Von Baños aus starten wir auf der Ruta de las Cascadas weiter bergab in Richtung des Amazonas Regenwaldes. Wir haben in Baños viele Velovermietungen und Tourenangebote für diese Strecke gesehen und haben uns schon auf andere Velofahrer auf der Strasse eingestellt. Natürlich waren wir aber zu früh morgens unterwegs und deshalb haben uns erst beim Mittagessen am letzten Wasserfall die ersten Backpacker eingeholt, bevor sie sich mit dem Shuttlebus wieder zurück nach Baños fahren liessen. Die Route war aber sehr angenehm zu fahren und es gab immer wieder schöne Abschnitte, wo wir die alte Strasse nehmen konnten, während die neue Strasse einen Tunnel hat. Wir haben die meisten Wasserfälle nur aus der Distanz angeschaut uns sind nur bei der Hauptattraktion dem Pailón del Diablo näher heran gegangen. Dieser Wasserfall war aber wegen seiner Höhe und den Wassermassen besonders spektakulär und der Weg führt sogar hinter den Wasserfall, wo man gratis eine Dusche bekommen kann. Etwas überessen von Kaffee, Pizza und Empanadas (wir mussten einfach alles probieren) ging die Strasse meist abwärts weiter in Richtung Osten. Wir haben auf der Karte einen Schweizer Campingplatz gesehen, der zum Schweizer Restaurant in Baños gehört, und wollten unbedingt dahin. Als wir ankamen war der Schweizer Besitzer aber leider nicht da und es schien alles geschlossen. Nach einem kurzen Telefonat durften wir aber trotzdem bleiben. Wir sind ja einfache Gäste und brauchen kein Glamping mit Halbpension, wie sie das normalerweise anbieten. Der Camping ist wunderschön im Wald gelegen und wir konnten unser Zelt im überdeckten Grillplatz gleich neben einem kleinen Fluss aufstellen, wo wir auch gleich ein Bad nahmen. Die Temperaturen lassen nun ein kühles Bad im Fluss wieder zu.




Am nächsten morgen waren wir sehr froh um das Dach über dem Zelt, denn es regnete wie aus Kübeln. Willkommen im Amazonas. Wir warteten also bis kurz nach 10 Uhr bevor der Regen nachliess und wir losfahren konnten. Bald haben wir das erste Mal in Ecuador die 1000 Meter über Meer Marke unterschritten und sind nun 150 Kilometer nach dem Chimborazo fast 4000 Höhenmeter tiefer im Amazonas angekommen. Anstatt nach Puyo zu fahren, bogen wir kurz vorher schon nach Süden ab und fuhren auf ruhigen Nebenstrassen bis zu einem kleinen indigenen Dörfchen, wo wir an einem Mirador (Aussichtspunkt) zum Übernachten anfragten. Wir wurden von Pedro herzlich empfangen und durften es uns mit bester Aussicht auf der überdachten Holzplattform mit Hängematten bequem machen. Wir wurden von der Mutter sogar mit Wasser, Bananen und Tee versorgt. Als es schon am eindunkeln war, kam auch Pedros Bruder nachhause, zeigte und ein paar interessante Pflanzen auf dem Grundstück und lud uns zu Bier und Schnaps ein.






Die Nacht war relativ ruhig, bis auf Pedros Bruder, der mit erhöhtem Alkoholpegel nachhause kam und uns frühmorgens etwas zum rauchen anbieten wollte. Eine sehr nette, wenn auch manchmal etwas übereifrige Familie. Gleich zum Start der Tagesetappe ging es zum ersten Mal über den Fluss. Hier gibt es aber weder eine Brücke noch eine Fähre, sondern eine Seilbahn deren offene Gondel von der höheren Seite mit der Schwerkraft heruntergelassen und anschliessend mit einem alten Lastwagenmotor wieder hochgezogen wird. Eine sehr abenteuerliche Erfahrung und es machte grossen Spass, so über den Fluss zu sausen. Weiter ging es auf einem angenehmen Mix aus Teer- und Schotterstrassen zum nächsten Fluss, wo wir zuerst mit bester Aussicht unser Mittagessen genossen bevor es wieder auf eine Gondel ging. Diese Mal wollte ich das Spektakel mit der Drohne filmen und machte mich entsprechend bereit. Die Fahrt war wieder rasant und ich konnte mit der Drohne kaum folgen. Dieses Mal war auf der tieferliegenden Seite niemand und der nette Mann, der uns losgelassen hat, hat vergessen zu erwähnen, dass wir unten gleich rausspringen und uns festbinden müssen. Da ich aber noch mit der Drohne beschäftigt war und Tamara auf der falschen Seite der Gondel war, reagierten wir zu spät und die Gondel fuhr wegen dem durchhängenden Seil wieder ein Stück zurück auf das Flussbeet hinaus. Wir mussten uns also mühsam am Seil wieder zum Ausstieg ziehen bevor wir die Gondel verlassen konnten. Ein freundlicher Lastwagenfahrer gab uns dann noch etwas Seife um die schwarzen Hände zu waschen. Er musste sowieso warten bis die Gondel wieder oben war, weil es sonst nicht unter dem durchhängenden Seil durchkam. Nach diesem lustigen Erlebnis mussten wir noch etwas schwitzen denn es gab ein paar steile Anstiege mit so grobem Schotter, dass wir immer wieder schieben mussten. Umso glücklicher waren wir an unserem Tagesziel, einem Deich beim Dorf Huamboya, der auch von den Locals sehr rege zum Baden genutzt wird. Wir taten es ihnen gleich, und sprangen in das kühle Nass. Beim „Badi-Restaurant“ konnten wir dann mit einem kühlen Bier auf ein ganzes Reisejahr anstossen und eine typische gemischte Platte mit Pommes, Fleisch, Poulet, frittierten Platanos und Shrimps geniessen. Dazu lief natürlich die Fussball-WM am Fernseher und die Stimmung war ausgelassen. Wir stellten unser Zelt wieder unter einem Pavillon auf und nachdem der Nachtwächter auf seinem Stuhl auch schon eingenickt war, gingen auch wir schlafen.






Auch am nächsten Morgen schüttete es wieder bis etwa um 10 Uhr und wir zögerten unsere Abfahrt deshalb heraus. Nach den schönen Nebenstrassen der letzten Tagen mussten wir nun zurück auf die Hauptstrasse E45, was landschaftlich nicht mehr so spektakulär war. Vielleicht lag es aber auch daran, dass der Regenwald mit der Zeit etwas eintönig wirkt und es einfach immer Grün ist auf beiden Seiten. Den Rest des Tages blieb es dann erstaunlicherweise trocken und wir kamen zügig vorwärts und erreichten die Stadt Macas. Hier organisierten wir zuerst Bustickets für den nächsten Tag, denn wie man sich denken kann, ist der Weg zurück in die Berge mit sehr vielen Höhenmetern verbunden und wir möchten noch genügend Zeit in der Stadt Cuenca haben, bevor es weiter zum nächsten Familienbesuch geht. Für die Nacht haben wir ein praktisch gelegenes Hotel im Zentrum genommen und gingen gleich gegenüber in einer Bar, wo wir uns bei Burger und gutem (dunkelm!) Bier das zweite Gruppenspiel von Ecuador angeschaut haben. Leider war das Resultat nicht in unserem Sinn, aber wenigstens hat das Essen und Trinken geschmeckt.

Die Busfahrt nach Cuenca verläuft ohne Probleme, dauert aber wie oft hier viel länger als gedacht und so verbringen wir den ganzen Tag im Bus. Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir unser AirBnB im Zentrum. Ausnahmsweise haben wir etwas Mühe, die richtige Türe und die Schlüsselbox zu finden, aber nach einem Telefonat mit dem Vermieter klappt auch das. Da heute Sonntag ist und das Rooftop-Kaffee geschlossen hat, ist der Lift ausgeschaltet und wir müssen die Velos und das Gepäck in den fünften Stock tragen. Die Aussicht ist dafür wunderbar und da wir fast eine Woche in Cuenca verbringen, lohnt es sich auch. Wir haben ein richtig grosses Appartement mit Schlafzimmer ein Stockwerk weiter oben. So viel Platz sind wir uns gar nicht gewohnt aber wir breiten uns schnell aus und fühlen uns wie Zuhause.

Die nächsten Tage verbringen wir mit dem Erkunden der Stadt. Wir starten mit einer Walking Tour, bei der wir die einzigen Gäste sind, und bekommen von Guillermo die Innenstadt gezeigt. Er erzählt uns auch viel darüber wie der Tourismus in den letzten Jahren unter der schlechter werdenden Sicherheitslage leidet. Darunter leidet das ganze Land, auch wenn vor allem die Küstenstädte betroffen sind. In Cuenca fühlen wir uns sofort sehr wohl. Die Stadt ist sehr sauber und lebhaft und hat viele Flüsse und Grünflächen. Auch das Klima ist sehr angenehm und kulturell und kulinarisch gibt es einiges zu entdecken. Zum Beispiel besuchen wir das Museum Pumapungo und dessen schön angelengen Park mit Inca-Ruinen, Lamas und vielen bunten Papageien.








Am Mittwoch beschliessen wir einen Tagesausflug mit dem Velo zum El Cajas Nationalpark zu machen. Wir sind gespannt, wie sich die lange Steigung ohne das grosse Gepäck anfühlen wird. Leider fühlt sich Tamara nicht so gut und beschliesst am Stadtrand umzudrehen, während ich den langen Aufstieg auf fast 4000 Meter über Meer fortsetzte. Tatsächlich komme ich ohne Gepäck deutlich schneller vorwärts und erreiche zur Mittagszeit den Nationalpark mit den tiefblauen Bergseen. Ich lasse mein Velo beim Parkwächter und mache mich auf die 5km Rundwanderung, die Guillermo uns empfohlen hat. Mit den vielen Höhenmetern vom Morgen in den Beinen und der dünnen Höhenluft fühlt sich die Wanderung deutlich strenger an als gedacht. Auch wenn der See gleich beim Eingang des Parks der schönste ist, lohnt sich die Wanderung trotzdem, denn die Landschaft und der Weg sind sehr abwechslungsreich und ich komme an mindestens 10 kleinen Seen vorbei. Als Belohnung für die Anstrengung kann ich nun rasant zurück nach Cuenca rollen und bekomme noch mit, wie sich die Schweiz zum WM-Gruppensieg zittert.



Die nächsten Tage haben wir wieder mit klassischem Sightseeing verbracht. Besonders schön, war die Kathedrale von Cuenca. Diese ist eine der grösste in ganz Südamerika. Was aber fehlt sind die obersten Stockwerke der beiden Glockentürme. Eigentlich sollten diese schon lange gebaut sein, aber man hat beim Bau gemerkt, dass das Fundament zu instabil ist und das zusätzliche Gewicht nicht vertragen würde. Deshalb hat die Kathedrale bis heute keine Glockentürme und es werden vermutlich auch nie welche gebaut werden. Trotzdem kann man ein Stück hoch auf die halbfertigen Türme und hat eine gute Aussicht über die Dächer der Stadt. Highlight des Tages war das Fussballspiel Ecuador-Deutschland, welches wir in einem Restaurant geschaut haben und den sensationellen Sieg der Ecuadorianer miterleben konnten. Wir waren sehr froh, dass die Ecuadorianer somit die Gruppenphase überstanden und wir die ausgelassene Feierstimmung geniessen konnten.


Da wir am übernächsten Tag einen Nachbus nehmen, entscheiden wir uns, vom AirBnB noch eine Nacht in ein Casa Ciclista zu wechseln. Auf dem Weg besuchen wir ein kleines Schokolademuseum und bekommen eine sehr interessante Führung und einen leckere Degustation. Etwas ausserhalb des Zentrums werden wir von Jorge herzlich empfangen. Er ist sehr motiviert und möchte und viele Sachen zeigen und probieren lassen. So besuchen wir an diesem Abend noch eine Fabrik der geflechteten Panama-Hüte die eigentlich hier aus Ecuador sind. Der Name kommt daher, dass die Strohhüte von den Arbeitern am Panama-Kanal getragen wurden und dadurch weltberühmt wurden. Aus der Marketing-Perspektive ist das etwas ungünstig für Ecuador aber der Name ist mittlerweile so verankert, dass sich da nichts mehr ändern lässt. Mit dem letzten Bus (hier wegen Budgetengpässen der Stadt schon um 19 Uhr) fahren wir noch zum Mirador Turi, wo wir eine wunderbare Aussicht über die Lichter von Cuenca haben.






Dank dem Nachtbus haben wir nochmals den ganzen in Cuenca Zeit. Jorge hat auch Zeit und wir gehen zusammen ins Währungsmuseum und ein historisches Museum. Etwas weniger erfolgreich war der besuch beim Barber-Shop. Wegen Verständigungsprobleme wird mein Reisebart etwas zu sehr gestutzt und kann nun nicht mehr als Masstab für die Dauer unserer Reise verwendet werden. Immerhin sehe ich nun wieder etwas gepflegter aus. Als es schon dunkel ist draussen, verabschieden wir uns von Jorge und fahren zum Busbahnhof. Cuenca ist trotz seiner Grösse eine sehr sichere Stadt, sodass man auch Nachts noch ohne Probleme draussen sein kann. Für uns war Cuenca bisher die schönste Stadt in Südamerika, vielleicht sogar auf der ganzen Reise und wir waren froh, fast eine Woche hier zu verbringen. Mit geübten Handgriffen verlanden wir die Velos und das Gepäck in den Bus und fahren pünktlich um 9 Uhr durch die Nacht ab in Richtung Peru.
Was für Erlebnisse 🤩 und der Film 😂-wie ein Raumschiff in einem Science Fiction Film 😃👏
Toller Beitrag und schöne Fotos! Vielen Dank. Gute Weiterreise und liebe Grüsse Omimi Susi
Guete Start in Peru und dangge für die tolle Föteli. Gits bald es Treffe mit Daria, Dominik?