Nach der Touristenhochburg Cusco haben wir sehr deutlich erlebt, was es heisst ausserhalb der Touristenzonen zu reisen. Wer will darf die Erlebnisse gerne mitzählen. Wie viele sind es zum Schluss? Nach unserem längeren Aufenthalt in Cusco gibt es nur noch einen Punkt zu erledigen. Die abgebrochene Schraube in Simons Fahrradrahmen muss entfernt und ersetzt werden. Da der Fahrradmechaniker gestern von seinen Ferien zurück kam, können wir dies heute erledigen. Da der Laden am südlichen Ende auf unserem Weg aus Cusco liegt, beschliessen wir somit gleich weiter zu fahren. Der Mechaniker meinte es dauert nur einige Minuten. Kurz nach 10.00 Uhr treffen wir bei ihm ein und ich mache mich zügig auf den Weg in einen Einkaufsladen, um unsere Vorräte noch aufzustocken. Plötzlich taucht Simon auch im Shopping Mal auf. Er muss Bohrer für Metall kaufen, denn die Schraube steckt noch drin. Danach geht das Geduldspiel los. Drei Stunden und vier kaputte Bohrer später hat es der Mechaniker geschafft und die Schraube hat ein durchgebohrtes Loch und kann herausgeschraubt werden. Was für ein Aufwand! Wir verdrücken noch schnell zwei Sandwich und verlassen Cusco erst um 14.00 Uhr. Zum Glück haben wir nur noch 45km bis zu einem Casa de Ciclista vor uns.



Nach all den klassischen Touristenattraktionen und den dazugehörigen modernen Standart der Städte, ist die Ankunft bei Omar ein kleiner kultureller Schock. Er lebt in einem Zimmer mit zwei grossen Betten und einer Küche, die aus zwei Gasplatten besteht. Den Innenhof teilt er mit anderen Familie, sowie die Toilette und die Dusche. Letztere funktioniert zurzeit nicht und besteht somit aus einem Eimer Wasser. Wir können nicht genau abschätzen wie viele Menschen auf engstem Raum hier zusammenleben, geteilt wird der Innenhof auf jeden Fall noch mit 2 Hunden, Katzen und einigen Hühnern. Omar ist super freundlich und wir unterhalten uns noch ein wenig bevor er wieder weiter muss und wir früh ins Bett gehen. Geweckt werde ich um 3.00 Uhr zum ersten Mal vom Hahn. Der kräht anschliessend regelmässig und kurz vor 6.00 Uhr stehen wir auf, denn wach sind wir sowieso. Heute haben wir einen langen Tag vor uns. Wir möchten bis nach Sicuani, der nächsten grösseren Stadt fahren. Dort soll es ein nettes Hotel für Radfahrende geben. Die Strecke ist nicht besonders spannend und so radeln wir gemütlich die 96km in 6.5 Stunden. Es geht immer ein wenig aufwärts, was uns eher langsam macht. Interessant ist ein kleines Städtchen, welches eine Brothauptstadt ist. Hier hat wirklich jedes Haus eine integrierte Bäckerei und alle Stände verkaufen genau das selbe Brot. Wie nur ist dies rentabel?


Am späteren Nachmittag erreichen wir Sicuani und können in einem sehr schönen, sauberen und grossen Hotelzimmer für nur 40 Soles (10.- CHF) einchecken. Nach einer warmen Dusche machen wir uns mit einem Tuctuc auf den Weg ins Stadtzentrum. Wir freuen uns riesig auf ein asiatischen Restaurant, welches ein anderer Radfahrer empfohlen hat. Traurig stehen wir dann vor geschlossenen Türen, obwohl es nach Googlemaps geöffnet hat. Es ist uns schon ein Rätsel, warum all die Öffnungszeiten und teilweise auch Standorte auf Google so komplett falsch sind. Vermutlich nutzen es die Einheimischen schlichtweg nicht. So suchen wir uns ein traditionelles peruanisches Restaurant und geniessen ein letztes Mal ein sehr feines Lomo Saltado. Wir versuchen unser Glück erneut, diesmal mit der empfohlenen Bäckerei von unserem Radfreund. Diesmal haben wir Glück, die Bäckerei ist geöffnet und sehr voll. Wir stehen kurz in der Mitte des Raums auf der Suche nach einem Tisch, da werden wir auf Englisch angesprochen. Lirón ist aus Dänemark und ebenfalls Radreisender. Er ist nach uns im Hotel angekommen und hat sein Fahrrad bei unseren im Innenhof abgestellt. Da wir die einzigen weissen Reisenden in dieser Stadt sind, die er bis jetzt gesehen hat, dachte er wir müssen ja wohl die anderen Radfahrenden sein. 100% richtig, wir sind es. Wir essen gemeinsam ein Dessert und unterhalten uns ausführlich über unsere bisherigen Reiseerfahrungen. Gemeinsam nehmen wir das Tuctuc zurück ins Hotel.
Am nächsten Tag haben wir das selbe Ziel, nämlich ein Bed & Breakfast knappe 110 km weiter südlich. Es hat einen sehr guten Ruf und so wollen wir es uns nicht entgehen lassen. Simon und ich starten früh und fahren bereits um 6.45 Uhr los. Die ersten 40km geht es hoch zu einem Pass. Es ist nie sonderlich steil, aber immer etwas bergauf und so kommen wir eher langsam vorwärts. Danach geniessen wir dafür die schöne lange Abfahrt praktisch ohne Verkehr und haben anschliessend einen guten Rückenwind, der uns zügig Richtung Ziel bringt. Lirón überholt uns im Verlaufe des Tages und wir treffen ihn am Ziel wieder.


Das B&B ist so schön, dass wir beschliessen gleich zwei Nächte hier zu verbringen. Die Aussicht aus dem Esssaal ist hervorragend und gleich auf der Wiese vor der Haustür haben sie ein grosses Stadium aus Holz aufgebaut und es finden Stierkämpfe statt. Heute Abend sind wir allerdings zu müde und so gibt es ein feines Abendessen in einem Restaurant gleich ums Eck und danach gehts ab ins Bett. Am nächsten Morgen schlafen wir aus und essen unser Frühstück erst um 8.00 Uhr. Es ist wirklich so gut wie alle erzählt haben und wir geniessen jeden Bissen.



Danach chillen wir es auf der Terrasse in den Liegestühlen, telefonieren, schreiben Blog und bekommen ab und zu vom Haustieralpaca Besuch. Am späteren Nachmittag machen wir uns auf den Weg zur Stierkampfarena und den dazugehörigen Essens- und Achterbahnständen. Wir fühlen uns ein wenig wie auf der Herbstmesse mit zwei grossen Unterschieden. Erstens können wir uns hier die Bäuche mit Süssigkeiten (Popcorn, Schokofrüchten, etc.) voll schlagen ohne ein grosses Loch im Portemonnaie zu haben. Zweitens werden wir von allen anderen angestarrt. Die Peruaner sind grundsätzlich sehr zurückhaltend und so werden wir nicht angesprochen, aber dafür umso mehr interessiert und erstaunt betrachtet. Denn wir sind die einzigen Ausländer auf diesem ganzen Areal und fallen auf. Lustig ist es trotzdem und die Holzkonstruktion sehr beeindruckend. Das ganze Stadion wird in wenigen Stunden auf und wieder abgebaut. Vom Stierkampf bekommen wir praktisch nichts mehr mit, was auch in Ordnung ist.


Am nächsten Tag stehen wieder mehr als 100km auf dem Programm, denn es gibt dazwischen keine offiziellen Hotels. Der Wind ist günstig und so kommen wir unglaublich schnell vorwärts. Am Mittag haben wir bereits 70km absolviert. Wir sind jetzt auf dem Altiplano angekommen, das ist eine Hochebene im Süden von Peru und in Bolivien auf ca. 3800 m.ü.M. Trotz einem Abschnitt Schotterstrasse und etwas Seitenwind können wir die restlichen Kilometer hinter uns bringen und schaffen es bis zum vorgesehenen Hotel. Wie immer in Peru müssen wir per WhatsApp dem Besitzer anrufen, damit uns geöffnet wird. Mit 25 Soles (6.- CHF) ist dies unsere günstigste Unterkunft bisher. Das Zimmer ist ganz schön. Das separate Badezimmer hält sich in Grenzen und so lassen wir heute das Duschen sein. Nach etwas Erholung laufen wir drei Blocks zum Plaza und machen uns auf die Suche nach einem Abendessen. Da hören wir Musik und sehen viele Menschen in der Mitte des Platzes tanzen. Die Meisten haben traditionelle Kleidung an. Wir sind interessiert und gehen etwas näher. Da sehe ich ein Brautpaar in der Mitte des Kreises und alle tanzen ringsum. Es ist Sonntagnachmittag. Ich bin begeistert und schaue lächelnd zu. Da winkt uns plötzlich ein Mann vom Kreis zu und meint, wir sollen doch mittanzen. Na dann mal los. Wir reihen uns ein und versuchen mitzukommen, zum Glück ist es nicht sehr schnell. Jetzt werden wir mehr gefilmt und fotografiert als das Brautpaar und ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen. Wir sind mal wieder unglaublich auffällig hier. Alle sind begeistert und offerier uns Bier. Ich nippe langsam an meinem Becher mit Bier bis ich merke, dass man diesen schnell leer trinkt und dann weitergibt. Irgendwann kommt dann die nächste grosse Bierflasche mit Becher und man nimmt wieder einige Schlücke. Nach unzähligen Runden ist das Lied fertig und das Brautpaar macht eine Pause auf einer Bank. Wir werden gefragt, woher wir kommen und was wir hier in diesem kleinen Dorf machen. Vor allem zwei Mädchen haben Freude an uns. Plötzlich steht das Brautpaar auf und wird abgeholt. Ein Gast erklärt uns, dass nun alle zum Brautpaar nach Hause fahren und dort weiter feiern. Na dann viel Spass. Wir machen uns auf den Weg in ein Restaurant und verdrücken je 1/4 Poulet mit Pommes und natürlich einem Inka Kola.

Heute kommen wir zum ersten Mal an den Titicacasee. Was für eine Freude diesen riesigen See zu sehen. Wir haben uns entschieden am östlichen Seeufer entlang zu fahren. Dieses Ufer hat keine grossen Städte und somit bedeutend weniger Verkehr. So können wir auf einer sehr schönen Teerstrasse am Ufer entlang fahren und werden nur sehr selten von einem Auto überholt. Es ist ein sehr sonniger Tag und die Fahrt ist wunderschön, aber streng. Heute sind meine Beine nicht so fit wie auch schon. Langsam aber stetig kommen wir vorwärts und in einem Dorf gibt es ein riesiges Fest, erneut erinnert es uns an die Fasnacht. Wir schauen kurz etwas zu und verdrücken uns dann wieder. Wir haben uns eine schöne Unterkunft am See ausgesucht und steuern diese an. Die letzten 3km sind dann eine sehr schlechte Schotterstrasse und wir sind froh, als wir am Ziel ankommen.


Doch dann kommt etwas Nervosität auf. Das Haus sieht sehr verlassen aus, alle Vorhänge sind zu und als wir klopfen macht niemand auf. Da es schon spät ist, bleibt uns nicht mehr viel Zeit einen Übernachtungsort zu finden, bevor die Sonne untergeht. An der Tür klebt eine Visitenkarte mit einer Handynummer. Ich versuche über WhatsApp anzurufen, aber mein Empfang ist so schlecht, dass ich fast nichts verstehe. Fazit: Die Besitzer sind in den Ferien, aber ich solle kurz warten, sie melde sich wieder. Ich schreibe ihr, dass wir ansonsten auch unser Zelt aufstellen können, wenn sie uns dies in ihrem Garten erlauben und dann warten wir. Plötzlich taucht ein Mann auf. Ihr Bruder oder Ehemann so genau haben wir es nicht verstanden. Er schliesst uns das Hotel auf. Nach einem kurzen Telefonat mit der Besitzerin ist klar. Wir dürfen bleiben, wenn wir unser eigenes Essen und Kochmöglichkeit haben. Ja klar! Wir machen gleich zwei Nächte hier, denn wer hat schon ein grosses Haus mit einem Zimmer im ersten Stock mit Fensterfront zum See für sich allein. Besser geht es nicht. Das Zimmer ist auch wunderbar sauber, die Dusche ist kalt und die Küche lässt etwas zu wünschen übrig und den Kühlschrank sollte man nicht öffnen, denn der hat wohl schon länger keinen Strom mehr. Aber welch Vertrauen in uns, ihr Hotel einfach zu öffnen und zwei Touristen alleine darin wohnen zu lassen.


Wir nehmen also unsere eigene Campingküche und geniessen das Haus, die Aussicht und den freien Tag zum nichts tun und lesen. Einen kleinen Spaziergang auf den Hügel machen wir am Nachmittag und sehen so über den ganzen See. Essen haben wir auch genügend dabei, wobei es etwas eintönig wird mit zweimal Pasta mit Olivenöl zum Abendessen und Porridge zum Frühstück.


Dies ist ein schöner Abschluss unseres Aufenthaltes in Peru, denn am nächsten Tag geht es über die Grenze nach Bolivien. Zuerst folgen wir der schönen Teerstrasse bis ins letzte Dorf von Peru. Hier müssen wir unseren Pass stempeln. Der Zollbeamte ist sehr freundlich und muss etwas lachen, als ich ihm ausversehen Simons Pass hinalte. Ob das wirklich ich sei, fragt er mich dann. Erstaunlicherweise haben wir unser Visa für Peru nicht überzogen und bekommen den Ausreisestempel ohne Probleme. Zum Schluss muss ich noch ein letztes Inka Kola kaufen. Danach geht es einige Kilometer einen Berg hinauf bis zur eigentlichen Grenze. Unterwegs passieren wir noch einen Kontrollpunkt, welchen alle anderen Fahrer über eine Schotterstrasse umfahren. Mit dem Fahrrad können wir aber ohne Probleme passieren. Dann kommt die eigentliche Grenze, wobei einfach eine Fahne und ein Schild da ist. Es hat ein paar Häuser und eine junge Frau mit ihrem Kind spricht uns an. Was wir hier tun und woher wir kommen, will sie wissen. Ob wir den als Touristen arbeiten, ist die nächste Frage. Sie hat wohl noch nicht viele Touristen getroffen und das wir uns eine solche Reise auch ohne Arbeit leisten können, wollen wir ihr nicht unter die Nase reiben.



Die Steigung ist auf der bolivianischen Seite noch nicht zu Ende. Nur leider ist die Strasse nicht mehr geteert und auch bedeutend schlechter als alle anderen Schotterstrassen, welche wir in Peru passiert haben. Wir fragen uns, ob es Absicht ist, dass diese Strasse so schlecht ist. Möglicherweise will Bolivien diesen Grenzübergang nicht allzu attraktiv machen. Tja, so benötigen wir für die nächsten 10km gute 2 Stunden und kommen kurz vor dem Mittag im ersten bolivianischen Dorf an. Zuerst müssen wir einige Soles in Bolivianos wechseln, damit wir Geld bis zum ersten Bankomaten haben. Der Kurs scheint uns allerdings sehr schlecht, also wechseln wir nur einen Teil unserer Soles und behalten den Rest bis La Paz. Danach organisieren wir uns eine SIM Karte. Die Dame im Laden ist super freundlich und hilft uns alles einzurichten. Dann geht es weiter aus dem Dorf hinaus, denn erst hier befindet sich der bolivianische Zoll und wir erhalten unseren Einreisestempel. Nun ist es doch bereits Nachmittag und der Wind bläst ziemlich stark von der Seite. So kommen wir nicht sonderlich schnell vorwärts und müssen unser Tagesziel etwas verschieben. Im ersten grösseren Dorf gibt es aber wirklich nichts schönes und so kämpfen wir uns noch 10km weiter durch den Wind zum nächsten Dorf. Hier erhalten wir ein Zimmer mit WC (ohne Dusche) und dürfen die Räder im EG in ein anderes Zimmer einschliessen. Wir machen uns auf die Suche nach etwas zu Abendessen. Ein Restaurant gibt es in diesem Dorf nicht und das Poulet unter der Wärmelampe sieht nicht besonders vertrauenserregend aus. Darum nehmen wir die wohl sicherste Variante eine Lebensmittelvergiftung zu verhindern und essen Salchipapas (Pommes mit Hotdogwürstchen und Ketchup). Es ist sehr fein und günstig, aber eine kleine Portion. Darum kaufen wir im kleinen Laden noch eine grosse Menge Snacks und verdrücken diese im Hotelzimmer. Hier schlafen wir trotz zwei Doppelbetten getrennt. Denn die Matratzen sind solche Badewannen, dass wir uns nur die halbe Nacht ärgern würden. Ich schlafe schon alleine nicht sonderlich gut, denn für eine Bauchschläferin sind solche durchhängenden Matratzen eine Qual.



Dank einer Stunde Zeitverschiebung geht die Sonne jetzt erst um 6.30 Uhr auf. Heute geht es für uns früh los, denn der Wind soll je länger je mehr zunehmen. Also fahren wir um kurz nach 7.00 Uhr los. Es bläst leicht von der Seite, aber wir kommen dennoch einigermassen vorwärts. Wir wissen, dass die Strasse nach 50km einen Knick macht und ab da sollten wir Rückenwind haben. Genau so ist es und der Unterschied ist frappierend. Von etwa 10-12km/h mit Seitenwind, fahren wir jetzt 22-25km/h mit Rückenwind. Was für eine Freude, wenn der Wind einem vorwärts schiebt. So schaffen wir die geplanten 60km bereits bis zum Mittagessen. In dieser kleinen Stadt finden wir ein gutes Restaurant mit einem sehr feinen Mittagsmenu. Es gibt eine Teigwarensuppe und zum Hauptgang Reis mit Hackfleisch, Zwiebeln und Kartoffeln inkl. einer warmen Limonade. Dafür zahlen wir 1.- CHF pro Menu. Wir beschliessen den Wind zu nützen und noch weiter zu düsen. So fliegen wir die nächsten gut 30km dahin und halten erst als die Strasse wieder einen Knick macht und wir damit keinen Rückenwind mehr hätten. Auch hier müssen wir der Hotelbesitzerin anrufen. Sie ist super freundlich und kommt so schnell wie möglich. Wir erhalten ein bequemes Doppelbett und können die Räder im Innenhof unter ein Dach stellen. Am frühen Abend machen wir uns auf den Weg ins Dorf. Hier ist ein richtiges Fest im Gange. Eine grosse Bühne steht vor dem Plaza, alle trinken Bier und sind dementsprechend betrunken und eine Band spielt auf der Bühne. Wir laufen einmal durch das Publikum und prompt ruft ein Sänger: „Gäste aus den USA – Gringos!“ Jajaja, wir sind hier für alle Gringos auch wenn wir dies aus unserer Sicht nicht sind. Wir lächeln und laufen weiter. Auch hier hält sich das kulinarische Angebot stark in Grenzen. Die kleinen Hamburgerstände mache uns nicht an und so gibt es erneut Salchipapa. Dann gehen wir in zwei, drei kleine Läden und sehen uns das neue Angebot an Snacks an. Wir brauchen wieder einige Zeit bis wir uns an das neue Angebot gewöhnt haben. Wir finden sehr feine Kaffee-Schokoladen Kekse und ich freue mich über die ersten argentinischen Produkte, wie eine Milchschokolade mit Erdnüssen. (Natürlich nicht so gut wie Schweizerschokolade, aber besser als alles andere bisher).



Danach verziehen wir uns zurück ins Hotel und sind froh, ist das Dorffest weit genug entfernt, dass die Musik nicht hörbar ist. Nachts wache ich zwar ab und zu auf, wenn die Gäste vom Fest zurückkommen, aber das ist ok. Nun steht der letzte Radtag vor La Paz an. Wir starten erneut früh, da wir mit etwas Seitenwind rechnen. Dieser bleibt am Morgen allerdings aus und so kommen wir trotz stetiger Steigung sehr zügig vorwärts. Je näher wir ans Zentrum von El Alto kommen, desto dichter wird der Verkehr. Ansonsten hatten wir in Bolivien bisher sehr wenig Verkehr. Wir fragen uns, ob dies an der abgelegenen Gegend oder am Benzinmangel liegt. Letzteres sehen wir deutlich, da einige Tankstellen ganz geschlossen sind und bei den anderen sehr lange Autoschlangen stehen. Gut brauchen wir kein Benzin für unsere Fahrräder. Im Zentrum von El Alto amüsieren wir uns dann gut über das Verkehrschaos. Gut 80% des gesamten Verkehrs besteht aus Minivans, welche als Busse fungieren. Diese haben keine fixen Haltestellen, sondern lassen ihre Passagiere an jeder Strassenecke ein- oder aussteigen. Vor allem an den Ampeln ist es beliebt ein- und auszusteigen. Doch dann wird grün und der Van in der Mitte ist noch nicht bereit. Also bleibt der ganze Verkehr stehen. Alle hupen um durchzukommen oder Passagiere anzulocken. Wir können uns sehr gut durchschlängeln und müssen lediglich darauf achten nicht von einem Minivan abgedrängt zu werden. Denn manchmal ziehen sie unglaublich scharf an den rechten Strassenrand. Schnell haben wir erkannt, dass wir an den Ampeln ganz vorne als erstes losfahren müssen, dann können wir die meisten abhängen, da sie noch im Chaos stecken. Kurz bevor es hinunter nach La Paz geht, kommt die Autobahneinfahrt. Wir dachten, dass könnte schwierig werden. Doch hier geht es auch nicht schneller zu und her. Auf der Überführungsbrücke hat es am Rand Stände mit Essen und Kleider und unten auf der Einfahrt steht sowieso alles still und geht nur stossweise vorwärts. Kein Problem für uns, da durchzukommen. Dann kommen wir zur Mautstation und ab da geht es rasant ins Tal runter. Es hat wenig Verkehr und wir können illegal mit knapp 50km/h (erlaubt wären nur 40km/h auf der Autobahn?!) runtersausen. Aufpassen muss man aber immer denn plötzlich steht auf der linken Spur ein Reisecar still. Als wir daran vorbeiziehen, erkennen wir das dieser gerade geputzt wird – Mitten auf der Autobahn!


So kommen wir heil in La Paz an und stehen dann für die letzten zwei Kilometer auch noch im Stadtstau. Bei unserem Airbnb müssen wir uns zuerst beim Pförtner ausweisen, auf den wir warten, denn er ist in der Mittagspause. Danach verfrachtet Simon unsere Räder im viel zu kleinen Kellerabteil, weil man kein Fahrrad in den Lift nehmen darf. Das muss man wirklich nicht verstehen. Als dann alles verstaut und unsere Tauschen im Airbnb sind, geht es direkt zum Italiener ums Eck. Wir sind so ausgehungert, dass wir drei Gänge wegputzen. Was für ein feines Essen! Wir werden La Paz schon alleine seiner Kulinarik wegen lieben.

…. Und wieder in einem neuen Land. Unglaublich – und so viele spannende Eindrücke ☺️😘
E tolle Bricht, wie immer und e maga cools Video😀