Salares

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Wir starten den Tag wieder mit dem Frühstücksbuffet des 5-Sterne Hotels nebenan. Kurz überlegen wir uns, noch länger in Oruro zu bleiben, weil Tamaras Hals etwas kratzt aber wir entscheiden uns doch, weiterzufahren. Das Frühstück öffnet erst um 7:30 Uhr und so sind wir erst um 9 Uhr abfahrbereit. Nicht optimal, weil der Wind im Verlauf des Tages immer stärker wird, aber wir wollten das Frühstück deswegen auch nicht auslassen. Es geht den ganzen Tag hauptsächlich gerade und flach in Richtung Südwesten. Wir hören Musik und Hörspiele, denn es hat sehr wenig Verkehr und einen schönen Pannenstreifen. Am Nachmittag kommt der Wind stärker auf und wir kämpfen uns bis zum späten Nachmittag ans Ziel. Im Hotel in Corque entdecken wir ein sehr leicht bepacktes Gravelbike. Den Besitzer finden wir nicht. Zum Einkaufen fürs Abendessen und Frühstück gehe ich zum Dorfplatz und klappere alle 5 Tiendas ab, bis ich alles gefunden habe. An einem Stand, möchte ich noch zwei Bananen für den nächsten Tag kaufen aber die Dame meint, die Bananen seinen nur für Saft. Ob ich einen Saft haben möchte… Nein, den kann ich morgen nicht auf dem Velo mitnehmen. Die Dame möchte mir auch beim zweiten Nachhaken immer noch keine Bananen verkaufen und ich laufe weg. Wie die Peruaner, sind auch die Bolivianer oft keine guten Geschäftsleute und lassen sich einfach verdiente Zusatzeinnahmen entgehen.

Flach und gerade

Wir essen unser Frühstück noch im Zimmer und als wir um 7 Uhr losfahren wollen ist das Gravelbike schon weg. Netterweise hat Javi uns aber einen Zettel mit seiner Nummer hinterlassen und wir einigen uns schell auf ein Tagesziel. Heute sind wir früher dran und kommen mit weniger Wind schneller voran. Die Strasse ist immer noch eher langweilig, aber wir sehen den ganzen Tag den Sajama-Nationalpark mit seinen schneebedeckten Bergen auf unserer rechten Seite. Beim Hotel im nächsten Dorf wartet Javi bereits auf uns. Er ist aus Spanien und reist für 5 Monate mit dem Velo durch Südamerika. Das Hotel ist sehr praktisch, denn es hat einen kleinen Laden und ein Restaurant im gleichen Gebäude. Nur für das frische Brot müssen wir uns noch bewegen. Anders als in Europa, muss man hier frisches Brot immer Nachmittags kaufen. Die Bäcker stehen scheinbar nicht gerne früh auf. 

Blick zum Sajama-Nationalpark

Wir beschliessen gemeinsam mit Javi die Überquerung der Salzseen zu absolvieren, auch wenn er mit seinem leicht bepackten Carbon-Gravelbike einiges schneller wäre. Zuerst geht es noch einige Kilometer auf der asphaltieren Hauptstrasse weiter, bis wir über ein erstes kurzes Stück Salzsee zum Dorf Coipasa fahren. Auch wenn es wieder sehr windig ist, möchten wir endlich mal wieder Wildcampen und haben einen gut geschützten Ort dafür gefunden. Wir füllen unser Wasser auf und fahren noch ein paar Kilometer an der Küste des Salzsees entlang bis zu einem Felsvorsprung, wo wir windgeschützt und mit guter Aussicht auf den Salar de Coipasa unser Zelt aufstellen. Javi hat auf seiner Reise nicht viele Zeltnächte eingeplant und deshalb nur einen Bivaksack dabei. Es sieht sehr lustig aus, neben unserem geräumiger 3-Personenzelt. An einem kleinen Bach, der in den Salzsee führt, sehen wir zum ersten mal wilde Flamingos und geniessen die Abendstimmung. 

Die ersten Meter auf Salz
Wilde Flamingos beim trinken
Auch ein Hase versteckt sich in den Felsen
Abendstimmung über dem Salar de Coipasa
Da bleibt man gerne noch etwas länger wach

Der Sonnenaufgang über dem Salzsee ist schon früh ein Highlight des Tages. Anschliessend fahren wir weiter der Insel entlang, bis wir den Salar de Coipasa kurz überqueren und aufs Festland wechseln. Der Salar de Coipasa ist eher feucht und entsprechend ist das Fahren nicht immer einfach. Es fühlt sich an wie auf weichem Schnee und das Salzwasser spritzt uns voll. Auch einige sehr schlammige Passagen am Rand bei den kleinen Zuflüssen müssen wir bewältigen und so schieben wir unser Velo immer mal wieder für kurze Strecken. Die Stimmung ist aber super und wir freuen uns, auf dem Salar zu sein. Nach dem Mittagshalt in einem kleinen Dorf sind wir zuversichtlich, die letzten knapp 30 Kilometer bis nach Llica zügig absolvieren zu können. Javi geht voraus und wir werden ihn am Abend wieder sehen. Nach wenigen Minuten merken wir, dass es noch sehr streng wird heute Nachmittag. Der Wind hat die „Strasse“ mit Sand zugeweht und wir müssen schieben. Unsere schweren Velos sind für solches Terrain nicht unbedingt geeignet. Wir stellen uns ein Hörbuch ein und schieben langsam durch die Wüste. Ab und zu können wir für kurze Zeit aufsteigen aber für die nächsten drei Stunden wird grösstenteils geschoben. 10 Kilometer vor dem Ziel können wir beim nächsten Dorf Wasser füllen und überlegen uns, ob wir gleich hier bleiben wollen. Zum Glück haben wir Handyempfang und Javi schreibt uns, dass die Strasse besser wird. So reissen wir uns nochmals zusammen und tatsächlich können wir den Rest fahren, auch wenn es eine sehr holprige Waschbrett-Piste ist. Erschöpft kommen wir nach mehr als 8 Stunden auf und neben dem Velo in Llica an. Unser längster Tag bisher. Immerhin hat Javi das Dorf schon erkundet und weist uns den Weg zum Hotel, Einkaufsladen und Restaurant. Es gibt wie immer Poulet mit Reis und Pommes aber das ist uns auch egal. 

Sonnenaufgang über dem Salar
Unser super Zeltplatz im Morgenlicht
Die „Küste“ des Salar de Coipasa
Mehr Flamingos begleiten uns auf der Fahrt
Schwierige Passagen am Rand des Salzsees
Hier können wir noch fahren
Hier nicht mehr

Von Llica sind es nur noch ein paar Kilometer Waschbrett-Piste bis wir den Salar de Uyuni erreichen. Ehrfürchtig starren wir ins unendliche Weiss. Mit über 10‘000 Quadratkilometer hat der grösste Salzsee der Welt etwa ein Viertel der Fläche der Schweiz. Das gegenüberliegende Ufer ist nicht sichtbar. Wir fahren in einer geraden Linie nach Osten und versuchen auf den Volcan de Tunapa zu zielen. Nicht ganz einfach, denn die Autospuren kommen immer wieder quer rein. Eigentlich ist es eifacher den Autospruren zu folgen, denn dort ist das Salz weniger Rau, aber wir wissen nie wie weit ab vom Kurs uns die Spuren bringen und müssen dann wieder korrigieren. Hier ist das Salz meistens trocken. Es fühlt sich an, wie auf kompaktem Schnee zu fahren, ausser dass es nicht rutschig ist. Weil die Beschaffenheit sehr unterschiedlich ist, schwankt auch unser Tempo stark. Beim Mittagessen machen wir ein erstes Fotoshooting und knipsen alle obligatorischen Salzsee-Fotos. In Tahua hat Javi auch alles schon organisiert. Hier gibt es deutlich weniger Infrastruktur und wir kochen selbst. Immerhin finden wir wieder frisches Brot. Dafür müssen wir laut in einen Innenhof rufen bis ein kleines Mädchen kommt und uns Brötchen verkauft. Umgerechnet zahlen wir 7 Rappen pro Brötchen. Etwas ärgerlich aus meiner Sicht ist, dass der Wetterbericht nicht sonderlicht genau stimmt. Anstatt dem angesagten starken Wind am späten Nachmittag und Abend ist es fast windstill. Wenn wir das vorher gewusst hätten, wären wir wohl lieber zur Isla del Pescado mitten auf dem Salzsee gefahren und hätten dort gecampt. Im Nachhinein lässt sich das aber einfach sagen. 

Einfahrt auf den Salar de Uyuni
UV-Index 14. Wir verpacken uns so gut es geht
Zu dritt macht der Salar mehr Spass
Zmittag auf dem Salar
Direkt auf den Volcán Tunupa zu. Den Wasseraugen weichen wir aus
Salzgewinnung in der Nähe des Ufers
An der Küste wir auch hier Landwirtschaft betrieben

Am nächsten Morgen fahren wir zuerst in einer geraden Linie 40 Kilometer auf die Isla Incahuasi zu. Anfangs sieht man nur einen dunklen Flecken am Horizont und es dauert eine Ewigkeit bis die Insel langsam näher kommt. Das Fahren auf dem Salzsee ist vor allem mental anstrengend weil es immer flach geradeaus geht und keine Abwechslung kommt. Auf der Isla Incahuasi ist nicht viel los. Nur ein paar Landcruiser mit Touristen sind dort und erkunden die Insel. Dieses Mal wollen wir den Wind am Nachmittag ausnutzen und verweilen noch ein bisschen auf der Insel. Am Nachmittag geht es nach einem weiteren Fotoshooting 60 Kilometer in Richtung des westlichen Ufers des Salzsees. Langsam wird der Wind stärker und schiebt uns in die richtige Richtung. Nun treffen wir immer wieder auf Landcruiser mit Touristen die auf dem Weg zur Isla Incahuasi oder zurück sind. Auch wenn der Salzsee flach ist, ist zum Teil doch Konzentration erforderlich, denn es hat immer wieder kleine Wasserlöcher, die wir umfahren müssen. Zum Schluss schiebt uns der Wind mit über 30 km/h und wir erreichen bald das Salzhotel und Restaurant der Isla de las Banderas. Das Gebäude und die Inneneinrichtung sind grösstenteils aus Salz. Wir erkundigen uns zuerst nach einem Zimmer aber nur der Showroom für die Touristen sieht einigermassen bewohnbar aus. Alle anderen Zimmer sind dreckig und nicht bereit für Gäste. Schade, denn man könnte hier mit relativ wenig Aufwand viel mehr rausholen. Weil es draussen sehr stark windet, bekommen wir schlussendlich die Erlaubnis unser Zelt im Restaurant aufzustellen, nachdem alle Touristen gegangen sind. Wir schauen also mit den letzten Touristen den Sonnenuntergang, bauen anschliessen unser Zelt auf und kochen eine Suppe mit Teigwaren. Wirklich sinnvolles Essen gab es im Restaurant nämlich auch nicht. Die Guides bringen alles Essen für die Touren selber mit. 

Gerade auf die Insel Incahuasi zu
Hier gibt es wieder etwas touristische Infrastruktur: Kaffee, Snacks, WC und Wasser
Sogar Vögel haben sich hierhin verirrt
Kochen im Salzrestaurant auf der Isla de las Banderas
Noch ein schöner Sonnenuntergang. Man erkennt fast keinen Unterschied zum Meer
Und das Abendrot kurz danach

Um 6 Uhr morgen haben wir wie abgemacht alles verräumt. Es klopft an die Türe. Die ersten Guides wollen mit ihren Touristen reinkommen und einen Tee oder Kaffee zu trinken und ihr selber mitgebrachtes Frühstück aufzutischen. Wir haben die strikte Anweisung erhalten, sie nicht hereinzulassen, bevor jemand vom Restaurantpersonal hier ist. Kurz nach 7 Uhr, mit etwa einer Stunde Verspätung, trifft eine Frau vom Restaurant ein, lässt mürrisch die mürrischen Guides rein und beginnt Tee zu kochen. Die Frau tut uns etwas leid, denn sie muss alleine die Bar und den Souvenirshop bedienen und alle wollen etwas von ihr. Wir machen uns auf den Weg und absolvieren die letzen paar Kilometer auf dem Salar de Uyuni bis ins Dörfchen Colchani im Seitenwind. Hier wollten wir eigentlich unsere Velos mit Wasser abspritzen. Bei der ersten Autowäscherei ist der Besitzer noch seinen Rausch am ausschlafen, die zweite hat geschlossen und die dritte hat kein Wasser. Also geht es weiter im Rückenwind nach Uyuni. Dort haben wir mehr Glück und können unsere Velos und Taschen mit einem Hochdruckreiniger für eine kleines Trinkgeld selber abspritzen. Ein Hostel ist schnell gefunden aber wir müssen feststellen, dass Uyuni mit Abstand die teuerste Stadt in Bolivien ist. Es ist alles auf Tourismus ausgelegt aber die Stadt selber ist nicht wirklich schön. 

Campen im Salzrestaurant
Eine Frechheit, dass hier noch keine Schweizerflagge hängt…
Die Velos müssen dringend gewaschen werden
Macht Spass

Weil wir anschliessend wieder ambitionierte Pläne haben, bleiben wir trotzdem drei Tage hier und verbringen diese mit Erholen, Essen und diversen Besorgungen. Uyuni ist wieder ein Hotspot für Fahrradreisende und wir verbringen viel Zeit in guter Gesellschaft. Unsere Velos lassen wir nach unserem rudimentären Abspritzen mit Wasser noch beim Velo- und Motorradmechaniker Robin professionell reinigen. Er ist spezialisiert auf versalzte Velos, spritzt alles nochmals ab, bläst das Salzwasser mit Druckluft aus allen Öffnungen und besprüht alles mit seinem selbst gemischten Korrosionsschutzmittel. Eine kurze Inspektion zeigt, dass unsere Velos in gutem Zustand sind und wir bereit sind für die Weiterreise. Beim „Tanken“ unserer Benzinflasche zum Koche, dürfen wir netterweise die Schlange überspringen und uns einem Einheimischen anschliessen. Sie warten hier zum Teil den ganzen Tag bis sie tanken dürfen. Ein kurzer Besuch beim Lokomotiven-Friedhof von Uyuni bleibt etwas unter unseren Erwartungen. Es sind nur ein paar verrostete Lokomotiven in der Wüste. Javi verlässt uns einen Tag früher und wird uns ab jetzt Infos zur Route schicken. Er wird mit seinem Tempo wohl bald schon mehr als nur einen Tag vor uns sein. Nach dem Besuch zahlreicher Wechselstuben in Uyuni, schaffen wir es auch noch, einige Bolivianos aus dem Bankomat direkt in argentinische Pesos umzutauschen. Während wir in Bolivien keine Gebühren zahlen, ist es in Argentinien nämlich unglaublich teuer, Bargeld abzuheben. Ausserdem planen wir über eine kleine Grenze hoch in den Bergen einzureisen und bis zur ersten Western Union Filiale ist es noch weit von dort. 

Auf dem Eisenbahnfriedhof Uyuni

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Jasmine und Götti

    Der riesen Salzsee ist ja ein weiteres Highlight. Und die collen Fotos 🫶🤗
    Schön, immer wieder von euch zu lesen 😘

  2. Opru

    Eifach nume toll die schöne Föteli. Das mached ihr super und gniessed wiiterhin euri Reis. Grüess us Muttenz an euch beidi.

  3. Susi Neidhart

    Eindrücklich der Riesen-Salzsee und speziell das Zelten im Restaurant!! Gute Weiterreise und liebe Grüsse Omimi, Susi

  4. Markus

    Wie immer schöne Fotos!
    Die Milchstrasse hast Du perfekt
    geschossen, Simon! Bravo!