolumbien reist. Auf Google Maps gibts dann eine Karte, wo man alle Casas de Ciclistas sehen kann und durch die Administratoren der Gruppe erhält man die Telefonnummern der verschiedenen Hosts. Ich bin hier wieder etwas in unser schweizerisches Planungsleben gerutscht, denn man sollte diese Hosts immer 1-2 Tage vorher kontaktieren. So sind wir nun immer etwas am planen, wann wir wo ankommen. Dann schreiben wir mit dem Administrator und den einzelnen Casas de Ciclistas. Es ist wirklich eine tolle Sache. Maria wohnt in einem schönen Haus im Zentrum von Neiva und heisst uns herzlich Willkommen. Leider hat sie nicht viel Zeit, denn sie muss an die Universität. Wir geniessen den Rest des Nachmittags in ihrem Garten. Simon macht noch einen Spaziergang zum Fluss und danach kochen wir uns feine Pasta mit frischem Gemüse. Wir sind schon fast im Bett als Maria um 21.00 Uhr zurückkommt und wir können uns nochmals bedanken und gute Nacht wünschen.



Wir haben wieder einen frühen Rhythmus angenommen und stehen meistens um 6.00 Uhr auf. Dann gibts ein Frühstück und es wird alles zusammengeräumt. Um ca. 7.30 Uhr fahren wir meistens los. Maria schläft noch und so schleichen wir uns aus dem Haus, um sie nicht zu wecken. Heute haben wir wieder einen sehr strengen und langen Tag vor uns. Wir möchten zu Jonathan in Gigante einem weiteren Casa de Ciclista. Dies liegt 90km und gute 1000 Höhenmeter weit. Also gehts zuerst aus der stinkenden Stadt raus und dann eine schöne Strasse in den Bäumen entlang. Zum Glück spenden diese etwas Schatten, denn es ist wieder sehr heiss. Heute geht es viel rauf und runter und zum Schluss kommt ein langer Anstieg. Soweit läuft alles rund und wir kommen erneut gut vorwärts.

Es gibt ein feines Mittagessen mit sehr viel Fleisch und kurz danach beginnt der Anstieg. Die Sonne brennt unerbittlich und der Beginn des Aufstiegs ist sehr steil und hart. Da kommt man doch sehr ins Schwitzen. Doch dann kommt eine lange Baustelle mit einer Warteschlange und da gibt es immer Getränkeverkäufer. Dieses kalte Gatorade kam genau im richtigen Moment und wir geniessen die Abkühlung. Wir können bereits vor allen Autos losfahren, denn wir werden die Baustelle sowieso nicht in einem durchradeln können. Wenn der Gegenverkehr kommt, sollen wir einfach halten. Na dann mal los. Wir schleichen uns gemütlich den Berg hinauf und halten immer mal wieder für die Aussicht oder den Gegenverkehr. Es ist eine sehr lange Strecke abgesperrt, obwohl gar nicht überall gebaut wird, aber uns soll es Recht sein, denn zwischen den Schüben an Autos von vorne oder hinten, haben wir die Strasse für uns. Zum Schluss gibt es dann noch eine kurze Abfahrt nach Gigante und da gönnen wir uns zuerst ein Eis. Danach gehen wir einkaufen und dann müssen wir nochmals ein Stück den Berg hoch zu Jonathan. Dieser ist leider nicht zu Hause, aber sein Vater lässt uns auf sein Grundstück. Es ist ein kleines Hotel, dass zurzeit aber geschlossen hat. Sein Vater schwatz etwas mit uns und zeigt uns eine spannende Frucht, die super süss ist.

Danach geht er wieder und wir haben alles für uns. Wir entscheiden uns das Zelt unter dem Dach aufzustellen, da es kühler ist als das Tipi und kochen erneut Pasta mit Pesto zum Abendessen. Auch die kalte Dusche darf natürlich nicht fehlen.

Wir beschliessen am nächsten Tag gleich weiter nach Altamira zu radeln. Jetzt sind wir wirklich wieder in unserem Reisealltag angekommen. Jeder Tag läuft in etwa gleich ab und wir geniessen den Rhythmus. Willkommen im Reisealltag! Altamira ist nicht mehr sonderlich weit, aber nun beginnen die Höhenmeter wieder. Es geht viel hoch und ab und zu wieder runter. In Altamira erwartet und Gefferson, ein weiteres Casa de Ciclista. Leider hat die Strasse nun nicht mehr immer einen Pannenstreifen, aber der Verkehr hält sich in Grenzen und ist meist ok. Am Eingang von Altamira werden wir noch von einer Militärkontrolle angehalten. Sie wollen allerdings mehr einen Schwatz halten und wissen, was wir so machen, als uns zu kontrollieren. Danach kommen wir bereits früh bei Gefferson an. Er wohnt mit seinem Vater und Bruder in einem schönen Haus. Da der Bruder nicht da ist, dürfen wir in seinem Zimmer schlafen. Nach einer kalten Dusche machen wir mit ihm einen Spaziergang durch das sehr kleine und überschaubare Dorf und trinken eine Schokolade im Casa de Chocolate.

Nach einem Einkauf im Supermarkt, essen wir zu viert Abendessen. Es gibt Rührei und frittierte Yuka von Gefferson und wir steuern French Toast bei. Danach gehen wir bereits um 20.00 Uhr ins Bett. Langsam sind meine Beine müde von den vielen Radtagen und Simon hat sich etwas erkältet. Wir schlafen ganz gut und hören nur ab und zu den Vater, der ab 2.00 Uhr morgens bäckt, damit er die Kuchen verkaufen kann. Wir stehen um 6.00 Uhr auf und nach einem gemeinsamen Frühstück und der Verabschiedung geht ess für uns weiter. Eigentlich wollen wir bis San Augustin fahren, aber das ist gute 70km und fast 1500 Höhenmeter weit. Die Alternative ist Pitalito, eine Stadt dazwischen. Nun spüre ich meine Oberschenkel nach 6 Tagen durchradeln immer mehr und jeder Hügel wird etwas härter. Wir halten immer mal wieder zur Erholung kurz an und mit einer Packung Gummibärchen schaffen wir es bis Pitalito. Am Eingang halten wir bei einer Tankstelle, um zu besprechen wie es jetzt weitergeht. Der Tankstellenwart sieht uns und lässt uns gleich mal unsere Trinkflaschen mit kühlem Wasser füllen, wie nett. Für mich ist klar, ich schaff es nicht mehr bis San Augustín. Vor allem die letzten Kilometer vor dem Dorf gehen extrem steil hoch und das ist zu viel. Da wir aber unbedingt nach San Augustín und nicht in der hektischen Stadt Pitalito bleiben wollen, fahren wir zum Busbahnhof. Auch hier geht es zügig und nach 1-2 Mal fragen, finden wir die Haltstelle für die Pickups nach San Augustín. Der Fahrer hat kein Problem unsere Räder aufs Dach zu binden und unsere Taschen verstauen wir unter den Sitzen oder ebenfalls auf dem Dach. So ist nach 10 Minuten bereits alles Startklar und die Fahrt nach San Augustín beginnt.

Wir reden noch etwas mit einer jungen Frau im Bus und nach 45min sind wir oben angekommen. Nun suchen wir uns als erstes ein Mittagessen. In einem netten Kaffee gönnen wir uns einen Eiskaffee und eine Partion Choripapa (Bratkaftoffel, Würstchen, Salat, Mais und Käse). Nach dem obligaten Einkaufen fahren wir den letzten Kilometer steil den Berg hoch und kommen zu einem kleinen Hotel, dass uns Gefferson empfohlen hat. Wir gönnen uns eine kleine Hütte für uns und nach einer warmen Dusche verbringen wir den Rest des Tages gemütlich mit Lesen und Aussicht geniessen.

Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug zu archäologischen Fundstätten. Wir werden von zwei Männern zum Eingang gefahren, da der Bus nicht kommt und im Gegenzug machen wir mit ihnen ein kurzes Werbeviedeo. Anschliessend schauen wir uns das Museum und alle Ausgrabungsstätte an. Zurück zum Dorf nehmen wir weder den Bus noch ein Taxi, sondern ein Motorradtaxi.
In einem Restaurant gibt es zur Abwechslung mal ein feines vegetarisches Menu mit Karottensuppe, Salat, Hummus und Falafeln. Danach verbringen wir einen ruhigen Nachmittag in unserem Häuschen, denn Simon ist leider immer noch erkältet. Am nächsten Tag scheint es besser zu gehen und wir machen uns trotz Regen auf den Weg Richtung Mocoa. Zuerst gehts steil runter und danach wieder schleichend hoch zur Hauptstrasse. Dort biegen wie nach Süden ab und fahren langsam steigend den Berg hinauf. Kurz vor dem letzten steilen Stück halten wir bei einem Restaurant. Es ist sehr hektisch, hat viele Kunden und serviert hauptsächlich Fisch. So isst Simon auch meine Fischsuppe und mein Fleisch wird leider in einer Fischsauce mit Shrimps serviert. Simon isst viel und ich packe einiges ein für später. Danach geht es eine Stunde die letzten 4km steil hoch. Auf die schöne Abfahrt freuen wir uns zu früh, denn es hat immer wieder Gegensteigungen drin. Dennoch gehts schneller vorwärts und wir kommen nass beim nächsten Casa de Ciclista an, einem Restaurant. Ricardo, der Besitzer, lässt Radfahrende bei sich campen. Zuerst bekommen wir einen super Kaffee und anschliessend schälen wir uns aus den nassen Kleidern und hängen alles zum trocknen auf. Unter dem Dach können wir unser Zelt aufstellen.

Seit längerem fällt mir auf, dass hier alle Häuser offen sind. Auch das Restaurant hat nur Wände und Fenster zur Strassenseite, aber in Richtung Terrasse ist alles offen. Macht auch Sinn, denn im momentanen ‚Winter‘ wie hier alle die Regenzeit nennen hat es trotzdem meistens 20 Grad oder mehr. Für was soll man da noch Wände und Fester bauen? Wir essen ein sehr feines Essen bei Ricardo und plaudern noch etwas mit ihm und gehen dann sehr müde ins Bett. Leider trocknet bei dieser grossen Luftfeuchtigkeit, dem vielen Regen in der Nacht und dem Nebel überhaupt nichts und es blüht uns am nächsten morgen vor der Losfahrt alle nassen Kleider wieder anzuziehen. Heute geht es nette 2000 Höhenmeter nach Mocoa runter. Nur leider dazwischen immer wieder hoch und so machen wir auch gute 1000 positive Höhenmeter. Am morgen werden wir wirklich absolut veregnet. Einen kurzen Halt bei einem kleinen Kaffeestand wärmt uns wenigstens durch das Getränk ein wenig und bei all den Höhenmetern bekommen wir selten kalt. Unseren Mittagshalt machen wir mit allen Bauarbeitern bei einem kleinen Restaurant. Wie immer in Kolumbien gibt es gratis eine Suppe als Vorspeise, dann Poulet, Reis, Salat und Linsen. Damit wir nicht abkühlen, ziehen wie zumindest ein trockenes T-Shirt und Jacke an, doch danach muss wieder in die nassen Klamotten gewechselt werden, was für ein Graus! Doch dann kommt am Nachmittag tatsächlich etwas die Sonne und wir können die Regenmontur schnell loswerden, denn es wird zu warm.


In Mocoa machen wir nur einen kurzen Einkaufsstopp bevor wir etwas ausserhalb der Stadt zu unserem Host fahren. Ferney ist seit vielen Jahren ein passionierter Host und Gründer von Vibico. Er ist selbst mit dem Rad und seinem Hund durch Kolumbien gereist und beherbergt seit etwa 6 Jahren und hatte über 600 Gäste aus aller Welt. Was für ein Segen für Radreisende, gibt es Menschen wie ihn! Wir dürfen auf seiner Veranda zelten, Küche und Dusche nutzen und viele spannende Gespräche führen. Leider ist Simons Erkältung immer noch da respektive wieder stärker geworden und wir beschliessen einen Pausentag einzulegen.







Cada vez más cerca 🫣🫶🏽😍
Schön dürfen wir wieder mal einen Reisebericht lesen 😁. Natürlich wieder spannend wie immer👍🚲
Liebi Grüess Jasmine und Götti
Ja ein Pausentag tut sicher gut. Gute Besserung und liebe Grüsse Omimi Susi
Danke für die vielen Infos und weiterhin viel Spass und gute Reise!
Und alles Gute zu Eurem 1. (kirchlichen) Hochzeitstag…