9° Grad Komforttemperatur  

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Da wir uns für einen Bus nach Huaraz entschieden haben, nehmen wir den Morgen gemütlich. Gemeinsam mit den anderen Radfahrenden im Hostel Jeremy, Tim und Marie frühstücken wir und schauen uns das Zeitfahren der Tour de France an. Nach diesem gemütlichen Start in den Tag packen wir unsere sieben Sachen zusammen und verabschieden uns von den anderen. Wir rollen zum Busbahnhof und werden sogleich wie zwei Schafe von den Wölfen umzingelnd. Wir sind noch nicht von den Rädern abgestiegen als uns verschiedene Busfahrer umkreisen. Dabei bricht noch fast eine Schlägerei aus und wir werden eher ungefragt in den ersten Bus gezerrt. Abgesehen davon klappt alles wunderbar. Die Taschen werden unter den Sitzen verstaut und die Räder kommen auf die vorderen drei Sitze von dem kleinen Minibus. Weil alles sehr schnell gehen soll, da der Bus bereits fast voll ist, bleibt keine Zeit die  Räder anzubinden. Nachdem die Fahrt schon losgeht, ist dies allerdings sehr ungünstig. Denn die Fahrbegleiterin öffnet die Türen immer bereits in voller  Fahrt, um Menschen ein- oder aussteigen zu lassen. Deshalb wird beim ersten grösseren Halt nach Möglichkeiten das Rad nochmals verkeilt und mit zwei Ladekabeln(!) angebunden. Der ganze Spass kostet uns 5 Sitzplätze (3 für die Räder und 2 für uns) à 10 Soles resp. 2.50 CHF. 

Neue Radfreunde Jeremy, Tim und Marie
Peruanische Improvisation
Abfahrt in Caraz

Nach einer rasanten 1.5 Stunden Fahrt kommen wir Heil in Huaraz an und fahren bis ins Hostel El Tambo. Dieses Hostel ist beliebt bei Radfahrenden. Als wir in den Innenhof kommen, trifft uns trotzdem fast der Schlag. Hier stehen etwa 12 Bikepacking und Tourenräder in allen möglichen Varianten. Unsere Räder haben gar keinen Platz mehr und dürfen die ersten zwei Tage in unserem Zimmer unterkommen. Hier ist es zum ersten Mal auch überhaupt nicht mehr speziell mit dem Fahrrad zu reisen. Die Fragen sind mehr: Nord nach Süd?; Wie lange schon?; Was für ein Rad?; Welche Route? Wir geniessen die Gemeinschaft und unterhalten uns mit anderen Radreisenden. Vor allem diejenigen, welche vom Süden kommen, können wir nach Tipps ausfragen. Huaraz ist eine etwas grössere Stadt und so geniessen wir feinen Kaffee und Kuchen und essen seit langem wiedermal eine Pizza zum Abendessen. Früh gehen wir ins Bett, denn am nächsten Tag sollten wir um 6.30 Uhr beim Busbahnhof sein. Wir dürfen Sven, Simons Freund, abholen und freuen uns auf den Besuch. Der Bus ist viel zu früh und wir zu spät, um Sven am Busbahnhof in Empfang zu nehmen. Immerhin können wir ihm noch etwas entgegen laufen und auf dem letzten Abschnitt zurück zum Hostel begleiten. Sven wird sogleich mit der peruanischen Kultur konfrontiert und wir gehen eine Hühnersuppe frühstücken. Danach spazieren wir den ganzen Tag durch Huaraz und bereiten alles für unsere 4-tägige Wanderung des Santa Cruz Treks vor. Der Kulturschock direkt aus Basel nach Huaraz ist gewaltig. Das ständige gehupt der Autos, das Chaos auf den Strassen, die vielen kleinen Läden mit allem Möglichen und vor allem der Mercado mit den Fleisch- und Fischtheken sind beeindruckend. 

Hier lernt man bewusster Fleisch zu essen

Wir organisieren uns einen Tagesausflug für den nächsten Tag an einen See, um Sven noch etwas Zeit in der Höhe zu ermöglichen und den Jetlag loszuwerden. Mit Pisco Sours geniessen wir den Nachmittag und nach einem frühen Abendessen können wir Sven um 19.00 Uhr ins Bett lassen. Nach 72 Stunden Anreise und 7 Stunden Zeitverschiebung eine hervorragende Leistung. Pünktlich um 8.30 Uhr stehen wir vor dem Hostel bereit für die Abholung zum Tagesausflug. Selbstverständlich kommt der Bus erst um 9.15 Uhr. Wir besuchen den Rocotuyo Bergsee. Die Anfahrt ist nur 50km weit, aber wir benötigen 3 Stunden. Die schlechten Strassen und die vielen Serpentinen ermöglichen kein schnelles Vorankommen. Stetig geht es den Berg hoch bis wir auf 4450 m.ü.M. den Bergsee erreichen. Entlang des Sees laufen wir zur oberen Laguna, welche noch fast ganz zugefroren ist. Mit vielen weiteren Touristen kommen wir nicht sonderlich schnell vorwärts, geniessen allerdings dennoch den Ausblick beim See und können unsere selbstgemachten Eiersandwiches geniessen. Auch die Gurke mit Aromat ist zumindest für uns ein Highlight.

Glückliche Schweizer
Laguna Rocotuyo
Laguna Rocotuyo
Laguna Conjelada

Gemütlich gehen wir zurück und warten auf den Rest unserer Gruppe, die natürlich nicht pünktlich ist. Danach geht es die Serpentinen wieder runter. Hoffentlich halten die Bremsen des Autos! In den Spitzkehren hat es nämlich zu wenig Platz und er muss immer wieder zurücksetzen. Mit einem Stossgebet kommen wir Heil unten an und fahren zurück nach Huaraz. Da fängt das grosse Packen an. Was brauchen wir für 4 Tage Wandern: Viel, sehr viel Essen! Nachdem alle drei Rucksäcke, meiner vom Hostel, Simon‘s gemietet und Svens aus der Schweiz, gepackt sind, gehen wir Abendessen und früh ins Bett. 

6.00 Uhr klingelt der Wecker. Los geht das Abenteuer. Zuerst Müesli und Jogurt zum Frühstück und erneut Eiersandwiches für das erste Mittagessen zubereiten. Danach geht die lange Anfahrt los. Mit einem kleinen Minibus geht es nach Caraz. Danach finden wir sehr schnell einen Transport nach Cashapampa. 3.5 Stunden später sind wir am Start der Wanderung. Nachdem wir 60 Soles pro Person (15.-CHF) Eintritt für den Nationalpark bezahlt haben und eine Karte inkl. Wettervorhersage erhalten haben, geht der Spass los. Wir laufen knapp 5 Minuten bevor es den ersten Gipfeli-Halt gibt. Die haben wir ebenfalls noch mitgenommen, denn wer schon 5 Gipfeli für 50 Rappen kaufen kann, überlegt nicht lange. Danach laufen wir stetig das Tal hoch. Immer dem Fluss entlang. Irgendwann gibt es die feinen Eiersandwiches in der Sonne. Weiter das Tal hoch. Ab und zu kommen uns ein paar Wanderer entgegen, ansonsten nur Berge und Wasser. Am besten sind die Lastesel, welche uns immer wieder entgegen kommen mit ihren sehr freundlichen peruanischen Treibern. Der erste offizielle Campingplatz hat einen schönen Blick ins Tal. Wir finden ein windgeschützter Platz zwischen einigen Felsbrocken und stellen unser Zelt auf. Das offizielle 3er-Zelt wird nun tatsächlich für drei Personen gebraucht. 

Erster Mittagsstopp
Kleider trocknen
Erste schöne Berge in Sicht
Happy me

Nach chinesischen Nudeln mit Sojasauce, Karotten und Zwiebeln verziehen wir uns schnell aus der Kälte ins Zelt. Nur Sven nimmt die Kälte mit ins Zelt. Packen in Basel bei fast 40 Grad lässt die Vorstellung von Kälte etwas schwinden. So ist der Komfort 9° Grad Celsius Schlafsack in den peruanischen Anden auf 3800 m.ü.M. doch etwas optimistisch berechnet. Deshalb verbringen wir eine sehr unterschiedliche Nacht. Während ich meinen Schlafsack öffne und immer noch heiss habe, muss Sven in allen Kleidern auf der anderen Seite des Zeltes frieren. Das seine Matte auch noch ein Loch hat, bekommen wir erst am nächsten Morgen mit. 

Kuschelig im Zelt

Frisch erholt, zumindest Simon, geht der zweite Wandertag los. An einem See entlang gewinnen wir erneut an Höhe und kommen nun den weisen Schneebergen immer näher. Diese Bergkette nennt sich die Cordillera Blanca. Nach einem sehr feinen Mittagessen macht sich Sven alleine auf den Umweg zu einem Bergsee und zum Basecamp für die Bergsteiger. Zwei Radfahrende mit einem Rucksack auszustatten ist eine schlechte Idee. Simon drückt der Hüftgurt unerträglich und ich kämpfe leider immer noch etwas mit der Höhe und gehe es langsam an. 

Wir waren gut geschützt vor dem Wind
Das Tal hoch
Eine Hochebene überqueren und weiter in die Berge
Schädel

Als wir beim zweiten Campingplatz ankommen sind wir atemlos. Diesmal nicht wegen der Höhe, sondern dem Panorama. Es ist unglaublich schön! Auch das Wetter hat sich dramatisch verbessert und nun strahlt die Sonne am blauen Himmel. Wir stellen das Zelt auf und geniessen die Sonne in unseren Campingstühlen.

Was für ein Campingplatz
Blick zurück ins Tal
Super Abendstimmung – Gute Nacht!

Sven kommt pünktlich zu den letzten Sonnenstrahlen und wir kochen Pasta mit Tomatensauce. Kaum ist die Sonne weg, wird es kalt. Nach einem Stück Schweizer Schokolade verziehen wir uns ins Zelt. Immerhin konnte Sven seine Matte flicken und mit allen 9 Schichten und Simons Daunenjacke als zweite Decke ist die Kälte bis 3.30 Uhr erträglich. Wir schlafen alle nicht sonderlich gut, denn auf 4200m.ü.M. wird die Höhe doch spürbar. Dafür werden wir am nächsten Morgen von zauberhaftem Wetter geweckt und geniessen das Frühstück in der Sonne. Heute geht es über den Pass und so machen wir uns langsam auf den Aufstieg. 500 Höhenmeter später sind wir beim Punto Union angekommen auf 4750 m.ü.M. Was für eine Aussicht! Es ist atemberaubend. So geniessen wir unser Mittagessen in der Sonne mit einer bombastischen Aussicht. 

Die Esel laufen den Berg runter
Zwei Esel laufen den Berg hoch
Fantastische Berggipfel
Noch ein imposanter Gipfel mehr
Was für eine Bergwelt
Stark! Wir sind am Punto Union auf 4750 m.ü.M. angekommen
Blick ins nächste Tal
Perfekter Gipfelmittagsplatz

Danach geht es an den Abstieg. Langsam aber stetig kommen wir vorwärts und treffen um 16.00 Uhr beim vorgegebenen Camping ein. Doch da wir am nächsten Tag bereits um 12.00 Uhr im Dorf ankommen sollten, da dann der einzige Bus fährt, entscheiden wir uns noch etwas weiter zu laufen. Die Sonne ist sowieso soeben hinter den Bergen verschwunden und wir können uns auch noch etwas bewegen. Nun macht sich die Kondition des Fahrrads bemerkbar und auf dem fast Flachen Abschnitt kann ich gut Tempo machen. Dann passiert uns ein klassischer Fehler. Wir sehen unzählige schöne Campingplätze und laufen einfach weiter. Auf unserer Karte ist nochmals einer eingezeichnet, doch als wir dann sehr spät da ankommen ist er ziemlich mies. Wir finden mit Mühe eine grade Fläche und sind etwas enttäuscht über unsere verpassten Chancen. Dafür besuchen uns noch zwei Kinder mit ihrem Vater. Sie versichern uns, dass wir hier ohne Probleme campen können, auch wenn es bereits nicht mehr im Nationalpark ist. Nachdem die Kids nach Keksen gefragt haben, verziehen sie sich ins Tal. 

Schnell kochen; es wird kalt!

Nun müssen wir schnell aufstellen und essen, denn es wird bitterkalt. Immerhin sind wir auf 3600m.ü.M. abgestiegen und schlafen so deutlich besser. Sven hat entdeckt, dass in allen Schichten inkl. Regenhose am wärmsten gibt. Am letzten Tag müssen wir ohne Sonne aus dem Zelt. Erst nachdem wir alles eingepackt und startklar sind, kommt sie über die Berge. Nun ist es ein Katzensprung ins Tal zum Fluss und bereits ab dem ersten Haus wird uns ein Transport angeboten. Wir lehnen dankend ab, denn wir wollen zum offiziellen Bus. Dafür müssen wir auf der anderen Flussseite nochmals 300 Meter den Berg hoch wandern. Wir sind noch nicht ganz im Dorf angekommen steht schon ein Minivan bereit und hat bereits einen Wanderer aufgeladen. Nach etwas überlegen, entscheiden wir uns doch den Privattransport zu nehmen. So können wir gleich losfahren und müssen nicht noch auf den Bus warten, der vielleicht kommt oder vielleicht auch nicht. Wer weiss das schon so genau. Ausserdem sind ca. 12.- CHF für 3.5 Stunden Busfahrt wohl doch akzeptabel.

Klapperkiste

Die Fahrt ist ebenso lang wie spektakulär. Wir müssen nochmals über einen 4700 m.ü.M. Pass fahren. Unser Fahrer haltet zweimal um Fotos zu schiessen. Ein spektakulärer Blick auf die Cordillera Blanca mit dem höchsten Berg Perus dem Huascaran mit einer Höhe von 6768 Meter. Danach geht es langsam und stetig zurück ins Tal und wird immer wärmer. In Yungay wechseln wir ein letztes Mal in einen anderen Minivan und fahren eine gute Stunde das Tal zurück. Ziemlich müde und hungrig gehen wir direkt in unsere neue Lieblingsbäckerei und gönnen uns je zwei Stück Kuchen und ein grosses Inka Cola. Im Hostel wird alles wieder aus und neu eingepackt. Nach einem feinen Abendessen im selben Chifa Restaurant wie vor der Reise gibt es ein gutes und grosses Abendessen, bevor wir glücklich und müde ins Bett fallen. 

Was für eine Fahrt zurück ins Tal
Huascaran Nord und Süd – der höchste Berg Perus
Eine Lawine beobachtet
Blick ins Tal
K.O. und super glücklich

Diese Nacht ist für alle erholsam und warm. So schlafen wir bis 7.00 Uhr aus und chillen noch bis 9.00 Uhr im Hostel. Jetzt heisst es Fotos aussortieren und Blog schreiben. Nach einem super Pancake Frühstück geht unsere Tour durch Huaraz wieder von vorne los. Bereits vor dem Frühstück haben wir unsere Kleider in die Wäscherei gebracht. Wohlgemerkt hat Sven gleich viele Kleider wie Simon und ich gemeinsam. Danach geht es zum Mercado. Hier bringt Sven seine kaputten Wanderhosen zur Schneiderin. Simon und ich stocken unser Essen für die nächsten Fahrradtage auf. Dann gehen wir zu einem Schuhmacher, welcher Svens Rucksack hoffentlich flicken kann. Jetzt sind alle Gegenstände in der Stadt verteilt und wir hoffen alles pünktlich am späteren Nachmittag wieder einsammeln zu können. Denn Sven nimmt heute um 22.00 Uhr den Bus zurück nach Lima, um anschliessend seinen Bruder in Cusco zu treffen. Man darf beruhigt sein. Alle Erledigungen haben geklappt und Sven kann mit allen Habseligkeiten weiterreisen. Schön hast du uns besucht, Sven!

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Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Markus

    Unglaublich schöne Fotos!

  2. Opru

    Dangge für die tolle Bricht. Es isch eifach unglaublich was ihr beide mached. Unseri Hitz und euri Chälti gäbi en gueti mischig. Mached wiiter so und passed ufenand uf. Gueti Wiiterreis. Opru

  3. Lydia Müller

    super! Danke für die tolle und unvergessliche Zeit mit Sven!
    Ich wünsche euch weiteehin eine erlebnisreiche und unfallffreie Zeit.
    Liebe Grüsse
    Lydia

  4. Mami-Claudia

    Wirklich traumhaft die Föteli vo euerer Bärgtour und kuschle zu dritt im Zält sicher au ä speziells Erläbnis 😍🤣

  5. Walti (Papi Müller)

    Ein super Bericht mit spektakulären Bildern, der uns euren tollen Trip eindrücklich nachvollziehen lässt🤗!
    Weiterhin gute Reise!

  6. Susi

    Danke für den spannenden Bericht. Wir wären so froh gewesen ein wenig Hitze an Euch abzugeben. Ich war schon 3x mit der Wandergruppe in Kaiseraugst auf dem Campingplatz zum Rheinschwimmen. Weiter alles Gute und liebe Grüsse Omimi Susi