Bolivianischer Familienbesuch 

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Nach einer sehr erholsamen Nacht im bequemen Hotel dürfen wir für‘s Frühstück zum 5 Sterne Partnerhotel ans Buffet gehen. Wir geniessen Rühreier, Brot, Marmelade und viel Süssgebäck. Heute geht es nach Cochabamba um Sara und ihre Familie zu besuchen. Sara war 2023/24 als AFS Austauschschülerin bei meiner Familie und somit meine Gastschwester. Mit nur einem Rucksack ist schnell gepackt und wir machen uns auf den Weg zum Busbahnhof. Wir sind noch nicht einmal aus dem Taxi ausgestiegen, als uns bereits alle für ihre Busgesellschaft gewinnen wollen. Wir finden eine von Sara empfohlene Firma und kaufen zwei Tickets nach Cochabamba. In 30 Minuten sollte es losgehen. Pünktlich besteigen wir den Bus, doch gefahren wird erst 45 Minuten später. Simon’s Sitzplatz wurde offiziell doppelt verkauft, aber zum Glück ist der Bus nicht voll und der andere Gast kann sich auf einen der leeren Plätze setzen. Danach geht die 5 stündige Fahrt los. Während der Ausfahrt aus der Stadt kommen noch unzählige Verkäufer und wollen uns von Esswaren, über Kredite bis zu Esoterik Steinen alles verkaufen. Zum Glück gibt es Kopfhörer und so können wir in unseren Podcasts, Hörspielen und Musik abtauchen und die Fahrt mehrheitlich verschlafen. Als Schweizer ÖV-Fahrende kann man sich übrigens die Gerüchtekulisse in diesen Büssen nicht vorstellen. Eine Mischung aus Essen, Abgas, Benzin und altem Material. Da muss ich die Tabletten gegen Übelkeit nicht nur wegen den Kurven, sondern auch dem „Gestank“ nehmen. (PS: Simon findet es ja nicht so schlimm…) Mit einem Taxi kommen wir gut bei Sara an. Sie ist noch in der Universität, aber ihre Mutter ist Zuhause und empfangt uns sehr herzlich. Zuerst bekommen wir ein feines Mittagessen serviert und spazieren anschliessend mit Jimena durch die umliegenden Parks zum Einkaufsladen und wieder zurück. Das Quartier im Norden von Cochabamba ist sehr schön mit vielen Kaffees, Parks und wenig Verkehr. Wir fühlen uns wohl und geniessen ebenfalls das angenehme Klima, wobei es für heute drastisch abgekühlt hat. Pünktlich zum Regenguss sind wir wieder Zuhause und auch Sara ist zurück von der Uni. Wir geniessen das Wiedersehen mit Kuchen und Kaffee und tauschen uns über alles mögliche aus. Es ist ein schöner erster Tag des Wiedersehens. 

Mit Sara in Cochabamba
Schöner Ausblick aus Saras Wohnung

Da Sara unter der Woche viel an der Universität ist, beschliessen Simon und ich noch einen Abstecher in den  Nahe gelegenen Torotoro Nationalpark zu machen. Nach einem gemütlichen Frühstück mit Jimena und Sara geht es los zum nächsten Abenteuer. Die Taxifahrten mit InDrive (wie Uber) funktionieren super, doch die Autos scheinen fast auseinander zu fallen. Heil kommen wir beim kleinen Busservice für in den Park an. Es sind Minivans mit 12 Sitzplätzen. Gefahren wird, sobald ein Van voll ist. Also warten wir etwa 30 Minuten und dann wird alles Gepäck auf dem Dach und im Gang verstaut und wir fahren 3 Stunden ins Dorf Torotoro im Nationalpark. Es ist eine neue sehr schön geteerte Strasse. Nur ab und zu gibt es eine Umleitung, weil der Hang komplett abgerutscht oder die Strasse aufgebrochen ist. 

Kein Durchkommen mehr!

Nach unserer Ankunft suchen wir zuerst ein Hostel. Es hat unzählige und die Wahl ist nicht ganz einfach. Wir finden etwas preiswertes, doch die Besitzerin ist nicht da. Ihre Angestellte kann uns zwar das Zimmer geben, doch wir verstehen sie fast nicht, da sie nicht mehr alle Zähne hat und so ist das Kommunizieren etwas komplizierter. 

Apropos Sprache: Man könnte ja meinen mit meinem fliessenden Spanisch und Simons sehr gutem Spanisch verstehen wir immer alles. Die Realität ist allerdings sehr weit entfernt. Vor allem in Peru und Bolivien sind die indigenen Sprachen Abseits der Grossstädte noch sehr verbreitet. So verstehen wir oft kein Wort von allem was um uns herum gesprochen wird. Erst, wenn wir direkt angesprochen werden, wird auf Spanisch gewechselt, was hier alle einwandfrei beherrschen. Nach etwas Erholung machen wir uns auf zur Erkundung für unsere morgige Tour. Wir wissen, dass der Park nur mit einem Guide besucht werden kann. Diese Kosten kann man sich mit anderen Touristen teilen, dafür muss man am morgen einfach beim Tourenbüro warten und hoffen, dass jemand dieselbe Tour machen will. Zuerst fragen wir noch beim Park, wo wir die Parkgebühr bezahlen müssen. Diese ist heute und morgen nicht fällig, erklären sie uns. Es ist Ende Monat und das System wird für den nächsten Monat bereit gemacht. Also können momentan keine Gebühren bezahlt werden. Tja, uns soll es Recht sein. Danach machen wir uns auf den Weg zu einem kleinen Kaffee, dass wir bereits bei Ankunft gesehen haben. Da war es leider noch geschlossen. Jetzt ist es offen und der Kaffee ist hervorragend. Es hat Spielkarten und zu meiner eigenen Überraschung verbringen wir den restlichen Nachmittag beim Spiele spielen. Gott sei Dank ist es Unentschieden am Schluss. Anschliessend gehen wir direkt zum einzigen bekannten Restaurant im Dorf. Es ist schweizerisch-französisch und wir können zwischen Raclette und Tartiflette wählen. Wir probieren letzteres und sind begeistert. Simon lässt sich das Creme Brûle nicht entgehen und gut gegessen, geht es zurück ins Hotel. Wir schlafen einigermassen gut, ausser den Hunden im Hotel, welche vor unserem Zimmer immer wieder zu Gebell ansetzten. Bereits um 6.30 Uhr sind wir bereit für‘s Frühstück, wie wir dies gestern mit der Dame vereinbart haben. Die Besitzerin kommt etwas in den Stress, denn das Frühstück ist offiziell um 7.00 Uhr. Dennoch macht sie uns schnell alles bereit und wir sind pünktlich um kurz nach 7.00 Uhr beim Tourenbüro. Nun warten wir auf weitere Touristen, welche dieselbe Tour machen möchten. Leider kommt lange niemand und dann eine Gruppe zu 5. Nur 6 dürfen aber pro Guide mit. Also müssen wir sie ziehen lassen. Nun haben wir genug gewartet und wir buchen die Tour für uns alleine. Für 500 BOB (34.- CHF) ist dies für uns immer noch gut verkraftbar. Wir haben einen jungen Guide und beginnen die Tour bei den ersten Dinosaurierspuren. Es gibt hier unzählige verschiedene Dinosaurierabdrücke von Fleisch- und Grassfressern. Wir fühlen uns wie in der Primarschule und sind begeistert und fasziniert über die Zeit der Dinosaurier. 

Vom Fleisch- zum Grassfresser gab es hier alles
Dies ist ein Fleischfresser. Man sieht es an den spitzigen Krallen
Dinosaurierfossil
Pilzli-Landschaft

Nach all diesen Informationen und Eindrücken beginnt der zweite Teil der Tour mit einer Wanderung in den Canyon. Unser junger Guide testet unsere Fitness und schlägt ein sehr rassiges Tempo an. Zum Glück sind wir gut trainiert und halten mit. Plötzlich fragt er nach Höhenangst. Nein eigentlich keine. Also dann nehmen wir einen schwierigeren Weg, der eigentlich verboten ist. Na dann los. Der schwierigste Teil war dann für mich eine Baumstammbrücke ohne jegliches Geländer zu überqueren. Mit Simon vorne und halten am Rucksack komme ich aber auch da gut drüber. Das Absteigen in den Canyon fällt uns nicht besonders schwer und der Weg würde wohl einem T3 Wanderweg in der Schweiz entsprechen. Gesperrt ist der Weg, weil es letztes Jahr einen Absturz gab. Am Schluss geht es im Canyon dem Bach entlang über kleine und grosse Steine bis zum Wasserfall. Hier können wir Pause machen, baden und unsere Snacks essen. 

Zum Wasserfall
Kalt aber schön!
Da geht‘s wieder hoch
Viele kleine Vögeli

Danach machen wir uns wieder auf den Weg nach oben. Hier passieren wir die andere Gruppe. Es war wohl gut sind wir alleine unterwegs und können so unser schnelleres Lauftempo gehen. So sind wir auch bald wieder die 260 Höhenmeter aus dem Canyon über die Treppen nach oben gestiegen und geniessen noch den Aussichtspunkt über den Canyon, bevor es noch weitere Dinosaurierabdrücke gibt und dann zurück zum Dorf geht. So sind wir etwa 2 Stunden schneller als eine normale Tour und können ein feines Mittagessen in unserem Hotelrestaurant geniessen bevor es zurück nach Cochabamba geht. 

Blick in den Canyon
Der gefährlichste Dinosaurier
Abdrücke eines Grassfressers

Mit Sara, Jimena und Nicolas, Saras Bruder, geniessen wir den Abend mit einem feinen Essen und interessanten Gesprächen bevor wir müde ins Bett fallen. Am Freitag hat Sara nur sehr früh Uni und ist wieder zurück als wir aufstehen. Wir haben Zopfteig vorbereitet und backen diesen nun. Mit etwas Geduld kühlt er ab und wir geniessen den feinen Zopf zum Frühstück. Sara hat uns extra eine Papaya Marmelade gekauft, die ist super fein. Nach diesem ausgiebigen Frühstück geht Sara ins Gym und Simon und ich auf einen Spaziergang. Einen Abstecher im Einkaufsladen ermöglicht uns Grundnahrungsmittel für die Reise zu besorgen. Anschliessend gibt es ein feines Mittagessen von Jimena und dann eine ausgiebige Siesta. Sara hat nochmals Uni. In Bolivien ist es üblich einen Nachmittagstee zu trinken und etwas kleines zu Essen. Anschliessend gehen wir alle gemeinsam mit Nicolas ins historische Zentrum und schlendern über den Platz. Wir besuchen einige Marktstände, sehen ein Konzert und probieren ein sehr feines Strassenessen aus Yuca und Käse. Zu Hause gibt es ein Resteessen und dann fallen wir alle pappsatt ins Bett. 

Immer am ersten Freitag des Monats zünden alle Läden diese Feuerschale vor dem Laden an. Es ist für Mutter Erde und soll gute Geschäfte bringen.
Fahren oder nicht fahren?

Am Samstag schlafen wir alle aus und frühstücken danach gemeinsam. Mit Sara machen wir anschliessend einen Ausflug zum Christo von Cochabamba. Wir nehmen die Gondelbahn und geniessen die Aussicht über die Stadt und den schönen Christo auf dem Berg. Nach diesem tollen Ausflug gibt es erneut ein feines Mittagessen von Jimena.

Mit der Gondel zum Christo
Der Christo von Cochabamba
Blick über die Stadt
Bolivianische Kultur – Apfelsaft aus der Tüte

Nach einer Siesta treffen Simon und ich Diego in einem Kaffee. Diego ist Musiker und kennt meine argentinische Gastfamilie. Es war ein tolles Treffen und wir haben uns über die Reise, seine Musik und seine Pläne, bald in Deutschland zu studieren, unterhalten. Wir hoffen ihn das nächste Mal in der Schweiz zu sehen. 

Diego, ein neuer Freund

Zurück bei Sara geht es sogleich weiter zu ihrer Tante, der Schwester von Jimena. Sie wohnt ebenfalls in Cochabamba, aber wir fahren etwa 20 Minuten mit dem Taxi an den Rand der Stadt. Hier gibt es eine grosse Wohnsiedlung, welche mit Security abgesichert ist. Innerhalb gibt es von einen Pool zum Fussballplatz und einem kleinen künstlichen See alles und es ist sehr schön. Wir werden herzlich empfangen von Saras Tante, Onkel und zwei ihrer Töchter. Wir dürfen viel über unsere Reise erzählen und probieren Humintas. Diese bestehen aus Mais und Käse und sind entweder im Wasser oder im Ofen gekocht. Wir finden sie sehr lecker und freuen uns über die tolle Gesellschaft. Nach diesem vollen Tag mit viel Spanisch für Simon geht es müde ins Bett. 

Sara‘s Tante und Cousinen

Am Sonntag wird noch etwas länger ausgeschlafen und nochmals Zopf gefrühstückt. Jimena fand ihn so lecker, dass wir gleich nochmals ein Kilo gemacht haben. Anschliessend wird etwas Administration erledigt und Blog geschrieben bevor es erneut zum Essen geht. Heute gibt es ein richtig feines Raclette zum Mittagessen und sie haben es alle sehr gerne. Absolut vollgegessen gibt es zuerst eine Siesta bevor wir uns auf den Weg zu einem schönen Park mit einem grossen Herrenhaus machen. Hier spazieren wir durch den Garten und danach durch ein Quartier. Beim Abstecher ins Shoppingmall gönnen wir uns noch einen Bubbletea und mit dem haben wir für heute vermutlich genug gegessen. Zum Glück geht es bald wieder aufs Fahrrad sonst rollen wir nach Hause. Am Montagmorgen verabschieden wir uns leider bereits wieder von Sara und ihrer Familie. Es war ein wunderschöner Besuch und wir bedanken uns herzlich für die Gastfreundschaft. Es ist wunderschön, haben wir solch familiäre Beziehungen auf der ganzen Welt verteilt. 

Schweizer Raclette in Bolivien
Bubble Tea Lama

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Jasmine und Götti

    So schön habt ihr Sara besucht🩷. Ind natürlich wieder so viel spannendes erlebt.

  2. Susi Neidhart

    Der schöne Besuch bei Sara war eine tolle Abwechslung! Wieder viel Vergnügen beim Strampeln!! Liebe Grüsse Omimi Susi