Conexión Oyón

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Von Huaraz nach Oyón planen wir zum ersten Mal der Originalstrecke einer Bikepacking-Route zu folgen. Bikepacking-Routen fokussieren sich so gut es geht auf verkehrsarme Schotterstrassen mit schönen Landschaften und sonstigen Highlights. Die Conexión Oyón führt uns auf rund 250 Kilometer und 5‘500 Höhenmeter an der Cordillera Huayhuash und anderen Sehenswürdigkeiten vorbei auf direktestem Weg nach Oyón und erspart und einen tiefen Canyon mit vielen Höhenmetern. Im Sinne des Bikepacking nehmen wir für die ersten knapp 40 Kilometer stark befahrene Hauptstrasse ein Collectivo. Da wir damit bereits Übung haben, klappt das sehr schnell und effizient und ich habe dieses Mal sogar unser Seil bereit, sodass wir die Velos nicht mit Ladekabeln anbinden müssen. Die Fahrt bringt uns ins kleine Dorf Catac. Von dort geht es nach wenigen Kilometern ab der geteerten Strasse in den Huascaran Nationalpark hoch in die Berge. Das mit der verkehrsarmen Route klappt noch nicht so ganz, denn es überholen uns in regelmässigen Abständen Tourenbusse und Autos, die auf dem Weg zum Nevado Pastouri Gletscher sind. Es ist immer noch Ferienzeit in Peru und wir bekommen den Höhepunkt des Tourismus zu spüren. Bei der Mittagspause am verlassenen Visitor Center des Nationalparks treffen wir Daniel aus Italien, der ebenfalls auf der gleichen Route mit dem Velo unterwegs ist. Wir einigen uns auf ein gemeinsames Tagesziel und fahren weiter den Berg hoch. Wir kommen schon früh bei den eindrücklichen Puya Raimondi Pflanzen an. Diese Gewächse, auch bekannt als Königin der Anden, gibt es nur im Hochland von Peru und Bolivien. Sie wachsen sehr langsam über 40 bis 100 Jahre und können eine Höhe von bis zu 15 Metern erreichen bevor sie nur einmal in ihrem Leben blühen und dann absterben. Wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag mit Daniel und bestaunen die Pflanzen, bis sich der Verkehr etwas legt und wir bei der Aussichtsplattform unser Zelt aufstellen und uns schon bald vor der Kälte verkriechen müssen. 

Es geht wieder hoch in die Berge
Seit langem wieder einmal wildcampen mit dem Velo

Das Aufstehen am Morgen auf diese Höhe ist hart, denn es ist bitterkalt bis die Sonne kommt. Je nach dem, wo das Zelt platziert ist, dauert es aber zu lange bis die Sonne hinter den Bergen hochkommt und wir wollen nicht so lange warten. Sobald der Kocher aber läuft, dauert es nicht mehr lange bis zum warmen Kaffee, Schokolade oder Tee. Wir fahren kurz nach Daniel ab und die Strasse steigt weiter hoch. Es ist schon fast Mittag, als wir die Kreuzung zum Pastouri Gletscher erreichen. Wir verzichten auf den Abstecher und fotografieren den Gletscher aus der Distanz. Ab jetzt sind wir fast alleine auf der Schotterstrasse und geniessen die Landschaft. Der Preis dafür, ist das die Strasse etwas schlechter wird aber das nehmen wir gerne in Kauf denn so haben wir noch mehr Zeit, die Landschaft anzuschauen. Nach dem grossen Anstieg des Morgens geht es jetzt mehrmals hoch und runter bevor wir den höchsten Punkt unserer bisherigen Reise mit 4864 Meter über Meer erreichen. Von hier hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Cordillera Blanca im Norden und die Cordillera Huayhuash im Süden. Es ist landschaftlich einer der spektakulärsten Tage auf der ganzen Reise. Vom höchsten Punkt ging es dann nur noch wenige Kilometer auf der Schotterstrasse runter bevor wir auf eine schöne geteerte Passstrasse kamen und es nur noch runter ging. So konnten wir die letzten 30 Kilometer nach Huallanca in etwa einer Stunde zurücklegen, während wir für die ersten 30 Kilometer des Tages etwa 6 Stunden brauchten. In Huallanca war viel los und wir fuhren gleich am Eingang des Dorfes an einem grossen Festival mit Stierkämpfen vorbei. Wir waren aber ziemlich müde und gingen direkt zum Hotel, wo es zum Glück trotz des Festivals noch ein Zimmer für uns hatte. Im Abstellraum sahen wir neben Daniel‘s Velo noch drei andere Reisevelos. Wir werden die Gesichter dazu aber erst in ein paar Tagen kennenlernen.

Der Nevado Pastouri Gletscher
Blick zurück auf die Cordillera Blanca
Blick voraus auf die Cordillera Huayhuash
Landschaftlich eine der schönsten Etappen bisher
Beim geniessen des Ausblicks
Abfahrt vom höchsten Punkt der Reise
Feines Lomo Saltado zum Abendessen

Von Huallanca ging es gleich wieder steil los und wir fuhren den ganzen Vormittag ein schönes Tal hoch. Es war schon am frühen Nachmittag als die Route die Strasse verlässt und wir einen steilen Pfad hoch mussten. Wir machen unseren Mittagshalt am Anfang einer knapp sechs Kilometer langen Hike-a-Bike Passage, bei der wir unsere Velos auf einem Wanderweg schieben müssen. Während dem Essen sehen wir einige dunkle Wolken am Himmel und da wir gerade an einem zwischen grossen Felsen geschützten und flachen Ort sind, beschliessen wir gleich hier zu campen. Wir haben noch nicht so viel Erfahrungen mit Hike-a-Bike und wissen auch nicht genau, ob man unterwegs noch einigermassen geschützt Campen könnte, falls das Wetter umschlägt. Natürlich bleibt das Wetter schön und wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag vor dem Zelt. 

Aufstieg im nächsten schönen Tal
Camping in den Felsen

Mit etwas Ehrfurcht nehmen wir am nächsten Morgen den Hike-a-Bike in Angriff. Es geht gleich steil über die Felsen runter aber wir können die Velos trotzdem einigermassen schieben. Der Pfad ist oft sehr schmal und in den steilen Hang gebaut. Zum wandern wäre das kein Problem aber da wir ja neben dem Velo her laufen müssen wir es oft etwas eng und wir schlagen und ab und zu die Beine an den Pedalen an. Auch sind unsere Velos nicht besonders für dieses Terrain geeignet. Vor allem die Lowrider-Taschen am Vorderrad sind tief und breit, sodass wir damit oft gegen Steine stossen oder im Gestrüpp hängen bleiben. Sobald es irgendwo steil hoch geht, merken wir die dünne Luft auf 4‘200 Metern über Meer. Das macht unser Unterfangen auch nicht einfacher. Alles in allem kommen wir aber gut voran und erreichen nach etwa vier Stunden wieder eine Schotterstrasse. Dort treffen wir vier Motorradfahrer aus Kalifornien, die den gleichen Weg in umgekehrte Richtung machen wollten. Wir raten ihnen davon ab, da es einige sehr schlammige Passagen hat und wir uns nicht vorstellen können, wie sie ganz am Schluss die Felsen hoch kommen wollen. Sie versuchen es trotzdem und wir werden nie erfahren, ob sie es geschafft haben oder nicht. Für uns war die Anstrengung für den Tag noch nicht vorbei, denn es ging auf der sehr steilen und groben Schotterstrasse noch einige Höhenmeter hoch bis zur Passhöhe. Dort wurden wir mit einem schönen Blick auf die Schneeberge der Cordillera Huayhuash belohnt. Für die Abfahrt war die Strasse deutlich besser und wir konnten gut ins nächste schöne Tal runterrollen und die Nachmittagsstimmung an Kuhweiden vorbei geniessen. Im kleinen Dörfchen Queropalca wurden wir von einem älteren Herr gleich am Dorfeingang begrüsst und zur vermutlich einzigen Unterkunft geführt. Es war eine der einfachsten und günstigen Unterkünfte bisher auf der Reise und wir bekamen eine kleine Kammer mit tiefer Decke, die nur mit einem Vorhang von einem anderen Schlafzimmer getrennt war. Uns was das herzlich egal und immerhin gab es eine warme Dusche und relativ neues Badezimmer. Wir bekamen auch gleich die Empfehlung zum Restaurant und assen ein sehr feines Pollo Saltado. 

Auch hier ist es schön
Auf der Passhöhe
Mit Blick auf den Huayhuash
Abfahrt an Kuhweiden vorbei

Am nächsten Morgen ging es gleich wieder viel hoch und runter und die Schotterstrasse war von sehr unterschiedlicher Qualität. Besonders frustrierend finden wir es, wenn die Strasse so holprig ist, dass man auf den Abfahrten kaum schneller vorwärts kommt als wenns den Berg hoch geht. Wir spürten auch die Strapazen vom Vortag und kamen nicht so richtig in die Gänge. Bei der Mittagspause in einem nächsten kleinen Dörfchen, hatten alle Restaurants geschlossen, weil es Sonntag war und es irgendwo in der Nähe einen Sportanlass gab. Schade für uns, denn wir hatten uns sehr auf eine warme Suppe gefreut. Immerhin bekamen wir in einem kleinen Laden mit Müh und Not etwas Wasser und konnten auf dem Dorfplatz unsere eigene Suppe kochen. Unsere Stimmung wurde besser, als Tom, ein Radreisender aus Australien zu uns stiess und wir am Nachmittag zusammen fahren konnten. Bald trafen wir auch seine Weggefährten Dino und Suzy, ein Ehepaar aus Neuseeland und England und fuhren zu fünft weiter. Nun sind alle Velos aus dem Hotel in Huallanca einem Gesicht zugeordnet. Auch wenn wir wegen der dünnen Luft nicht immer während dem Fahren reden konnte, tat es der Motivation trotzdem gut wieder mal in einer Gruppe zu fahren und so erreichten wir über eine wunderschöne Hochebene schon bald das Dörfchen Antacolpa. Zu fünft war es etwas schwieriger eine Unterkunft zu finden. Das erste Hotel war geschlossen, das zweite hatte nur noch zwei Einzelzimmer und das Dritte war ziemlich heruntergekommen und hatte auch nicht genügend Betten für alle. So machte sich Tom auf, bei der kleinen Klinik im Dorf nachzufragen und kam mit der erfreulichen Nachricht zurück, dass wir alle dort übernachten dürfen. Es wurde uns der Lagerraum gezeigt und wir konnten dort unser Massenlager ausbreiten. Die Klinik hatte sogar WLAN und so hatten wir das erste Mal seit Tagen wieder Internet. Die Netzabdeckung in den Bergen von Peru ist sonst ziemlich bescheiden. 

Es geht weiter hoch und runter
Verschlafene Dörfer mit guter Aussicht
Mit Tom, Suzy und Dino
Weiter an schönen Schneebergen vorbei
Massenlager in der Klinik

Wir waren froh über das Dach über dem Kopf, denn der nächste Morgen war neblig und kalt. So nahmen wir es gezwungenermassen gemütlich und fuhren erst kurz nach 10 Uhr los, als die Sonne endlich rauskam. Es hat sich gelohnt auf das schöne Wetter zu warten, denn es war landschaftlich wieder eine wunderschöne Etappe. Wir beschlossen einen kurzen Tag einzulegen und fanden einen schönen Platz direkt am Ufer der Laguna Patarcocha zum Übernachten. Kurz vor dem See kamen wir an ein paar Häusern und einem erstaunlich gut ausgestatteten Laden vorbei und so gab es sogar frisches Gemüse zur Pasta am Abend. Wir verbrachten einen geselligen Abend am See beim gemeinsamen Kochen und essen. Dino und Suzy sind mit Unterbrüchen bereits über 4 Jahre unterwegs und in Australien gestartet währen Tom vor einem Jahr in Mexiko gestartet ist. Wir haben einander viel zu berichten. Ein grosser Nachteil der hohen Berge und der Nähe zum Äquator ist, dass die Sonne um sechs Uhr untergeht und es sofort bitterkalt wird. So müssen wir uns dann gleich in unsere Zelte und Schlafsäcke verziehen und die gemeinsamen Gespräche beenden. 

Blick zurück nach Antacolpa
Mittagspause am See
Auch dem See entlang ist die Strasse nicht flach
Camp am See
Beim Abendessen wird es schon kalt draussen

Um nach Oyón zu gelangen steht uns nochmals ein strenger Tag mit einem Pass von über 4700 Metern bevor. Wir fahren als erste los und werden schon bald von Tom überholt. Wir kommen immer wieder an schönen Bergseen vorbei doch nahe der Passhöhe hat die unberührte Natur ein Ende und wir fahren am hochalpinen Bergbaugebiet Raura vorbei wo jeden Tag 1’600 Tonnen Blei, Zink Kupfer und Silber abgebaut werden. Auch wenn wir lieber unberührte Natur gesehen hätten, war es interessant und beeindruckend, Bergbau auf dieser Höhe zu sehen. Zur Passhöhe hin ging uns nicht nur die Puste sondern auch langsam die Kraft aus, denn es ist schon der siebte Tag auf dem Velo ohne Pause. Im Nachhinein hätten wir besser irgendwo dazwischen eine Pause eingebaut, auch wenn sich die Dörfchen dafür nicht unbedingt empfohlen haben. Oft waren sie sehr ausgestorben mit wenig guten Möglichkeiten zum Essen und Einkaufen. Mit schweren Beinen haben wird es dann doch auf die Passhöhe geschafft. Die Strasse runter ins Tal war zu beginn sehr sandig und schwer zu befahren, wurde aber nach und nach besser und wir kamen schneller voran. Nach einer fiesen Schlusssteigung kamen wir erschöpft in Oyón an und trafen im Velofahrer-Hostel „Los Andes“ Tom wieder, der schon den halben Nachmittag da ist. Etwas später kommen auch Dino uns Suzy an und wir gehen alle gemeinsam Burger essen.

Am Morgen ist alles gefrohren
Aber es wird sofort warm wenn die Sonne kommt
Wir fahren nochmals an ganz hohen Bergen vorbei
An der Mine Raura vorbei
Wieder eine Passhöhe geschafft
Zurück in der unberührten Natur finden wir einen schönen Bergsee
Eine sandige Abfahrt in Richtung Oyón
Ein Bild, dass unser Abenteuer der letzten Tage gut zusammenfasst

Weil die Beine wirklich schwer sind, beschliessen wir gleich zwei Ruhetage in der Bergbaustadt Oyón zu verbringen. Das Hostel ist zentral gelegen und hat einen schönen Innenhof zum verweilen. In den zwei Tagen gilt es möglichst viel zu Essen und Trinken, denn wir haben von den strengen Tagen im Sattel ein Kaloriendefizit aufzuholen. Zum Glück ist das hier sehr preiswert möglich und wir essen zum Beispiel jeweils ein Mittagsmenue mit Suppe, Hauptgang und Getränk für 10 Soles (CHF 2.50). Auch die Velos werden mal wieder geputzt und kontrolliert. Als einziger Defekt ist beim Hike-a-Bike ein kleines Stück meines Schutzbleches abgesplittert. Fasziniert bin ich von unseren Scheibenbremsbelägen, die ich erst hier zum ersten Mal auf der Reise tauschen muss. Im Laufe der zwei Tage tauchen noch mehr Radreisende im Hostel auf. Ein Paar aus Brasilien und ein Paar aus Deutschland sind mit extrem leichtem Setup unterwegs. Allerdings machen sie auch „nur“ eine mehrwöchige Tour durch Peru und können so etwas spezifischer packen. Trotzdem ist es beeindruckend, wenn ein vollbeladenes Gravelbike von ihnen nur wenig mehr wiegt wie das unbeladene Velo von uns. Schlussendlich muss auch noch für die nächsten Tage eingekauft werden. Das ist hier gar nicht so einfach, denn auch wenn Oyón eine richtige Stadt ist, gibt es keinen grossen Supermarkt. So müssen wir uns alles was wir brauchen auf dem Markt, in der Apotheke, der Bäckerei und weiteren kleinen Läden zusammensuchen. Brötchen gibt es hier erst ab 3 Uhr Nachmittags. Der Bäcker steht hier nicht so früh auf. Dafür ist es unglaublich günstig und wir bekommen 20 Brötchen für einen Franken Auch wenn es so viel mehr Zeit braucht ist es definitiv eine Erfahrung, die es Zuhause nicht mehr gibt.  

Im Hostal los Andes
Mittagsmenue mit Hühnerfüssen in der Suppe

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Rolf

    Wieder tolle Erlebnisse uns Fotos. Sieht alles sehr einsam und verlassen aus.
    Geniesst es weiterhin und bringt doch eine Puya Raimondi mit, sie sehen wirklich cool aus.

  2. Koch Urs-Martin

    Wirklich eindrücklich Eure Reise in diesen Höhenlagen…
    Weiterhin alles Gute und viel Spass.

  3. Susi Neidhart

    Unglaublich schön diese Schneeberge! Und eine tolle Leistung von Euch beiden. Liebe Grüsse Omimi Susi