„Let it snow.“ oder „I‘m dreaming of a white Christmas“
Ja, ich weiss es ist Mitte August und ihr schwitzt in der europäischen Hitzewelle. Doch wir sind seit über einem Jahr im nun auch kalten Winter gelandet. Dies liegt wohl weniger an der Jahreszeit Winter hier in Peru, sondern vielmehr an der Höhe der Berge. Deshalb hat mein Unterbewusstsein entschieden, dass es nun an der Zeit ist, Weihnachtsmusik zu hören. Und so bringen mich diese fröhlichen Lieder immer wieder auf den nächsten Pass und ich geniesse die Weihnachtszeit im August.
Während unserer zwei Tage Pause in Oyon, konnten wir uns der nächsten Routenplanung widmen. Am Anfang war für uns klar, dass wir nun auf die bekannte Bike-Packing Route „Peru Great Divide“ abbiegen und dieser folgen. Doch bei genauerer Betrachtung wurde uns klar, dass dies für unsere schwer beladenen Fahrräder wohl eine sehr grosse Herausforderung wird. Die nächsten Etappen hätten durch eine abgeschiedene, sicherlich wunderschöne, Bergwelt geführt. Auf dieser hätten wir innerhalb von 150km über 5000 Höhenmeter bewältigen müssen. Das ist dann doch sehr sehr viel. Nicht zu vergessen befinden wir uns nun fast durchwegs auf über 4000m.ü.M. und die Strassen sind alle nicht geteert. Durch das Lesen und im Kontakt sein mit anderen Radfahrenden, haben wir eine Alternative gefunden, die uns über 175km und 3500 Höhenmeter wieder auf die originale Route bringt. Die Entscheidung viel uns nicht ganz leicht, aber am Schluss hat die Vernunft gesiegt und wir waren zuversichtlich, dass auch diese alternative Route ihre Schönheiten hat.
Nach einem gemütlichen Morgen in Oyon und dem Verabschieden unserer neuen Radfreunde sind wir eine kurze Etappe zu einem Wildcampplatz gefahren. Es standen nur 15km auf dem Programm, aber gute 500 Höhenmeter und so sind wir trotzdem gute 2 Stunden gefahren. Kurz vor dem Ziel ist uns ein Bauer mit seinen Kühen begegnet und so konnten wir ihn auch gleich um Erlaubnis fragen, beim See zu campen. Er hatte kein Problem damit und war eher besorgt, ob wir nicht kalt hätten. „Es wird sehr kalt in der Nacht.“ meinte er. Wir haben ihn beruhigt und sind zum See geradelt. Simon hat sich nochmals kurz um die Wartung der Bremsen gekümmert und ich habe Wasser zum Filtern geholt. Danach ging es schnell ins Zelt, denn die Sonne war leider bereits hinter den Bergen verschwunden. Seit langem haben wir wiedermal im Zelt gefrühstückt. Da die Sonne immer noch hinter den Bergspitzen versteckt war, konnten wir uns nicht überwinden das warme Zelt zu verlassen. Ich bin jedes Mal wieder überglücklich sind wir nicht mehr im Bärenland und müssen nicht 100 Meter entfernt vom Zelt kochen und essen. Ihr könnt euch diesen Luxus gar nicht vorstellen. Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied machen.


Es folgt, wie immer in Peru, ein weiterer Pass. Zu Beginn folgen wir einer schön geteerten Strasse und kommen langsam aber stetig vorwärts. Doch plötzlich ist fertig lustig. Der Teer wird von einem losen Schotter abgelöst. Ich stöhne innerlich. Warum können sie die Strasse nicht einfach fertig bauen?! Aber was solls. Noch langsamer gehts weiter. Irgendwann wird es mir zu steil. Ich muss schieben. Zum Schluss wird es sogar noch sandig. Jetzt muss auch Simon kapitulieren und die letzten Serpentinen stossen wir unsere Räder auf 4729m.ü.M. Da wird nicht mehr geatmet, sondern „schnuufe, schnuufe, schnuufe“. In diesen Momenten frage ich mich schon manchmal, was ich hier eigentlich mache. Doch dann kommt der Ausblick auf die andere Talseite. Jedesmal wieder atemberaubend schön. Wir rollen einige Meter runter und finden ein schönes Plätzen fürs Mittagessen. Danach geht es ins nächste Tal runter. Auch hier schwankt die Stimmung entsprechend des Strassenbelags. Teilweise wunderschön ausgebaut oder sogar geteert und dann wieder der schlimmste Schotter aller Zeiten. Immerhin haben wir meistens Rückenwind. Kurz vor unserem Ziel für den Tag geht es natürlich nochmals hoch. Das sind immer die mühsamsten Höhenmeter. Dann sind wir in einem kleinen Dorf. Wir haben auf iOverlander gelesen, dass man bei der Kirche zelten darf. Leider ist niemand da. Ich gehe zum Gemeindezentrum und treffe zwei Männer in einem Büro an. Sie sind entzückt vom Besuch und versichern mir, dass wir ohne Probleme bei der Kirche zelten dürfen. Wir sind schon fast beim Abendessen kommt die Pfarrerin vorbei. Sie freut sich über unser Spanisch und versichert uns, dass wir gerne bleiben dürfen. Auch eine Toilette schliesst sie uns noch auf, danach muss sie wieder weiter. Besten Dank! Mitten in der Nacht wache ich auf. Es regnet in Strömen. Gott sei Dank haben wir ein Dach über unserem Zelt. Wir versuchen wieder einzuschlafen, aber es ist ziemlich laut. Irgendwann lässt der Regen nach und wir schlafen weiter.






Der nächste Tag besteht darin, dem schlechten Wetter davon zu fahren. Leider geht es zuerst wieder ziemlich den Berg hoch. Also erneut mit viel Geduld langsam und stetig den Berg hoch. Erstaunlicherweise kommt man irgendwann immer oben an, auch wenn es von unten zum Teil unendlich weit aussieht. Danach ab runter ins nächste Tal zur grossen Stadt Cerro de Pasco. Wir haben grosses Glück, dass Sonntag ist. Hier finden viele Strassenarbeiten statt und unter der Woche wären wir wohl von einigen Baustellen angehalten worden. Hier hat es wieder sehr viele Minen.



Kurz vor dem Ziel holt uns der Regen ein. Wir haben Glück im Unglück und können uns bei einem Hauseingang unterstellen bis es vorbei ist. Danach fahren wir trocken zum Hotel und geniessen eine warme Dusche. Cerro de Pasco ist keine schöne Stadt, aber sie bietet uns diverse Restaurants, Bäckereien und gute Einkaufsmöglichkeiten. Meine Beine sind unglaublich schwer. Wir sind zwar erst seit drei Tagen wieder auf dem Rad, aber dennoch bin ich sehr müde. Also beschliessen wir eine Pause einzulegen. Seit langem verbringen wir einen Tag mit Filme schauen, Telefonieren und Nichts Tun. Es ist wunderbar.

Gestärkt radeln wir aus Cerro de Pasco hinaus. Heute gibts endlich wieder einmal einen richtig gemütlichen Radtag. Die Strasse ist meist wunderbar geteert und wir haben nur gute 400 Höhenmeter zu bewältigen. Unterwegs kommen wir am „Bosque de Piedras“ (Steinwald) vorbei. Es hat unzählige Steinformationen, die wirklich einem Wald gleichen. Wir essen darin zu Mittag und laufen ein wenig durch die Formationen.





Anschliessend gehts zum nächsten Dorf. Beim Hotel macht uns ein anderer Radfahrender aus Brasilien auf. Er und seine Freundin radeln gemeinsam mit ihrem Hund durch Südamerika. Leider sind die Besitzer des Hotels nicht da und ich kann sie nicht erreichen. Nachdem wir lange im kalten Eingangsbereich des Hotels gewartet haben, suchen wir ein anderes Hotel. Doch da kostet ein Zimmer 70 Soles (17.50 CHF), dass ist dann doch etwas viel. Vermutlich hätten wir es genommen, doch dann meldet sich der andere Hotelbesitzer. Wir können ein Zimmer für 50 Soles (12.5 CHF) haben. Na dann wieder zurück. Er nennt uns die Zimmernummer und wir können alleine Einchecken. Die Dusche ist warm, das Bett hat viele Decken und die Räder sind sicher im Eingangsbereich. Was wollen wir mehr. Nach einem Einkauf im kleinen Laden und Chips zum Apéro, essen wir in einer Art Kantine nebenan für 10 Soles (2.50 CHF) pro Person das Standart Menu mit Suppe, Hauptgang und Tee, Kaffee oder Schokolade.
Früh geht es am nächsten Tag los. Wir haben viel vor. Es gilt 70km mit 5 Pässen zu bewältigen. Der erste hat es in sich, der ist sehr steil. Zum Glück ist das meiste geteert und so kommen wir deutlich zügiger Vorwärts. Der zweite ist kurz und der dritte schaffen wir noch vor dem Mittag. Danach gehts runter ins Tal auf der Suche nach der Sonne fürs Mittagessen. Die letzten zwei schaffen wir ebenfalls. Zum Teil beginnt es zu schneien oder graupeln, dann scheint wieder die Sonne. Heute hat das Wetter alles für uns bereit. Zumindest können wir die letzten Kilometer schön an einem See entlang in der Sonne zum Dorf radeln.








Da werden wir sofort von einer Kinderschar umzingelt. Sie wollen alles wissen und mit unseren Rädern fahren, sind aber dafür eigentlich viel zu klein. So süss die Kids auch sind, nerven sie mich in diesem Moment eher. Ich bin müde und erschöpft, würde gerne ein Hotel finden und duschen. Doch dafür können die Kinder ja nichts und wir versuchen ihnen Red und Antwort zu stehen. Beim ersten Hotel finde ich niemanden und die Nummer an der Tür ist nicht erreichbar. Ein Mann erklärt uns wir sollen beim kleinen Laden fragen. Tatsächlich ist dies die Besitzerin eines zweiten Hotels. Sie schickt die Kinder mit uns los. Ein super Hotel. Wir können die Räder in der Garage einschliessen, bekommen ein neues, sehr sauberes Doppelzimmer mit eigenem Bad und dies für 40 Soles (10.- CHF). Das war wohl eines der besten Preis-Leistungen bis jetzt. Nachdem uns die Kinder geholfen haben, alle Taschen von der Garage zum Hoteleingang um‘s Eck zu tragen, zotteln sie ab. Wir geniessen ein feines Abendessen im einzigen Restaurant der Stadt und beschliessen da auch gleich das Frühstück für morgen zu geniessen. Die alte Köchin ist sehr herzlich und kocht ausgezeichnet.
Unser Tag startet mit einer Abfahrt ins Tal. Es ist neblig und kalt. Also werden die Regenhosen ebenfalls montiert um etwas wärmere Beine zu haben. Für den Anstieg verziehen sich alle Wolken und wir haben strahlend blauen Himmel und Sonne. Sehr langsam geht es den Berg hoch. Zwischenzeitlich habe ich das Gefühl nicht vom Fleck zu kommen. Zum Glück flacht der Anstieg teilweise etwas ab und man kommt etwas zügiger vorwärts. Nach etwa 3 Stunden kommen wir auf dem Pass (4865m.ü.M.) an . Der perfekte Zeitpunkt fürs Mittagessen und Simons Drohnenflug. Diesmal gleich auf beiden Talseiten, denn es ist wiedermal spektakulär.





Nun kommt eine Schotterstrassenabfahrt mit vielen Schlaglöchern. Für uns sind die ja oft einfacher zu umfahren, als für die Autos und so kommt der Minivan auch nicht viel schneller vorwärts als wir. Am Ende der Schotterstrasse treffen wir auf eine sehr grosse Mine. Hier hat es tatsächlich Zuggleise und es fährt auch ein Zug, allerdings nur ein Güterzug. Nun geht es für knapp 20km auf die stark befahrene Hauptstrasse nach Lima. Man glaubt es kaum, aber wir befinden uns nur gute 100km von Lima entfernt.



Für uns ist die Abfahrt ok. Wir sind mindestens so schnell wie die Lastwagen und müssen einen sogar überholen. Der verliert kleine Kieselsteine, welche uns ins Gesicht schlagen. Abgesehen davon verhalten wir uns ruhig am Rand und rollen das Tal hinunter. Ich bin fasziniert, dass wir nicht mindestens 3 Umfälle beobachten. Es wird hier überholt und gehupt, dass einem die Ohren wackeln. Wie kann man bei diesen Kurven nur überholen! Es ist mir ein absolutes Rätsel und dennoch geschieht nichts und wir kommen unfallfrei bei unserer nächsten Unterkunft an. Die haben wir ebenfalls auf iOverlander gefunden und sie hält, was sie verspricht. Es ist eine Art geteiltes Airbnb. Wir haben ein schönes sauberes Zimmer und eine Gemeinschaftsküche. Was für eine Freude, wir können endlich wiedermal an einem richtigen Herd selber kochen. Ich glaube, seit Cuenca (Ecuador), also mehr als einem Monat, haben wir dies nicht mehr gemacht. Die Herausforderung ist jetzt nur, gibt es hier überhaupt einen Laden? Der Ort hier besteht aus einigen Häusern, welche in die Spitzkehre der Strasse gebaut sind. Bei einem Restaurant hat es auch eine Art kleiner Laden. Gemüse müssen wir erfragen und ich glaube, sie verkauft uns ihr Restaurantbestand. Spagetti finden wir ebenfalls, sowie Brot und Eier. Mehr brauchen wir nicht. Es gibt ein feines Abendessen und da der Ort so schön ist ein neuer Pausentag mit French Toast am nächsten Morgen.

Glad that you liked this route ☺️
Yes, thanks a lot. We especially love to follow your hotel recommandacions.
Guter Einblick, wie die Gefühle auch eine Berg-und Talfahrt machen können – und es diese auch braucht uns sich lohnen! Danke
Danke fürs mitnehmen und teilen, dieser Berg und Tal Fahrt.
Seeehr eindrücklich,Hut ab- Riesen Leistung und wunderschöne Landschaft,samt Tiere😍
Weiterhin gute,sichere Fahrt wünsche ich euch🤩😘
Danke für dä tolli Bricht.
Zurziit chönd mir eus gar nid vorstelle, dass ihr chalt händ…. eusi Standart-Chleidig sind Badehose 🤣
Verruggt die strosse… riese leischtig!!
Bin begeistert von Eurer Leistung und fasziniert von den Bildern. Alles Gute Omimi Susi