Die Entscheidung fällt uns nicht leicht, aber da wir immer noch erkältet sind und das Wetter sich auch nicht gerade von seiner besten Seite zeigt, beschliessen wir mit einem Pick-up die Trampolin de la Muerte hochzufahren. Zuerst müssen wir aber zum Start der Strasse gelangen und können so doch noch ein bisschen selber fahren. Wir verabschieden uns herzlich von Ferney und stossen unsere Räder die steile Rampe runter zum Bach und wieder hoch zur Strasse. Anstatt zurück nach Mocoa zu fahren, wählen wir einen andere Route und fahren zuerst in Richtung der geschlossenen Grenze zu Ecuador bevor uns eine schöne Schotterstrasse zur Abzweigung zur Trampolin de la Muerte bringt. Wir geniessen die weniger Kilometer auf der ruhigen Schotterstrasse sehr und merken, dass wir näher an der Natur sind. Vielleicht sollten wir wieder öfters solchen Strassen fahren, falls wir welche finden die nicht gerade 15% hoch oder runter gehen. Es dauert nicht lange bis wir einen Pick-up des Öffentlichen Verkehrs finden, der uns mitnehmen kann. Mittlerweile sind wir geübt und binden die Velos schnell auf dem Dach fest und die Fahrt kann los gehen. Pünktlich um 12 Uhr gibt es Mittagspause und der Chauffeur und die 6 Fahrgäste essen in einem günstigen Strassenrestaurant ein typisches Mittagessen. Es gibt wie immer Suppe, Reis, Kochbananen und je nach Wahl Poulet, Rindfleisch oder Fisch. Nach dem Essen beginnt die Fahrt erst Richtig und es kommt die berüchtigte Schotterstrasse mit den vielen engen Serpentinen und Bachdurchquerungen. Zum Teil sieht man die Strasse an vielen verschiedenen Orten im Berg weiter oben. Manchmal zieht aber auch der Nebel rein und man sieht gar nichts mehr. Eine Mitfahrerin erzählt uns, dass die Strasse heutzutage bei Weitem nicht mehr so gefährlich ist wie früher denn sie wurde stark ausgebaut, abgestützt und es hat meistens eine Leitplanke. Tatsächlich kann man an den meisten Stellen gut kreuzen und der Fahrer muss fast nie zurücksetzten. Wir beschliessen direkt zur Laguna de la Cocha zu fahren und nach etwa 4 Stunden Fahrt in denen wir etwa 4500 Höhenmeter auf etwas mehr als 100 km zurückgelegt haben, kommen wir an. Am See gibt es ein schönes kleines Hafendorf und wir finden ein hübsches Häuschen in dem wir gleich zwei Nächte bleiben werden.








Als wir am nächsten Morgen das erste mal durch das Dörfchen schlendern, um uns ein Frühstück zu suchen, ist alles noch sehr verschlafen. Hier ist eigentlich nur am Wochenende etwas los, wenn die Tagestouristen aus Pasto kommen. Trotzdem finden wir ein geöffnetes Restaurant und essen Frühstück für 4.50 Fr. inklusive heisser Schokolade. Leider ist das Wetter auch hier sehr neblig und es regnet alle paar Minuten kurz. Wir verzichten deshalb auf eine Bootsfahrt und laufen stattdessen am Mittag nochmals durch das Dörfchen. Andere Wander- oder Spazierwege gibt es hier leider nicht. Es ist dafür wohl zu sumpfig oder die Kolumbianer sind einfach kein Wandervolk. Als wir uns gerade Fragen, was wir mit dem Tag noch so anstellen möchten, sehe ich ein gigantisches Offroad-Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen. Die Besitzer Andy und Michi stehen gleich daneben und so kommen wir ins Gespräch. Wir verbringen den ganzen Nachmittag zusammen bei einem Spaziergang und im Kaffee und tauschen und über unsere Reisen aus. Sie sind schon seit vier Jahren mit ihrem Wohnmobil in Nord- und Südamerika unterwegs und haben viel zu berichten. Es ist das erste mal seit langem, dass wir andere europäische Reisende treffen.





Für die kurze Etappe nach Pasto müssen wir nicht so früh aufstehen und können wieder gemütlich und günstig frühstücken gehen. Vom See geht es dann einmal kräftig hoch und dann wieder runter nach Pasto. Gar nicht so einfach, was man da Anziehen soll, denn es nieselt und windet immer wieder kurz und trotzdem bekommt man beim Hochfahren zu warm in den Regensachen. Auf der anderen Seite des Passes ist das Wetter dann stabiler und wir fahren runter nach Pasto, wo ein sehr angenehmen Klima herrscht. Unser AirBnB ist gleich oberhalb eines Cafés und weil wir noch zu früh sind, trinken wir einen ausgezeichneten Kaffee mit Brownie und Tiramisu. Wir nehmen uns vor, noch oft hier was zu trinken. Unser Zimmer ist klein aber das Bett bequem und die Dusche warm und wir versuchen uns endgültig von unseren Erkältungen zu erholen.



Gemütlich starten wir in unseren ersten Hochzeitstag und erinnern uns zurück an die wunderbare Hochzeit. Von den 12 Monaten die seither vergangen sind, sind wir nun 11 davon in den Flitterwochen. Nachmittags schlendern wir dann ein bisschen durch das historische Zentrum von Pasto. Da Sonntag ist, hat fast alles geschlossen und die Stadt wirkt etwas ausgestorben. Auch Cafés, Restaurants und Museen haben geschlossen und wir können eigentlich nur ein paar Kirchen besichtigen. Diese sind dafür sehr schön aber wir fragen uns, was die Einwohner von Pasto an einem Sonntag machen, wenn alles geschlossen hat, wofür man am Sonntag endlich mal Zeit hätte. Vermutlich sind nun alle beim See, der unter der Woche ausgestorben war. Auch unser Café beim AirBnB hat geschlossen und die guten Restaurants ebenso. Also machen wir uns selber eine Kaffee, kochen im AirBnB und machen einen gemütlichen Abend. Zur grossen Freude von Tamara habe ich im Supermarkt ein Mocajoghurt gefunden, dass uns nun den Abend versüsst.



Wir sind etwas verwirrt, dass am Montag unser schönes Café immer noch geschlossen hat und die Strassen immer noch sehr leer sind. Es scheint sich um einen Feiertag zu handeln. Zum Glück haben wir gleich bei unserer Ankunft das Café noch ausprobiert aber wir wären schon gerne nochmals gegangen. Immerhin hat das Museo de Carneval geöffnet und wir haben etwas zu tun. Der Carneval de Negros y Blancos de Pasto gehört wie die Basler Fasnacht zum UNESCO Weltkulturerbe und dauert auch mehrere Tage, die alle verschiedene Themen haben. Wir bestaunen die farbenfrohen Figuren und Wagen und können uns gut vorstellen wie spektakulär dieser Karneval ist. Auch das Restaurant, das uns empfohlen wurde, hat glücklicherweise geöffnet und wir können unseren Hochzeitstag mit einem ausgezeichneten Mittagessen doch noch gebührend nachfeiern. Es tut auch gut, mal wieder etwas gehobenere Küche zu geniessen und für uns ist das hier immer noch sehr erschwinglich. Das Museum und das Restaurant befinden sich in der gehobeneren Gegend von Pasto und im Vergleich zum Zentrum gibt es hier eher die internationaleren Küche und Einkaufsmöglichkeiten während im Zentrum eher die traditionell kolumbianischen Lokale zu finden sind. Geschlossen ist aber immer noch das Meiste und wir verbringen den Abend wieder im AirBnB.



Als wir am Dienstag aus Pasto herausfahren, erwacht die Stadt doch noch zum Leben und wir fahren an irgendeiner Zeremonie mit Umzug und Musik vorbei. Worum es da genau geht, finden wir leider nicht heraus. Natürlich geht es aus Pasto heraus zuerst kräftig hoch bevor es noch länger hinunter geht. Ganz unten in der Schlucht angekommen, können wir die Panamericana verlassen und fahren auf der alten Strasse langsam die Schlucht wieder hoch. Die Landschaft beginnt sich zu wandeln. Der Wald nimmt ab und es kommen mehr Wiesen zum Vorschein. Als Tagesziel dieser strengen und bergigen Etappe haben wir ein sehr preiswertes Hotel im Dörfchen San Juan ausgesucht. Wir bekommen für 35‘000 Kolumbianische Pesos (7,50 CHF) ein schönes Zimmer mit eigenem Bad und heisser Dusche im neu gebauten Teil des Hotels. Das ist mit Abstand das beste Preis-Leistungsverhältnis bisher auf dieser Reise. Touristisch ist hier nicht viel los, denn wir sind die einzigen Gäste im Hotel. Das Hotel hat auch ein Restaurant in dem wir zu ähnlich günstigen Preisen einen leckeren Burger und am nächsten Morgen ein Frühstück bekommen.




Bis zur Grenze ist es nicht mehr weit und wir entscheiden uns deshalb für einen Abstecher zur Kathedrale Santuario de Nuestra Señora del Rosario de Las Lajas. Die Kathedrale liegt ganz unten in der Schlucht aber netterweise haben sie für Touristen eine Gondelbahn gebaut, die uns einige hundert Höhenmeter spart. Selbstverständlich ist in Kolumbien auch, dass wir dem Personal der Gondelbahn unsere Velos zur Bewachung anvertrauen können. Schon aus der sehr gemütlich fahrenden Gondel können wir die Kathedrale bestaunen und unten angekommen gibt es viele gute Aussichtsplattformen von denen aus wir die Kathedrale bestaunen können. Sie ist wirklich sehr spektakulär in den Fels gebaut. Am Nachmittag geht es dann zur Grenze nach Ecuador und wieder einmal funktioniert alles sehr schnell und ohne Probleme. Auch unsere letzten kolumbianischen Pesos können wir zu einem vernünftigen Kurs in US-Dollar wechseln, obwohl das Sicherheitspersonal sehr darum besorgt ist, dass wir über den Tisch gezogen werden. Während wir in Kolumbien wegen der schwachen Währung regelmässig als Millionäre herumliefen, ist nun mit dem US-Dollar wieder etwas einfacher umzugehen. In Ecuador werden wir zuerst mal von einem steilen Anstieg begrüsst aber weit ist es nicht mehr bis zu unserem Übernachtungsort. Zuerst halten wir aber noch an einem Glacéladen und bestellen einen Bananasplit und eine Waffel mit Eis. Etwas erstaunt merken wir, dass beide Desserts mit grob geriebenem Käse kommen. Tamara findet es interessant während ich eher versuche, das Süsse vom Salzigen zu trennen. Unsere erste Nacht verbringen wir in der Posada Viajera bei Caliz, der ähnlich wie die Casa Ciclistas in Kolumbien, Motorrad und Fahrradreisende aufnimmt. Kurz nach uns kommt noch Pancho aus Argentinien an, der mit dem Fahrrad schon viele Jahre in Südamerika unterwegs ist. Wir verbringen den ganzen Abend zu viert mit interessanten Gesprächen und können unglaublich viele Tipps für die Weiterreise in Ecuador und ganz Südamerika abholen. Für uns ist es genial, ein neues Land so mit einem lokalen Kontakt zu beginnen, denn wir sind nun bereits bestens in der Radreisecommunity von Ecuador integriert und freuen uns sehr auf ein neues Land.






Flittermonate, nicht Flitterwochen!! 😜😘
👍👍😎
Hallo mitenand, merci für de tolli Reisebricht. Es isch schön, dass es euch guet got und immer viel Freud am Reise händ. Mit dem Tempo müend ihr ufpasse, dass ihr nid am Südpol landet.
Witerhin alles gueti und schöni Wiiterfahrt. Gniessed alles was euch begegnet. LG us Muttenz Maopru
Glace mit Käse!! Nein da wäre ich auch nicht dabei. Heute wäre Opipi 95 Jahre alt geworden! Wir haben wunderschönes, warmes (30 Grad) Sommerwetter. Mami, Papi und ich konnten unter der Pergola brunchen. Ich wünsche Euch weiter eine ereignisreiche Reise. Liebe Grüsse Omimi Susi