Ja, ihr habt richtig gelesen. Nein, wir haben keinen Ausflug in den Himalaya gemacht. Wer die Lösung wissen will, muss wohl weiterlesen, denn ich beginne chronologisch beim Quilotoa Kratersee.
Heute ist ein besonderer Tag, denn Simon wird 30 Jahre alt. Happy Birthday und Willkommen in den 30er, mein lieber Mann! Wir haben uns trotz des Geburtstags entschieden den Tag nicht hier in Quilotoa zu verbringen, sondern weiter zu fahren. Beim Frühstück gibts die erste Überraschung, denn ich habe Roland vom Hotel einen kleinen Kuchen und Kerze zugesteckt und diese bringt er Simon beim Frühstück. Zusätzlich schenkt er ihm noch eine Flasche Wein. Diese darf Simon nun auf dem Fahrrad mitschleppen. Schauen wir, dass sie bald leer wird.
Wir haben eine wunderschöne Abfahrt vom Kratersee ins nächste Dorf und geniessen dort einen zweiten Kaffee. Danach gehts natürlich wieder etwas hoch, bevor wir zur Finca Posada de Tigua kommen. Es ist ein kleiner, familienbetriebener Bauernhof inklusive einem Hotel. Sie sind bekannt für ihren netten Service und das sehr feine Essen. Da sie heute Nacht noch eine Gruppe beherbergen, haben wir uns zum zelten entschieden. Doch als wir ankommen erklärt uns einer der drei Söhne, dass ein neues Zimmer fast fertig renoviert sei und wir gerne darin übernachten können. Sie geben uns eine Preisreduktion und natürlich überlegen wir an Simons Geburtstag nicht zweimal. Das Zimmer ist für unseren Standart sehr hübsch und nachdem die letzten Fensterscheiben eingesetzt sind, können wir herrlich da schlafen. Wir verbringen den Nachmittag gemütlich auf der Finca mit Kaffee trinken und einer wohlverdienten sehr warmen Dusche. Gegen 17.00 Uhr kommt dann die Reisegruppe an und wir müssen über die deutschen Rentner etwas schmunzeln. Warum man sich bei diesem Luxus über kleine Dinge nerven kann, ist uns dann auch ein grosses Rätsel. Wir machen gemeinsam mit der Gruppe einen Rundgang über die Finca und dürfen einige Tiere füttern und streicheln. Danach gibts noch eine kleine Praxiseinheit über die Produktion des Frischkäses, den sie hier produzieren und wir dürfen beim letzten Schritt mithelfen. Den Käse gibts dann morgen zum Frühstück. Netterweise lassen sie uns ohne Probleme unseren eigenen Wein trinken. Dazu geniessen wir eines der besten Drei-Gang Menus seit langem. Zum Schluss gibts für Simon sogar noch ein zweites Dessert mit Geburtstagskerze. Trotz der grossen Distanz zur Heimat haben wir einen schönen Geburtstag verbracht und die 30 herzlich Willkommen geheissen.


Am nächsten Morgen lässt auch das Frühstück nichts zu wünschen übrig und vor allem das Brot kann es mit unserem Standart ohne Probleme aufnehmen. Gut sind wir so gestärkt, denn nun kommt ein langer Aufstieg bis auf 4000 m.ü.M.. Hier merken wir die dünne Luft und kommen gut ins Schnaufen. Danach rollen wir viele Höhenmeter wieder runter. Leider beginnt es sehr stark zu regnen und wir müssen uns in die volle Regenmontur packen, um trocken und warm zu bleiben.

Es ist eine lange und strenge Etappe heute, denn die letzten 40km geht es hoch und runter. Ausserdem regnet es den ganzen Nachmittag durchgehend und so kommen wir komplett getränkt bei Leo und seinem Casa de Ciclista an. Hier können wir alles aufhängen und trinken dann eine feine heisse Schokolade mit Leandro aus Brasilien und Leo. Leo nimmt seit über 30 Jahre Radfahrende bei sich auf, was für eine tolle Sache. Normalerweise kann man auf seiner Dachterrasse zelten und die schöne Aussicht auf alle Vulkane geniessen, doch heute hört es nicht mehr auf zu regnen. Also dürfen wir unsere Matten in der Küche auf den Boden legen und so trocken und warm schlafen. Da der Wetterbericht für die nächsten 2-3 Tage gut aussieht, beschliessen wir gleich am nächsten Morgen weiterzufahren. Wir wollen zum Chimborazo Vulkan hoch. Also verabschieden wir uns bereits wieder von Leo und machen uns auf zu 3 Tagen nur hoch fahren. Leider stolpere ich noch über die Treppe und verdrehe mir ziemlich den Fuss. Hoffen wir es wird nicht zu schlimm. Wir starten auf 2500 m.ü.M. und möchten bis zum ersten Refugio auf fast 4900 m.ü.M. kommen. Mal sehen, ob es klappt. Nachdem wir noch eine zweite Kaffeepause einlegen müssen bis der gute Supermarkt öffnet, können wir dann endlich aus der Stadt in die Natur radeln. Wir folgen einem Fluss aufwärts und geniessen die atemberaubende Schlucht in vollen Zügen. Meistens ist es nicht allzu steil und wir können gemütlich trampen. Unser Tagesziel erreichen wir am späteren Nachmittag. Wir können bei Aguas Termales (Thermalbad) zelten und natürlich unsere Muskeln im warmen Wasser erholen. So schlafen wir gut erholt für den nächsten Aufstiegstag.



Heute geht es bis zum Eingang des Nationalparks Chimborazo. Wir haben 25km und 800 Höhenmeter vor uns und geniessen auch heute die traumhafte Landschaft. Wir kommen an vielen kleinen Bauernhöfen vorbei und sehen nun meistens den Chimborazo vor uns. Wir sind bereits früh beim Eingang und geniessen im kleinen Kaffee einen schlechten Kaffee. Am Nachmittag lesen wir auf unseren Stühlen, was mit der Sonne angenehm und ohne sehr kalt wird. Wir befinden uns jetzt auf 4300 m.ü.M. Nachdem um 17.00 Uhr alle Tagestouristen verschwunden sind, können wir unser Zelt windgeschützt im Eingang eines der Gebäude aufstellen und unser Abendessen kochen. Wir haben erstaunlicherweise sehr gute Fertig-Pesto-Pasta gefunden und sind überglücklich und schön warm in unseren Schlafsäcken.







Am nächsten Morgen wachen wir leider im Nebel auf, fühlen uns, trotz der Höhe, noch sehr gut. Für einen kurzen Moment sehen wir die Sonne und dann ist wieder dichter Nebel. Zum Glück geht es meinem Fuss langsam besser und Radfahren ist einfacher als laufen. Also beschliessen wir, den Anstieg zum ersten Refugio (eine Art SAC Hütte), trotz dem schlechten Wetter, zu wagen. Es warten 7km und 500 Höhenmeter auf einer Schotterstrasse auf uns. Zu unserer grossen Freude kommen wir nach zwei Kilometer durch die Nebeldecke und sehen den grossen Chimborazo vor uns. So kommen wir gut vorwärts und ich stosse mein Rad nur um zwei steile Kurven, bevor wir glücklich und sehr ausser Puste auf 4850 m.ü.M. ankommen. Von hier sehen wir den majestätischen Chimborazo vor uns. Er ist 6236 Meter hoch. Dennoch ist es der höchste der Berg der Welt, wenn man nämlich nicht ab Meereshöhe, sondern von der Mitte der Erde misst. Da die Erde am Äquator breiter ist, kommt der Chimborazo auf 6384.4km Entfernung von der Erdmitte und ist der Sonne am nächsten. Der Everest kommt nur auf 6382.6km und ist somit 1.8km kleiner als der Chimborazo.



Wir geniessen den Sonnenschein und kommen mit einigen Mountainbikern ins Gespräch, welche uns beim Anstieg überholt haben. Sie trainieren noch ein letztes Mal für ein Rennen, welches morgen stattfinden wird. Es geht von San Juan hoch zum Chimborazo Refugio, also 45km und etwas mehr als 1500 Höhenmeter. Lieber die als ich. Wir beschliessen die sehr kalte Nacht nicht im Zelt, sondern im Refugio zu schlafen. Es fühlt sich wie in einer Schweizer Berghütte an. Massenlager und Abendessen sowie Frühstück sind inbegriffen. Wir verbringen den Nachmittag in der warmen Sonne und Simon läuft noch zum kleinen Bergsee hoch und knackt somit die 5000m.ü.M.


Als die Sonne verschwindet, wird es sofort bitter kalt und wir bekommen auch ein wenig Kopfschmerzen. Also ruhen wir uns vor dem Abendessen etwas aus und geniessen anschliessend ein sehr feines Abendessen mit Suppe, Hauptgang und einer Frucht zum Dessert. Wir können es nicht verhindern und überhören die Gruppe nebenan beim Besprechen ihrer morgigen Pläne. Dabei geht es um Filmen, Zeugen und Rennen. Wir sind etwas verwirrt, denn die Hälfte der Gruppe spricht Englisch und die andere Hälfte Spanisch. Zum Schluss fragen wir nach und sind sehr überrascht: Die beiden Männer werden morgen versuchen ein Guiness Rekord aufzustellen. Sie möchten den höchstgelegenen Ultra Marathon aller Zeiten rennen. Um als Guiness Rekord anerkannt zu werden, brauchen sie immer mindestens 2 Zeugen und alles auf Video, sowie ein GPS Tracker. Was für ein interessantes Unterfangen. Ich schlafe nicht besonders gut in dieser Höhe und bin am nächsten Tag froh, können wir einfach runter rollen und müssen da oben nicht einen Ultramarathon laufen. Wir geniessen die Abfahrt in vollen Zügen und können seit langem wirklich nur runter fahren. Dabei sehen wir die Radfahrer des Rennens und können sie anfeuern, was grossen Spass macht.



Nach gut 1500 Metern runter und ganzen 3 Metern hoch kommen wir in San Juan an und gehen zum Familiencampingplatz Castillo de la Altura. Juan begrüsst uns sehr herzlich und zeigt uns den Aufenthaltsraum, Bad, Dusche und Waschmaschine. Letzteres ist dringend nötig und so kommen alle Kleider in die Wäsche. Wir geniessen den Nachmittag im Aufenthaltsraum und schauen der Schweizer Nati beim Desaster zu. Danach gibts feine Pasta mit einer frischen Tomatensauce und einem wohlverdienten Schlaf im Zelt. Wie herrlich es sich plötzlich auf 3200 m.ü.M. anfühlt.
Am nächsten Morgen wird mal wieder gut ausgeschlafen, zumindest für mich bis 9.30 Uhr, Simon ist wohl seit 7.00 Uhr wach. Nach einem Telefonat nach Hause und einem feinen Frühstück, widmet sich Simon dem nächsten Blog und ich geniesse das Nichts-Tun. Am Nachmittag dürfen wir eine Kuh melken und bei Juan im Restaurant ein sehr feines Essen geniessen. Die frisch gemolkene Milch bekommen wir mit Rum und Zucker zum probieren, war ganz lecker. Danach dürfen wir mit der ganzen Familie von Juan das erste Spiel von Ecuador schauen. Ein tolles Erlebnis, das leider nicht ganz zum erwünschten Resultat führt (Ecuador 0:1 Elfenbeinküste).

Nach einer weiteren ruhigen Nacht, machen wir uns am nächsten Tag gemütlich wieder zum Aufbruch bereit. Simon muss leider sein Vorderrad noch kurz abmontieren, denn sein Nabendynamo ist etwas kaputt und wir sind in Kontakt mit der Firma SON, um einen Ersatz zu organisieren. Danach haben wir noch die Ehre die Schweizerflagge auf Juans Wandmalerei zu zeichnen und verabschieden uns herzlich von Juan und seinem Vater Juan. Was für ein wunderbarer Campingplatz sie hier geschaffen haben, wir fühlten uns wirklich wie zuhause und sehr willkommen.


Der heutige Tag geht viel runter, aber eben auch immer wiedermal steil hoch. Wir nehmen eine Abkürzung über die alte Strasse und sparen uns damit viele Höhenmeter und Kilometer. Dafür ist hier nicht alles geteert und es geht teilweise sehr steil hoch. Am Schluss geniessen wir die rasante Abfahrt bis Baños. Wir möchten nicht unbedingt den sehr touristischen Ort Baños besuchen, aber da es schon auf dem Weg in den Amazonas liegt, bleiben wir einen Tag hier und geniessen zur Abwechslung mal das touristische Angebot. Dies beginnt mit einem Schweizer Restaurant, wo wir uns ein Fondue zum Abendessen gönnen.

Am nächsten Morgen geniessen wir ein sehr feines Frühstück und anschliessend die Agua Termales. Einen gemütlichen Nachmittag verbringen wir mit einem Spaziergang durchs Zentrum und einem weiteren feinen Kaffee und einem sehr guten Schokoladenkuchen. Was uns hier in Ecuador aufgefallen ist, sind die offenen Bankomaten. Es ist uns gleich nach der Grenze aufgefallen, denn seit Mexiko waren alle Bankomaten immer sehr gut geschützt, meistens sogar von einem Wachmann bewacht. Dies zeigt uns erneut, dass Ecuador ein sehr sicheres Land ist resp. war. Leider haben sie seit einiger Zeit grössere Probleme mit dem organisierten Verbrechen, Raubüberfälle und Diebstähle. Dies ist aber hauptsächlich an der Küste ein Problem. Dennoch beschäftigt es die Menschen hier sehr und wir werden auffallend viel auf die gute Sicherheit in der Schweiz angesprochen. Es scheint, als wüssten die Menschen hier, wie es sein könnte (sollte) und sind sehr traurig darüber, dass Ecuador momentan eine solch schwere Zeit durchlebt. Gleichzeitig werden wir sehr gut darüber informiert, wo die Gefahren sind und fühlen uns darum auch hier sehr sicher.

Am späteren Nachmittag gibt es wiedermal eine Massage, welche unser Körper sehr geniessen kann. Vor allem die Gesichtsbehandlung tat gut und wir haben vermutlich ein so sauberes Gesicht wie seit einem Jahr nicht mehr. Zum Abschluss dieses erholsamen Tages gab es noch sehr feine venezuelanische Arepas gefüllt mit Fleisch und Fisch für Simon.
Gratulation zu Euren unglaublichen Höhenmetern!!!!! Ich habe den Bericht mit Begeisterung genossen. Gute Weiterreise und liebe Grüsse Omimi Susi
Liebe Simon
Nachträglich – aber trotzdem vo 🩷 – alles Gueti zu dim Geburtstag. Mir wünsche dir vill Glück, no vill spannendi Abentüür und Gsundheit.
Liebe Grüess Jasmine und Hansruedi