Salkantay

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Als klassischer Tourist in Peru muss man früh aufstehen. Wir werden um 4:30 Uhr bei unserem Hotel abgeholt. Für den Transfer zum Ausgangspunkt des Salkantay Treks können wir uns dank den Vermittlungskünsten unserer Hostelbesitzerin einer Tour anschliessen, die einen Tagesausflug zur Laguna Humantay macht. Nach etwa 2.5 Stunden Fahrt stürzen wir uns auf das Frühstücksbuffet bevor es nochmals etwas mehr als eine Stunde den Berg hoch nach Soraypampa geht. Zuerst suchen wir uns eine Unterkunft. Es gibt nicht viele Optionen aber wir finden ein Hostel mir einem Gemeinschaftszimmer, Abendessen und Frühstück inklusive. Es ist wohl die einzige Option für Individualreisende und die Betten werden schnell vergeben. Um sicher zu gehen, buchen wir per WhatApp noch die Übernachtungen für die nächsten zwei Nächte. Wir haben sowieso leichtes Gepäck und lassen nur ein paar Kleider im Hostel, um den kurzen aber steilen Ansteig zur Laguna Humantay zu erklimmen. Wir sind noch etwas früh dran und die Gruppen von Tagestouristen sind noch beim See am Fotos schiessen. Es dauert aber nicht lange, bis die meisten Gruppen den See verlassen und wir in Ruhe noch etwas verweilen und die Umgebung erkunden können. Das Wetter ist etwas verhangen und bei den ersten Regentropfen brechen auch wir auf und kehren noch trocken zum Hostel zurück. Da wir so früh aufgestanden sind, ist noch viel übrig vom Nachmittag und wir verweilen im Garten mit Blick auf den Salkantay und andere Schneeberge. Beim Abendessen treffen wir Caro und Julian aus Deutschland und vertiefen uns schnell in spannende Gespräche.

Laguna Humantay
Die Bergwelt ist noch etwas verhangen
Erster Blick auf den Nevado Salkantay

Frühstück gibt es um 5:30 Uhr, als es gerade hell wird draussen. Der zweite Tag beginnt mit dem Anstieg zum Salkantay Pass. Dessen Höhe von 4600 m.ü.M stellt für uns keine grosse Herausforderung mehr dar und wir überholen massenweise Leute von den geführten Touren. Der Unterschied ist wirklich beeindruckend. Wir können zügig den Berg hoch gehen, während die weniger gut akklimatisierten Touristen hauptsächlich mit Atmen beschäftigt sind. Kurz vor der Passhöhe holen wir Caro und Julian noch ein, die auch ein gutes Tempo laufen. Dank dem frühen Start sind wir schon vor 9 Uhr oben. Zusammen machen wir Pause und geniessen die Aussicht, auch wenn die Berge meistens in den Wolken hängen. Es folgt ein langer Abstieg aber die Zeit vergeht in Gesellschaft von Caro und Julian schnell. In nur ein paar Stunden geht es von Geröll und Schneebergen in einen fast schon tropischen Wald mit ganz neuen Pflanzen und Tieren wie zum Beispiel Schmetterlingen. Wir sind nun auch praktisch alleine, da wir alle anderen Wanderer im Aufstieg überholt haben. Kurz nach dem Mittag haben wir unser Tagesziel schon erreicht. Leider haben Caro und Julian ein anderes Hostel gebucht und wir verabschieden uns. Wir haben ein herziges Holzhüttchen und geniessen den Nachmittag in der Wärme im Schatten . Wir sind das erste Mal seit über einem Monat unter 3000 Metern Höhe und das macht sich an den Temperaturen bemerkbar. Nach und nach trudeln weitere Individualreisende ein. Die meisten kennen wir schon aus der letzten Unterkunft und so wird es beim Abendessen schnell wieder gesellig. 

Auf den letzten Metern zum Pass haben wir schon fast alle Wanderer überholt
Überholt werden wir nur von Pferdekaravanen
Auf der Passhöhe
Wir geniessen die Sonne und die Bergkulisse
Kaum sind wir wieder etwas tiefer, wird es grün und warm

Caro und Julian fassen Tag 3 & 4 zusammen und überspringen die knapp 20 Kilometer dem Fluss entlang mit dem Colectivo. Wir wandern also alleine los. Zu unserem Glück ist der Wanderweg auf der anderen Seite des Flusses geöffnet und wir können die staubige Strasse meiden. Wir sehen schnell, warum der Weg immer wieder geschlossen ist, denn an vielen Stellen ist der Hang abgerutscht und es wurden abenteuerliche neue Pfade in das lose Geröll geschlagen. Auch einige Brücken haben die letzten Regenfälle nicht überlebt und mussten neu improvisiert werden. Wir kommen aber ohne Probleme durch und Decken uns vor dem nächsten Anstieg bei einer Tienda mit Wasser ein. Man kann sich hier wirklich überall verpflegen. Das sind wir uns gar nicht mehr gewohnt. Drei Stunden bis zum nächsten Pass, sagt uns die Frau an der Tienda. Wir sehen das als Herausforderung und laufen die 800 Höhenmeter zügig in eineinhalb Stunden hoch. Belohnt werden wir mit einer wunderbaren Aussicht bis zum Machu Picchu. Hier übernachten wir in einem fixen Zelt mit eben dieser Aussicht. Auch hier kommen im Verlauf des Nachmittags zwei weitere Paare an und wir geniessen das beste Abendessen auf der Wanderung bisher. 

Dieser Erdrutsch ist noch sehr neu. Es müssen immer wieder neue abenteuerliche Wege gebaut werden.
Immer wieder geht es in kleine Schluchten mit Wasserfällen hinein
Die Aussicht bleibt spektakulär
Ein Venti Punpkin Spice Latte, oat milk, blonde espresso, extra pumpkin spice sauce and one and a half pumps of vanilla syrup, brown sugar, light whipped cream and sprinkles on top, bitte!
Glamping mit Aussicht
Tierischer Besuch
Einmal lächeln, bitte!
Weitblick bis zum Machu Picchu
Und ein Regenbogen zum Abrunden des Tages

Was hoch geht, muss auch wieder runter. So starten wir Tag 4 mit 1000 Höhenmetern Abstieg auf nur 4 Kilometer. Der Weg ist gut und trocken und wir kommen gut voran. Auch heute wollen wir gut Tempo machen, um möglichst früh in Aguas Calientes zu sein. Dort wird nämlich ein Kontingent an Tickets für den Machu Picchu am nächsten Tag verkauft. Nach dem Abstieg kommen wir bald zur Zugstation Hydroelectrica. Von da sind es noch 10 Kilometer flach der Zuglinie entlang, die wir im Laufschritt absolvieren. Erstaunlich, dass das überhaupt erlaubt ist, denn wir laufen immer wieder auf und über die Gleise. Andererseits kommt uns nur einmal ein Zug entgegen und der ist so langsam, dass man aufspringen könnte. Am Mittag erreichen wir Aguas Calientes und gehen direkt zum Ticketverkauf. Die Hochsaison ist zum Glück schon vorbei und wir bekommen ohne Probleme unsere Wunschtickets, Rundgang 2A um 6 Uhr am nächsten Morgen. Zur Hochsaison müsste man sich dafür um 3 Uhr morgens für den Folgetag in die Schlange stellen. Erschöpft setzten wir uns zuerst in ein Café bevor es auf die Hotelsuche geht. Es hat so viel Auswahl das wir fast nicht wissen, wo wir Anfangen sollen, aber wir finden schnell ein Angebot, das für Aguas Calientes vermutlich ganz Preiswert ist. Im Mercado finden wir auch ein preiswertes Mittagsmenue und fürs Abendessen laufen wir etwas aus dem Zentrum raus, um zu einem vernünftigen Preis Burger zu essen. Am Abend ist im Zentrum viel los und wir beobachten eine Wahlkampfveranstaltung einer politischen Partei. Vergleichen könnte man das mit einem Fasnachtsumzug mit Musik, Tanz, Flaggen, Parolen und sogar etwas Pyrotechnik. Der Kandidat führt den Umzug an und wird mit Blumen geschmückt und gefeiert. Ein sehr interessantes Bild und schön zu sehen, dass Aguas Calientes nicht nur aus Hotels und Restaurants besteht, sondern auch eine starke einheimische Bevölkerung und Kultur hat. 

Entschuldigung, wir müssen hier durch
Wieso den Zug nehmen, wenn man auch laufen kann?
Wahlkampf in Aguas Calientes

Um 4:45 Uhr laufen wir mit Stirnlampen aus Aguas Calientes los. Die Sparfüchse aus der Schweiz haben nämlich beschlossen, sich den überteuerten Bus zu sparen und die alten Inca-Treppen hoch zum Machu Picchu zu laufen. Trotz der frühen Uhrzeit ist es schwül und warm und wir kommen kurz vor 6 Uhr durchschwitzt beim Eingang an, wo sich schon eine lange Schlange gebildet hat. Jetzt wird es hektisch. Wir werden von verschieden Guides angesprochen und schliessen uns einem an, der schon 3 andere Touristen hat. So ist es günstiger und wir bezahlen den erwarteten Preis von 50 Soles pro Person für die zweistündige Tour auf unserem Rundgang 2A. Weil die anderen 3 Touristen schon vorne in der Schlange sind werden wir auch zu ihnen nach vorne geführt und können die Schlange überspringen. Wir verdrücken also schnell noch die Empanadas zum Frühstück, denn essen ist drinnen nicht mehr erlaubt. Gleichzeitig suchen wir die Tickets raus und den Pass wollen sie auch noch sehen. Dann beginnt es noch zu regnen und wir suchen schnell die Regenjacken raus. Drinnen bricht kurz Panik aus, weil ich in der Hektik das Ticket in den Tiefen des Rucksacks nicht mehr finden kann. Als es dann doch wieder zum Vorschein kommt und wir die Tour starten können, hat sich die Hektik doch gelohnt und wir können mit unserem Guide als eine der ersten Grüppchen zum Aussichtspunkt und bekommen einen schönen Blick auf die noch leere alte Inca-Stadt. Auch die Wolken verziehen sich kurz und die Stimmung ist trotz des Nieselregens mystisch und entspannt. Nun kann die Tour richtig beginnen und wir bekommen eine spannende Führung durch das Zentrum von Machu Picchu. Der Guide spricht angenehm und deutlich sodass ich zu meinem Stolz auch der spanischen Tour problemlos folgen kann. Machu Picchu hebt sich neben seiner aussergewöhnlichen Lage von anderen Inca-Ruinen ab und weil es so gut erhalten ist. Die Stadt wurde nur von drei Generationen bewohnt, bevor die Incas von den Spaniern vertrieben wurden. Anschliessend wurde Machu Picchu aber von den Spaniern nicht entdeckt und somit auch nicht zerstört oder geplündert. Erst Anfangs 20. Jahrhundert entdeckte der Amerikaner Hiram Bingham die Ruinen und kümmerte sich zuerst um deren Schutzstatus bevor er den genauen Ort der Entdeckung überhaupt bekannt machte. Auf Empfehlung unseres Guides, können wir nach Abschluss der Tour und des Rundganges 2 noch einen Wächter mit 20 Soles bestechen und so den Rundgang 3 noch anhängen. Auch das ist eine Besonderheit, die wir uns Zuhause nie vorstellen können. Insgesamt verbringen wir also trotz des Regens etwa drei Stunden in Machu Picchu bevor wir über die Inca-Treppen wieder ins Tal laufen. Weil die Zugtickets für unser Budget sehr teuer sind, wählen wir auch für die Rückreise die günstige Variante und laufen entlang der Zuglinie zurück nach Hydroelectrica. Von hier gibt es einen Bus nach Cusco, der für die etwas mehr als 200 Kilometer zwar fast sieben Stunden braucht, dafür etwa ein Zehntel des Zugtickets kostet. Schlussendlich würde ich sogar behaupten, dass die Busfahrt schöner ist als es die Zugfahrt gewesen wäre, denn wir fahren im Abendlich aus den grünen Tälern über einen Pass mit bester Aussicht auf eine schöne Bergkette zurück nach Cusco. 

Auf den Spuren der Incas
Der Regen trübt die gute Stimmung nicht
Am einzigen Eingangstor zur Innenstadt von Machu Picchu
Lamas werden hier als Rasenmäher eingesetzt
Im Glauben der Incas dürfen bestehende Felsen nicht verändert werden. Sie wurde elegant in die Gebäude integriert.
Links eine Tempelmauer, rechts ein gewöhnliches Gebäude
Die Mauern werden von einer Mischung aus Lehm, Lamahaaren, Asche, Kaktus und Sand zusammengehalten. Die Hohlräume dienten als Stauraum.
Gegen Ende der Tour füllen sich die Landwirschaftsterrassen mit Besuchern in bunten Regen-Ponchos
Zurück im Tal sehen wir doch noch einen Zug auf der Strecken
Meistens haben wir die Schienen für uns
Zum Abschluss des Tages gibts noch eine Bussfahrt mit Panorama

Nach den vielen Erlebnissen steht als Nächstes ein Ruhetag auf dem Programm. Obwohl es auch heute viel zu tun gibt. Die Wanderkleider werden zur Wäscherei gebracht. An den gratis Bancomaten der Banco de la Nacion können immer nur 400 Soles abgehoben werden. Deshalb geht es zum x-ten Mal in Cusco zum Bancomat. In der Apotheke besorgen wir Medikamente für Tamara‘s Asthma, das übrigens auf der Wanderung schon viel besser war. Im Mercado decken wir uns mit Nüssen, Trockefrüchten und Trockenfleisch für die Weiterfahrt ein. In Cusco konnten wir ausserdem der Versuchung nicht mehr widerstehen und haben zum ersten Mal Souvenirs eingekauft und senden ein Paket nachhause. Auf der Post haben sich zwei Frauen ein Business daraus gemacht, Touristen beim internationalen Paketversand zu helfen. Für einen kleinen Beitrag helfen sie uns beim verpacken und ausfüllen der Formulare. Zum Abschluss des Tages gönnen wir uns noch einen Massage. Das Wandern lässt uns unsere Muskeln deutlich mehr spüren als das Velofahren. 

In Cusco gibt es immer etwas zu feiern
Wer bereitet sich hier auf die nächste Pandemie vor?

Bevor es wieder in unserem gewohnte Reisestil abseits der grossen Touristenströme weitergeht, haben wir noch einen super-touristischen Ausflug zu den Rainbow Mountains und ins Rote Tal gebucht. Um 4 Uhr morgens werden wir abgeholt. Um 6 Uhr gibt es ein erstaunlich gutes Frühstücksbuffet (identisch zu dem auf dem Weg zum Salkantay Trek). Um 9 Uhr sind wir mit vielen anderen Touristenbussen beim Parkplatz und laufen hoch auf über 5‘000 m.ü.M. Es ist alles so wie erwartet. Lamas mit Sonnenbrille, Anstehen fürs Foto und es können überall Snacks und Getränke gekauft werden. Im Graupel-Sturm schiessen wir die letzten Fotos und gehen auf die Zusatzschlaufe ins Red Valley. Nicht viele machen diese Schlaufe und uns gefällt es landschaftlich hier besser als bei den Rainbow Mountains. Da unser Bus um 12 Uhr wieder fährt, laufen wir schnell den Berg wieder runter und beim Parkplatz warten alle schon auf uns. Scheinbar sind nich alle so wetterfest wie wir. Auf dem Rückweg geht es nochmals ins gleiche Restaurant fürs Mittagsbuffet und auch das überzeugt. Für den günstigen Preis dieser Tour haben wir uns die Verpflegung schlechter vorgestellt. Zurück in Cusco gibt es noch ein letztes To-Do bevor wir weiterreisen können. Wir haben schon lange kein Guinness mehr getrunken!

Rainbow Mountain
Wildtiere
Und weniger wilde Tiere
Das Red Valley gefällt uns besser
Hier sind nicht mehr viele Touristen unterwegs
Wir geniessen die Landschaft trotz des garstigen Wetters
Abschluss in Cusco und Stärkung für die nächsten Etappen

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Rolf

    Do müesst me emol e paar richtigi Guinness-Gleser uf Cusco schigge, was für e Stilbruch!
    Aber Hauptsach s Guinness isch guet gsi😜

  2. Susi Neidhart

    Unglaublich wie weit Ihr wandert und welche Höhenmeter Ihr schafft!!! Ich mache mir schon Gedanken, ob ich die 2 stündige Wanderung morgen schaffe!!! Liebe Grüsse Omimi, Susi

  3. Jasmine und Götti

    Mit so vill Höhentraining chönd ihr eu grad für e Marathon amelde👍
    Eifach schön, eui Bilder und Bricht. Mir reise immer es bizli mit😉, danke😘